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Magdeburg sucht einen neuen Oberbürgermeister. Bildrechte: Gunnar Feierabend

Wissenschaft, Wirtschaft, SportOB-Wahl in Magdeburg: Was von Trümpers Nachfolger erwartet wird

von Sören Thümler, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 22. April 2022, 05:04 Uhr

In Magdeburg wurde im Frühjahr 2022 Simone Borris als neue Oberbürgermeisterin gewählt. Die Herausforderungen für das Amt und die Stadt sind riesig. Was in Wissenschaft, Wirtschaft und Sport für die nächsten Jahre vom Stadtoberhaupt erwartet wird.

Hört man den Magdeburgerinnen und Magdeburgern genau zu, ist die Mehrheit mit dem Kurs des amtierenden Oberbürgermeisters (OB) Lutz Trümper (SPD) schon zufrieden. Da hört man: "Er (Trümper, Anm. d. Red.) hätte doch weitermachen sollen" oder "Der Nachfolger muss in die Fußstapfen Trümpers treten". 

Es gibt auch Kritik an der Amtsführung oder an den vielen Baustellen in der Stadt. Aber wäre Trümper noch einmal angetreten, wäre er wohl mit absoluter Mehrheit im Amt bestätigt worden. Doch Trümper tritt nicht noch einmal an. Und seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger im Amt steht nun vor großen Herausforderungen.

Intel-Ansiedlung überstrahlt alles

Der Chiphersteller Intel wird im Süden der Stadt eine sogenannte "Giga-Fabrik" errichten. Aus diesem Fakt erwachsen für Magdeburg Herausforderungen, die alle Bewerberinnen und Bewerber für das OB-Amt auch so einschätzen und die das Prädikat "Zeitenwende" durchaus verdienen.

Wigbert Schwenke (CDU) sitzt seit 1990 im Magdeburger Stadtrat. Er ist sich sicher, dass die eigentliche Arbeit für Magdeburg nun erst beginnt: "Wir haben jetzt immense Aufgaben in der Stadt, in der Infrastruktur. Sowohl in der Verkehrsinfrastruktur mit Straßen und Anbindungen an den Nahverkehr, als auch in der Sozialinfrastruktur mit Kitas und Schulen. Eigentlich fängt die wirkliche Arbeit jetzt an und die muss so schnell wie möglich geleistet werden."

Magdeburg wird durch Intel-Ansiedlung internationaler

Auch für den Rektor der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität, Professor Jens Strackeljan, sind die Herausforderungen für Stadt und das Stadtoberhaupt durch die Intel-Ansiedlung riesengroß. Die Universität werde neue Fachkräfte ausbilden und Magdeburgs Erscheinungsbild werde internationaler. Das habe auch Auswirkungen auf die Verwaltung: Eine Behörde, die Anfragen auf Englisch nicht beantworten kann, sollte der Vergangenheit angehören.

Strackeljan mahnt auch ein Umdenken bei der Mobilität an: "Wir werden das allein aus Magdeburg gar nicht stemmen können. Es wird ganz andere Anreisen zur Arbeit geben. Ob die immer noch mit dem Privatauto erfolgen müssen, weiß ich nicht. Da müssen wir jetzt auch mal innehalten, überlegen und dann wohl auch mal 'groß' denken. Weil die ganze Sache auch eine ganz große Chance für Magdeburg ist."

Wirtschaft erwartet "Dienstleistungsspirit" von der Verwaltung

Auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg sieht man die Möglichkeiten und Herausforderungen der neuen Großansiedlung. Funktionieren kann das in Magdeburg nur, wenn sich auch die Stadtverwaltung modernisiert. Das ist für die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK, Susanne Eva Dörrwand, die größte Herausforderung der kommenden Jahre.

Wenn es uns nicht gelingt, sehr schnell und spürbar die Dienstleistungen der Verwaltung an den Bedarf der Unternehmen anzupassen, sodass der Unternehmer zum Beispiel schneller an Genehmigungen kommt, bekommen wir große Probleme. Wenn wir das nicht schaffen, sind wir irgendwann abgehängt.

Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK Magdeburg, Susanne Eva Dörrwand

Deshalb ist aus Dörrwands Sicht eine moderne und digitalisierte Stadtverwaltung, die sich als Dienstleister begreift, die wichtigste Herausforderung für Magdeburg.

Wunsch nach Krisenmanagement ohne Parteibuch

Auch Magdeburg muss sich mit den Auswirkungen der Corona-Krise und den noch nicht abzuschätzenden Folgen des Krieges in der Ukraine auseinandersetzten. Da ist sich auch der Manager der Handballer des SC Magdeburg, Marc-Henrik Schmedt, sicher. Er hofft, die gute Kommunikation zwischen Stadt und Sportvereinen fortsetzten zu können. In den vergangenen Jahren erwies sich die Stadt dabei als verlässlicher Partner. Er weiß aber auch, "dass die Aufgaben in der Infrastruktur eine Herkulesaufgabe werden". Dabei wünscht er der Nachfolgerin oder dem Nachfolger viel Durchhaltevermögen.

Schmedt gibt dem neuen Stadtoberhaupt angesichts der Herausforderungen diese Gedanken mit auf den Weg: "Einfach noch mehr Transparenz in die politischen Entscheidungen bringen, mehr auf die Menschen hören und nicht so oft nur auf das Parteibuch schauen. Dann wird Magdeburg eine tolle Entwicklung nehmen."

OB-Wahl am 24. April

Sollte am 24. April keiner der Kandidatinnen und Kandidaten die absolute Mehrheit auf sich vereinen, gibt es am 8. Mai in Magdeburg eine Stichwahl. Im Juli nimmt dann die erste Nachwendeoberbürgermeisterin oder der dritte Oberbürgermeister die Amtsgeschäfte auf.

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MDR (Sören Thümler, Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 19. April 2022 | 12:50 Uhr

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