Magdeburger Stadtmarsch Bauvorhaben löst weiter Diskussionen aus

Es ist bisher nur reine Theorie, aber die geplante Bebauung des Stadtmarschs sorgt in Magdeburg schon jetzt für viel Brisanz – so auch am Mittwochabend bei einer öffentlichen Diskussionsrunde. Kritische Fragen stellen, sich eine Meinung bilden oder aktiv mitdiskutieren? Einige Magdeburger haben sich versucht mit einzubringen.

Grafische Darstellung Stadtplanung
Um diesen Abschnitt handelt es sich bei dem Bauvorhaben. Bildrechte: Visualisierung: Teichert, Schulze & Partner

In Magdeburg sorgt seit Längerem die Bebauung des "Grünen Stadtmarschs" für große Diskussionen. Aktuell befindet sich das Projekt noch in der Planungsphase. Es ist also noch nicht entschieden, wie ein finales Konzept aussehen soll. Doch alleine der Standort löst bei einigen Magdeburgern Empörung aus: Der Stadtpark gilt als die grüne Lunge der Stadt. Eine Wohnhausanlage am Eingang des Stadtparks ist für viele undenkbar.

Das studentische Netzwerk In:takt hatte am Mittwochabend eine öffentliche Diskussion zu dem heiß diskutierten Thema veranstaltet. Dabei stand neben kurzen Eröffnungsplädoyers der Podiumsgäste, auch der Austausch mit den rund 100 anwesenden Magdeburgern auf dem Programm.

Fragen statt Diskussion

Vier Personen sollten auf dem Podium eine Diskussion führen. Nach den Eröffnungsplädoyers war das Interesse an Fragen aus dem Publikum jedoch so groß, dass man entschied, die Diskussion auf dem Podium auszulassen und den Bürgern so mehr Zeit für ihre Fragen zu geben. Diskussionen gab es trotzdem – allerdings während der Beantwortung der Fragen.

Renate Fiedler, von der Bürgerinitiative "Rotehornpark retten!": "Ich fand es sehr interessant. Was mich ein bisschen stört, ist, dass man nicht die Grundlagen klärt. Man könnte viel Stress rausnehmen, wenn man erst mal beantwortet, ob eine Wohnbebauung möglich ist oder nicht. Wenn das geklärt ist, ist viel Ärger weg und man kann das Ganze besser entwickeln – ich kann nicht verstehen, wieso das nicht als Erstes gemacht wird!"

Sozialverträgliche Mieten geplant

Das Publikum war bunt gemischt: Pro und Contra hielt sich die Waage. Auch einige Stadträte sowie Verantwortliche der Stadt Magdeburg waren vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Die Stimmung war geprägt von guten und kritischen Nachfragen, stimmungsvollen Reaktionen auf sämtliche Antworten, als auch von profilierenden Statements der anwesenden Magdeburger.

Wie es mit den Mieten für Wohnungen in den geplanten Projektbauten aussehe, beantwortete Mike Rosner, Technischer Sachbearbeiter Projektentwicklung/Investitionen: "Die Wobau plant 20 Prozent der Mieten sozialverträglich anzusetzen."

Kritisch-hinterfragende Atmosphäre

Nach gut zwei Stunden war die Veranstaltung vorbei. Für die studentische Organisation war sie ein voller Erfolg. "Wir haben mit einer hohen Resonanz gerechnet – aber so hoch, dass es sogar Stehplätze gab, damit haben wir nicht gerechnet. Es war eine hitzige Diskussion, aber es hat Spaß gemacht“, schilderte eine Studentin aus dem Organisationsteam von In:takt ihr Fazit des Abends.

Die Diskussionen und der Austausch zwischen Verantwortlichen und Bürgern hat sehr gut funktioniert. Eine gesunde kritisch-hinterfragende Atmosphäre lag die gesamte Zeit über in der Luft. Wie es genau mit dem Thema Stadtmarschbebauung weitergeht, ist derzeit nicht absehbar. Am 23. Januar befasst sich der Stadtrat in seiner Sitzung erneut damit. Fakt ist: Fest steht derzeit noch gar nichts.

Über den Autor: Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im fünften Semester seines Bachelors Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pat, jr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Januar 2020 | 12:30 Uhr

5 Kommentare

jackblack am 13.01.2020

Sehr richtig, und der FällWAHNSINN ist noch lange nicht beendet z.B. Pappelallee, Tangente usw. und eine Ersatzpflang ist und bleibt ein E R S A T Z.

ottovonG am 12.01.2020

Wie sieht es eigentlich mit den Belangen des Umweltschutzes und Hochwasserschutzes aus? Entlang der Alten Elbe wurden kürzlich hunderte Bäume und Buschwerk wegen dem Hochwasserschutz beseitigt, aber dort soll in Mitten der Elbarme in einen sensiblen Bereich gebaut werden. Auf Immoscout gibt es fast 2000 Angebote für Mietwohnungen in Magdeburg, wo liegt also der Bedarf? Die Stadt hat sich bereits mit Großßprojekten wie dem City-Tunnel überhoben, die Raifeisenstraße gleicht jetzt von der Breite dem Breiten Weg. In Summe fielen 1000ende Bäume ohne Ausgleichspflanzungen in der Stadt in den letzten Jahren der Säge zum Opfer. Jeder der hier schon länger wohnt weiss, dass Magdeburg vor 10 jahren deutlich grüner war. Was ist mit Frischluftschneisen, nichtmal ordentliche Fahrradwege konnte die Stadt in den letzten Jahrzehnten etablieren, der Berufsverkehr ist eine Katastrophe. Kurz: es gibt genug andere Baustellen. Natürlich hat Herr Trümper Interesse an der Bebauung, verdient er mit?

Kritiker am 12.01.2020

Überall wird von Umwelt, Klimaschutz, dazugehörige Kosten, neue Steuern für die Bürger etc. gesprochen.Unter Notwendigkeit nur die "Kleinigkeit" das jeder Quadratmeter Wald oder auch allgemein Grüner Bereich nötig ist, sollte diese Stadtmarschbebauung schon von vorn herein zu den Akten gelegt werden.
Wie schon @jackblack anführte wird es sich sicherlich um Luxuswohneinheiten=Häuser handeln, denn anders kann eine solche Diskussion, ohne bei den Grundlagen anzufangen und alles zu berücksichtigen was umwelttechnisch nötig ist, nicht bewertet werden! Da sollte man sich mal in Magdeburg und seinen anhängigen Vororten umschauen,wo viele schon vorhandene Wohnungen unbenutzt herumstehen und ggf.dem Verfall "geopfert werden"!
Wenn es nur um einmalige Geldeinnahmen geht, dass solche Bereiche an Privat verkauft werden,sollte jeder der ach so umweltbewussten Politiker mal darüber nachdenken was diese Einmaligkeit jetzt für die Sorgen der Zukunft bedeutet und gegeneinander aufgewogen werden soll.

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