Gedenken an NS-Opfer Neue Stolpersteine in Magdeburg verlegt

In Magdeburg sind am Mittwoch 34 neue Stolpersteine an zwölf Orten verlegt worden. Sie erinnern an von Nationalsozialisten deportierte und ermordete Menschen. Zu der Verlegung der Steine reisten Angehörige der Opfer aus den USA und Israel an.

Messingstein wird in den Boden eingelassen.
34 neue Stolpersteine wurden in Magdeburg am Mittwoch verlegt. Bildrechte: dpa

In Magdeburg sind am Mittwoch 34 neue Stolpersteine an zwölf Orten in den Stadtteilen Sudenburg, Altstadt und Werder verlegt worden. Zuvor gab es bereits 627 Stolpersteine in der Stadt.

Susanne Schweidler vom Fachbereich Kunst und Kultur der Stadt sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Stolpersteine erinnerten an Menschen, die kein Grab und keinen Ort zum Erinnern hätten. Außerdem seien sie für die Versöhnungsarbeit wichtig und brächten jungen Menschen durch persönliche Schicksale Geschichte näher.

Angehörige aus USA und Israel angereist

Der erste neue Stein wurde am Mittwoch für Ruth Mühlmann in Sudenburg verlegt. Zwei Großnichten der Frau waren für die Verlegung aus den USA angereist.

Messingstein im Boden mit Aufschrift "hier wohnte Ruth Rosa-Mühlmann und zwei Blumen daneben.
Der Stolperstein für Ruth Rosa Mühlmann wurde im Magdeburger Stadtteil Sudenburg verlegt. Bildrechte: dpa

Auch für die Verlegung eines Steins auf dem Werder war ein Mann eingereist, um die Verlegung des Stolpersteins für seine Großeltern zu begleiten.

Kunstprojekt Stolpersteine

Stolpersteine sind Messingsteine mit Namen und Daten von Menschen, die zur Zeit des Nationalsozialismus von den Nazis verschleppt und ermordet wurden. Es handelt sich meist um Juden und Jüdinnen. Die Steine werden an den Orten verlegt, an denen sich jeweils die letzte bekannte, selbst gewählte Wohnstätte der Person befindet.

Der Künstler Gunter Demnig aus Köln begann in den 1990er Jahren, Stolpersteine zu verlegen. Stolpersteine sind auch in vielen anderen Städten und Ländern in Europa verlegt worden. In Halle sind es etwas gibt es mehr als 250, in Dessau-Roßlau gut 100.

Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt heute

MDR (Kevin Poweska, Max Hensch, Marcel Knop-Schieback, Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. Juni 2022 | 11:30 Uhr

2 Kommentare

hilflos vor 24 Wochen

Habe auch die Bedenken des Killy gelesen. Naja 120€/Stein ist heutzutage auch kein Aufreger mehr.
Ich finde das Erinnern an diese Zeit und die Verbrechen absolut wichtig.
Allerdings bin ich überzeugt, dass gerade viele der deutschen Eliten, mit Arisierung, Ausnutzung von Zwangsarbeiter Schuld auf sich luden und Werte für sich aneigneten. Viele noch aktueller Firmen haben das gemacht und niemand zieht die in den Blick der Öffentlichkeit

Ralf Richter vor 25 Wochen

Ich empfehle zu diesem Thema u.a. einen Beitrag der Sächs. Zeitung "Wegen Kritik: Löbau überdenkt 'Stolpersteine'" (03.06.22) oder der Süddt. Zeitung "Rosenheim verzichtet auf Stolpersteine" (24.02.22) oder der taz "Stolper-steine in München: Der Streit ums Gedenken" (08.08.16)
Gut gemeint, ist eben nicht gleich gut gemacht. Schon gar nicht, wenn Gedenken und Geschäft eine Einheit bilden.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt