Stadt Magdeburg spendiert Mittagessen frei Haus für bedürftige Kinder im Lockdown

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Die Stadt Magdeburg übernimmt im Februar die Kosten einer warmen Mahlzeit für Kinder bedürftiger Eltern, wenn sie keinen Anspruch auf Notbetreuung haben. Lieferdienste und Caterer organisieren die Mittagsverpflegung der Kinder zuhause. Das stellt sie vor eine Herausforderung.

kizzen von einer Karotte, einer Zwiebel und einem Brokkoli mit fröhlichen Gesichtern vor blauem Hintergrund
Frisches Gemüse frei Haus geliefert – im Februar gibt es das für einige Kinder auf Kosten der Stadt. Bildrechte: MDR/Max Schörm

Kartoffelbrei, Bratwurst und Gemüse oder Königsberger Klopse – eins dieser Gerichte konnten einige Kinder in Magdeburg am Mittwoch kostenlos bekommen. Die Magdeburger Gastro GmbH hatte diese zwei Gerichte auf dem Speiseplan. Sie ist einer von sechs Essenslieferanten, die in Zusammenarbeit mit der Stadt Eltern mit geringem Einkommen während des Lockdowns unterstützen.

Nachfrage bisher überschaubar

Sie beliefern anspruchsberechtige Familien mit einem Mittagessen, das die Familie nicht bezahlen muss. Stattdessen rechnet die Catering-Firma die Mahlzeit direkt mit dem Wohnungs- und Sozialamt der Stadt ab.

Gelb angestrichenes Gebäude an einer großen Kreuzung mit Leuchtschrift Paritätische
Einer der Lieferdienste, die Familien mit geringem Einkommen mittags beliefern, befindet sich im Stadtteil Leipziger Straße. Andere liefern von Olvenstedt, Alte Neustadt oder sogar aus Schönebeck. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Anspruchsberechtigt sind Kinder, die nicht in Notbetreuung sind und Anspruch auf Bildungs- und Teilhabeleistungen haben, deren Eltern also Sozialleistungen beziehen.

Bisher lässt sich die Zahl der Bestellungen an den Händen abzählen. Der Geschäftsführer der Magdeburger Gastro, Jens Burkart, sagt: "Wir sind gerade erst am Anfang, das muss sich erstmal rumsprechen." Für ihn und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fing alles mit einem Aufruf in der Zeitung an. Darauf hatte sich die Firma bei der Stadt gemeldet und sich bereit erklärt, die Kinder zu beliefern.

Ähnlich ist die Nachfrage im Moment beim Lieferdienst Menü-Express im Stadtteil Leipziger Straße. Die Nudeln mit Wurstgulasch, die auf seinem Speiseplan stehen, hat das Team von Geschäftsführer Stephan Heins am Mittwoch im Rahmen der Stadt-Initiative zunächst nur an zwei Kinder geliefert. Es hätten sich aber nun auch schon Kitas gemeldet, um Infos für die Eltern einzusammeln, die ihr Kinder zuhause betreuen.

Chance für die Gastronomie?

Unabhängig von der Anzahl der Bestellungen von anspruchsbedürftigen Familien, werden die Gastronomen mit diesen zusätzlichen Aufträgen wohl nicht reich. Stephan Heins vom Menü-Express sagt: "Wir arbeiten kostendeckend." Das Hauptziel sei es die Kinder zu versorgen und "etwas Gutes zu tun in dieser Zeit, wo man zusammen rücken soll", so Heins.

Auch die Magdeburger Gastro GmbH nimmt nach Angaben von Jens Burkart vor allem teil, um zu unterstützen. Burkart geht davon aus, dass es ein wirtschaftliches Unternehmen wird, aber er sagt auch: "Es ist ein Aufwand, jedes Kind einzeln zu beliefern."

Die Möglichkeit, einen Mittagstisch liefern zu lassen, habe es zwar schon gegeben, aber mit einem Mindestbestellwert von vier Portionen. Jens Burkart ist aber zuversichtlich, dass sich die Logistik gut regeln lassen wird. Er geht davon aus, dass Eltern einen Caterer in ihrer Nähe auswählen. Außerdem kann das Essen auch vor Ort abgeholt werden.

Nach Angaben der Stadt soll das Angebot vorerst nur im Februar gelten. Sollte aber der Lockdown verlängert werden, wird es für einige Familien noch länger kostenlose Königsberger Klopse geben.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Februar 2021 | 12:30 Uhr

4 Kommentare

DanielSBK vor 14 Wochen

Weil die, die Arbeiten gehen auch nichts "umsonst" erhalten?! .... Nudeln + Wurstsalat ... sehr gut für heranwachsende Kinder. Und als "Nachtisch" dann Weißbrotstulle mit Nutella...

Fischlein vor 14 Wochen

Die Idee ansich ist ja ganz gut. Jedoch verstehe ich nicht warum nur Eltern, die Sozialleistungen in der Art unterstützt werden. Wenn dann sollten alle die Möglichkeit haben es zu nutzen. Oder ist es für die normal arbeitende Bevölkerung einfacher zwischen Homeshooling, Homeoffice und all den anderen Tätigkeiten im Haushalt für ein warmes Mittagessen zu sorgen bzw. es zu kochen. Da derzeit sowieso keine Geschäfte geöffnet haben muss eigentlich genug Geld im Monat über sein von den Sozialleistungen.
Ich denke man kann aber so wieder ein gewisses Wählerklientel ansprechen, es sind ja bald Wahlen... ;-)

DanielSBK vor 14 Wochen

Bei über 400 € Hartz4 + 219€ Kindergeld stehen 150€ zum Einkaufen pro Woche(!) zur Verfügung - selbst Erwerbstätige in Vollzeit haben teilweise nicht so viel Geld zum "einkaufen" in der Woche über.... die müssen auch jeden Cent umdrehen - ein völlig falscher Ansatz mal wieder es sich Leistungslos in der sozialen Hängematte gemütlich zu machen. Bezahlen kann es (noch) der Erwerbstätige mit 40 Stunden +X Wochenarbeitszeit und 50% Sozialabgaben auf dem Lohnschein - die Frage ist, wie lange noch...

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