Nach fragwürdigem Masken-Kauf Landeskriminalamt durchsucht Uniklinik Magdeburg – Aufsichtsrat hat getagt

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Für rund 385.000 Euro hatte das Uniklinikum Magdeburg einst FFP2-Masken bei einer Firma gekauft, deren Miteigentümer der Sohn des Ärztlichen Direktors ist. Ein Mitbewerber erstattete Strafanzeige. Nun rückte die Polizei an. Der Aufsichtsrat hat am Donnerstag getagt und sich mit dem Thema beschäftigt. Details wurden nicht genannt.

Mitarbeitende des Uniklinikums Magdeburg am Beginn der Corona-Pandemie, 2020
Es geht um einen fragwürdigen Maskendeal am Uniklinikum Magdeburg. Bildrechte: dpa

Im Zusammenhang mit einem fragwürdigen Großeinkauf von FFP2-Masken hat das Landeskriminalamt am Mittwoch das Uniklinikum Magdeburg durchsucht. Laut "Volksstimme" waren 20 Beamte im Einsatz. Sie sicherten unter anderem Daten auf dem Rechner der Kaufmännischen Direktorin, Kerstin Stachel, sowie verschiedene Dokumente. Stachel und der Ärztliche Direktor, Hans-Jochen Heinze, bestätigten der Zeitung den Vorgang.

Durchsuchungen auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen

Nach MDR-Informationen wurden zudem auch Privaträume und Geschäftsräume außerhalb Sachsen-Anhalts durchsucht. Laut Staatsanwaltschaft Magdeburg erschienen die Beamten auch an zwei Objekten in Nordrhein-Westfalen und einem Objekt in Niedersachsen. In Ersterem hat die Firma ihren heutigen Sitz. Insgesamt gebe es sieben Beschuldigte, darunter die drei Geschäftsführer der Firma. Der Sohn des Ärztlichen Direktors ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Ermittelt wurde nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr beziehungsweise wegen Bestechung. Welche Anhaltspunkte zu den Durchsuchungen geführt hatten, war vorerst unklar.

Aufsichtsrat der Uniklinik Magdeburg tagt, ohne Details zu nennen

Vor dem Hintergrund der Razzia hat sich am Donnerstag der Aufsichtsrat der Klinik mit dem Thema beschäftigt. Bei der turnusgemäßen Sitzung sei der Fall "ausführlich intern und mit dem Klinikvorstand erörtert" worden, teilte Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) am Donnerstag mit, der auch der Vorsitzende des Kontrollgremiums ist.

Eine Erklärung gab der Aufsichtsrat mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht ab. Man wolle aber die Einschätzung des Landesrechnungshofes abwarten. Bereits Mitte April hatte der Aufsichtsrat den Landesrechnungshof um eine externe Prüfung des Großeinkaufs gebeten. Die Behörde hat diese Prüfung bislang nicht abgeschlossen.

Klinikums-Chef und sein Sohn weisen Vorwürfe zurück

Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT hatten Anfang März aufgedeckt, dass das Uniklinikum Ende 2020 mehrere Hunderttausend FFP2-Masken bei einer Firma gekauft hatte, deren Miteigentümer ein Sohn des Ärztlichen Direktors des Uniklinikums ist. Die Firma wurde erst im vergangenen Jahr gegründet. Laut einer nachträglich veröffentlichen Bekanntmachung beläuft sich der Vertragswert auf 385.000 Euro.

Ein Mitbewerber für den Masken-Vertrag hatte im April Strafanzeige erstattet. Er wirft den Beteiligten unter anderem Untreue und Bestechlichkeit vor. Diese weisen das von sich.

Hans-Jochen Heinze und sein Sohn betonten damals, dass die familiäre Beziehung nie eine Rolle für die Geschäftsbeziehung zwischen Uniklinikum und Firma gespielt habe. Von Seiten des Uniklinikums sei die Vergabe rechtlich einwandfrei gelaufen und ordentlich dokumentiert.

Dieser Beitrag wurde am 9. September um 9:42 um eine Antwort der Staatsanwaltschaft Magdeburg ergänzt. Um 16:30 Uhr wurden Angaben zur Sitzung des Uniklinik-Aufsichtsrates sowie Details zu den Durchsuchungen eingefügt.

MDR/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. September 2021 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

pwsksk vor 5 Wochen

Ich glaube ZDF-Info wars, mit dem Bericht, das die Händlerfirmen für Masken auf Millioneneinkäufen sitzen blieben (trotz Vereinbarung mit der Bundesregierung, die Masken haben zu wollen). Und dann gab es da diese Bundestagsabgeordneten mit über 250000 € nur PROVISIONEN.
Da ermitteln jetzt NICHT die Staatsanwälte???

Rychlik vor 5 Wochen

irgendwas läuft aus dem Ruder ...

- Hotel-Neubau "Das Elb" steht und wurde im Überflutungsgebiet in Magdeburg eröffnet
- Masken Affäre nicht nur im Bundestag, Uniklinikum Magdeburg kann es auch

pepe79 vor 5 Wochen

@Gisi5 Auf eine Allergie reagiert der Körper schon auf sehr kleine Mengen und die Schleimhäute der Augen kommen auch damit in Kontakt, da sitzt die FFP2 Maske bekanntlich nicht. Abgesehrn davon sind reine Eiweise kleiner als komplette Viren, den die Virushülle besteht auch aus Eiweisen.

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