Angekündigter Rückzug Warum Magdeburg Oberbürgermeister Trümper vermissen wird

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Seit knapp 20 Jahren ist Lutz Trümper Oberbürgermeister von Magdeburg. Mit seiner direkten und pragmatischen Art war er bei vielen Magdeburgern immer sehr beliebt. Doch jetzt will er nicht mehr Bürgermeister sein. Ein Kommentar.

Magdeburgs parteiloser Oberbürgermeister Lutz Trümper steht am 08.01.2016 nach seiner Jahresauftakt-Pressekonferenz vor dem Rathaus in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Nur noch bis zum kommenden Sommer will Lutz Trümper Oberbürgermeister von Magdeburg bleiben. Bildrechte: dpa

Es muss sich mächtig etwas angestaut haben in Lutz Trümper. Um deutliche Worte nie verlegen, machte er seinem Herzen am Montag im Stadtrat von Magdeburg Luft – und wurde ziemlich emotional. Er wählte Abschiedsworte, die enttäuscht klangen. 

Enttäuscht von seinen Stadträten, enttäuscht von der politischen Lage im Stadtrat, die sich seit der Kommunalwahl doch sehr geändert hat und wohl irgendwie auch enttäuscht darüber, dass der gesunde Menschenverstand dabei nicht mehr viel zu zählen scheint – oder zumindest das, was Trümper unter einem gesunden Menschenverstand versteht. Dass einer wie Lutz Trümper nun nicht mehr mitmachen mag, ist bitter.

Trümper ließ sich nie den Mund verbieten

Er ist außerordentlich beliebt, vor allem, weil er oft aussprach, was viele dachten. Und er ließ sich den Mund nicht verbieten – was bei vielen gut ankam – auch dann nicht, wenn es brenzlig wurde – 2015 etwa. Damals, als viele Geflüchtete auch nach Magdeburg kamen, hatte er sein Parteibuch abgegeben, weil er eine andere Meinung hatte als die damalige SPD-Parteichefin Katrin Budde.

Es gab viel Anerkennung für seinen Schritt. Einige warfen ihm allerdings auch vor, ein Flüchtlingsgegner zu sein. Nicht das erste Mal hatte er es sich mit der eher linken Ecke verscherzt. 

So wollte er noch vor etwa zehn Jahren nicht, dass die Regenbogenfahne am Rathaus gehisst wird. Erst der Stadtrat überstimmte ihn. Prügel bekam er auch, weil er sich immer wieder kritisch über den Zuzug Dutzender rumänischer Familien nach Magdeburg äußerte. Allerdings hatte er immer deutlich gemacht, dass es ihm bei seiner Kritik um den möglichen Sozialbetrug ging, den er anprangerte. 

Wie wird sich die Politik entwickeln?

Diese Widersprüchlichkeit begegnete ihm nun wohl auch innerhalb seiner Verwaltung. In seiner Abschiedsrede sagte er, er habe nie jemanden belogen, nie Intrigen gesponnen. Nun aber würde er von Stadträten hören, sie könnten ihm nicht vertrauen. Das war offenbar zu viel für denjenigen, der so einige Beschimpfungen einsteckte im Kampf um die Sache.

Magdeburg ist schwerfällig und tickt eher konsevativ. Auch wenn zumindest zwei weitere Dezernate seit diesem Jahr von zwei Frauen geleitet werden, die vergleichweise jung sind, auf vielen leitendenden Positionen sitzen oder saßen Männer kurz vor der Rente. Sie waren es, zusammen mit ähnlich alten Stadträten, die einen sauteuren Tunnel mitten durch die Innenstadt beschlossen hatten. Und das alles in Zeiten, in denen eigentlich schnell eine Verkehrswende her müsste. Mehr Platz für Radfahrer, autofreie Zonen, eine Idee gegen das Veröden der Innenstadt und so vieles mehr. 

Trümper musste immer öfter Niederlagen einstecken

Das alles umzusetzen, wäre mit einem Oberbürgermeister Lutz Trümper sicher schwer geworden. Er hat es offenbar selbst gemerkt. Immer öfter kam er mit seinen Vorschlägen nicht mehr durch, musste auch bei wirtschaftlichen Entscheidungen Niederlagen einstecken und zog trotzig den Schluss, auf diese Weise würden Investoren abgeschreckt.

Einige Jüngere versuchen, im Stadtrat den Ton zu ändern, es gibt viel Druck auch durch die sozialen Netzwerke. Doch wie wird sich die Politik in Magdeburg entwickeln, wenn nicht mehr die Mitte, sondern Linke, Grüne und AfD künftig noch mehr gemeinsam entscheiden, wie zuletzt bei einem umstrittenen Bauprojekt im Stadtpark? Wenn Jüngere, Unerfahrenere eine Verwaltung lenken müssen? 

Jemand, der mit Menschen- und Sachverstand auch gegen Widerstände seine Meinung vertritt, wäre sicher nicht verkehrt – so wie es Lutz Trümper getan hat. 

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Über die Autorin Janine Wohlfahrt stammt aus Magdeburg und arbeitet seit 2001 für MDR SACHSEN-ANHALT. Seitdem hat sie im Hörfunk und Fernsehen Nachrichten gemacht, war als Reporterin mit dem Ü-Wagen unterwegs und sorgt jetzt dafür, dass viele interessante und relevante Gesprächsthemen aus Magdeburg auch im Internet landen. Janine Wohlfahrt arbeitet auch als Chefin vom Dienst in der Online-Redaktion. Bevor sie zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat sie bei der Bild-Zeitung, Radio SAW und MDR JUMP gearbeitet. Ihre Lieblingsorte in Magdeburg sind ihr Zuhause, die Datsche, der Neustädter See und der Stadtpark.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Dezember 2020 | 09:30 Uhr

15 Kommentare

Britta.Weber vor 26 Wochen

Steuerzahler, ich kann mir nach Ihrem Beitrag gut vorstellen, weshalb Trümper mit der linksgrünen Seite Probleme hatte. Trümper war und ist ein pragmatischer und bürgernaher OB, der Dinge offen ansprach, auch wenn sie nicht pc-gerecht sind. Dass manche (wie Sie) das nicht gut finden, spricht eher für ihn. Schade, dass der aufhört.

JensMD vor 26 Wochen

ein Punkt in Lutz Trümpers Rede vor dem Stadtrat war der wichtigste!
er sagte;... er wurde auf die Magdeburger Bürger vereidigt und auf keine Partei!
OB Trümper hat sich ausschließlich für die Stadt und ihre Bürger eingesetzt und sich nicht von Parteipolitik unterdrücken lassen, ein Politiker mit einer eigenen Meinung und dem Willen diese kund zu tun und danach zu handeln, wo gibt es sowas heute noch??????? All jene die sich negativ über den OB Trümper äussern sollten mal "googeln" wo die Stadt Magdeburg 2001 stand und wo jetzt! Entsprechendes Vergleichsmaterial findet sich zuhauf!
Ich jedenfalls danke dem OB Lutz Trümper ausdrücklich für die geleistete Arbeit.

kaesie1954 vor 26 Wochen

Ein guter Oberbürgermeister schmeisst nicht unsere Steuergelder zum fenster raus nur um sich einen Namen zu setzen der Tunnel am Bahnhof hätte nicht sein brauchen das hätte man billiger haben können und es ist immer noch kein ende der Kosten ab zu sehen wird zeit das der endlich seinen Hut nimmt und geht hoffe es wird ein fähiger nachfolger kommen der nicht das Geld von uns Bürgern mit vollen Händen aus dem fenster schmeisst

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