Verbindungen für Fußgänger und Radfahrer Städträte in Magdeburg wollen mehr öffentliche Wege durch Kleingärten

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Mehr Fuß- und Radwege und bessere Querverbindungen zwischen den Routen in Magdeburg: Das wünschen sich kommunale Politikerinnen und Politiker in Magdeburg. Dafür wollen sie auch Kleingartenanlagen öffnen.

Kiesweg zwischen hüfthohen Zäunen von Gärten mit vielen bunten Blumen und grünen Büschen.
Wege wie dieser, quer durch die blühenden Gärten, sind oft nur für die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner zugänglich. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Mitten durch die Kleingartenanlage – so könnten einige Menschen in Magdeburg ihre täglichen Wege zur Arbeit, zur Schule oder ins Zentrum abkürzen. Oft sind die Kieswege quer durch die Gärten allerdings abgeschlossen. Ein Antrag im Stadtrat soll das ändern.

Idee schon im Landschaftsplan

Stadträtin Julia Mayer-Buch von der Fraktion Grüne-Future! hat den Antrag initiiert. Neu sei die Idee nicht, sagt sie, und die Stadtverwaltung sehe die Idee als sinnvoll an. Auf einen früheren Antrag hatte die Stadt geantwortet, dass die "Durchwegung von Kleingartenanlagen grundsätzlich gewünscht" sei.

In einem Landschaftsplanentwurf der Stadt gibt es bereits Pläne neue Wege durch Grünanlagen, unter anderem durch Kleingartensparten. Kürzere Wege für Menschen, die zu Fuß und mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs sind, wünscht sich Stadträtin Mayer-Buch.

Verband der Gartenfreunde Der "Verband der Gartenfreunde" in Magdeburg hat 224 Mitglieder. In den Gartensparten der Stadt sind derzeit insgesamt 14.031 von mehr als 15.000 Parzellen besetzt. Die einzelnen Kleingärtnervereine bewirtschaften 640 Hektar Pachtland.

Quelle: Verband der Gartenfreunde

Pro: Kurze Wege, soziale Orte

Ein von Hecken und Büschen gerahmter Asphaltweg, auf dem sich in der Ferne zwei Frauen befinden.
Nicht weit vom Stadtzentrum befindet sich ein großes Gartensparten-Areal, durch das auch öffentliche, asphaltierte Wege führen, wie die Rückert- und Grabbestraße. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Mayer-Buch sieht noch weitere Vorteile: Innerhalb der Gärten könnten öffentlich nutzbare Flächen entstehen, wie Spielplätze oder Naschgärten. Wer im privaten Kleingarten zu viel geerntet hat, könnte das Gemüse und Obst den vorbeigehenden Menschen anbieten, etwa mit einer Kasse des Vertrauens. Wege durch die Gartensparten könnte neuen Nachwuchs in die Parzellen locken.

Die Stadträtin stellt sich vor, dass es ein Pilotprojekt gibt, um das Konzept der offenen Kleingärten auszuprobieren. Im Sommer, wenn regelmäßig Gärtnerinnen und Gärtner in den Sparten unterwegs sind – so die Idee – man müsse die Vereine auf jeden Fall miteinbeziehen.

Contra: Mangelnde Sicherheit

Der Verband der Gartenfreunde würde sich wünschen, einbezogen zu werden. Die Vorsitzende Ute Simon sagt: "Man könnte uns ja mal fragen im Vorfeld." Das Thema sei zwar nicht neu, Gespräche habe es aber zu diesem konkreten Antrag bisher nicht zwischen Stadtratsmitgliedern und dem Verband der Gartenfreunde gegeben.

Einige Kleingartenvereine hätten bereits jetzt ihre Wege in der Regel für Fußgängerinnen und Fußgänger geöffnet, zum Teil zu begrenzten Zeiten, etwa am Wochenende. Andere Vereine seien wegen schlechter Erfahrungen nicht bereit, die Türen zu den Gartenanlagen unverschlossen zu halten.

Ausgespäht und eingebrochen

Im Kleingartenverein "Im Siek", dem Dennis Kryk vorsitzt, wollen die Mitglieder ihre Gartensparte nicht öffnen. Es sei bereits vorgekommen, dass die geöffneten Gärten am Tag ausgespäht wurden, um über Nacht einzubrechen. Die Schäden seien ärgerlich, aber ersetzbar. Doch das Gefühl der mangelnden Sicherheit bleibe, so Kryk.

Auch eine Kleingärtnerin in Nordwest berichtet, dass innerhalb von zehn Jahren bereits zweimal in ihre Laube eingebrochen wurde. Sie fände es trotzdem nicht schlecht, die Gärten tagsüber zu öffnen. So könnten die Vereine einfacher neue Mitglieder werben. Ein älteres Ehepaar, das seinen Garten in der gleichen Sparte bereits aufgegeben hat, würde dagegen stimmen – man würde sich weniger sicher fühlen.

Mitgliederbeschlüsse notwendig

Ein metallenes Tor mit Stacheldraht und einem Schild "Kleingärtnerverein "Flora Stadtfeld".
Viele Vereine und Vereinsmitglieder achten darauf, ihre Gartensparten für Fremde geschlossen zu halten. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Als Problem sieht der Verband der Gartenfreunde auch die Frage der Verantwortung und Haftung, zum Beispiel bei Unfällen. Dass Fahrräder durch die Anlagen führen, kann sich Ute Simon wegen der Unfallgefahr gar nicht vorstellen. Einige Gartenvereine würden bereits für die eigenen Mitglieder das Radfahren untersagen.

Letztlich läge es an den einzelnen Vereinen: Ob Türen geöffnet werden oder nicht, müsste mit einem Mitgliederbeschluss entschieden werden.

Ihre Meinung zum Thema

Im Morgenticker am Freitag haben wir Sie um Ihre Meinung gebeten: Sollen Wege durch Kleingartenanlagen für die Allgememeinheit geöffnet werden? Das sind die (nicht repräsentativen) Ergebnisse der Umfrage. Falls Sie noch nicht abgestimmt haben, wählen Sie ihre Antwort aus. Danach werden Ihnen die Ergebnisse der Umfrage angezeigt.

MDR/Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 24. Juni 2021 | 09:30 Uhr

15 Kommentare

Denkschnecke vor 12 Wochen

Sie haben ja zuletzt hinreichend kommuniziert, dass Ihnen die Rettung des Weltklimas sowieso egal ist, deshalb nichts dazu, ob Fahrräder zu seiner Rettung beitragen. Die Öffnung der Wege würde das Leben für manche Mitbürger auch angenehmer machen.
Lebensgefährlich ist es jedenfalls, sich an einer Kreuzung auf meinem Arbeitsweg als Radfahrer auf "grün" zu verlassen - dann rast immer noch ein eiliger Autofahrer quer vorbei.

Denkschnecke vor 12 Wochen

Bei der Ausdehnung mancher Kleingärten würde das z.T. ein Umweg von 500 m ersparen, macht bei einem durschschnittlichen Radfahrer 2 Minuten.
Bei der Diskussion über die Sperrung der Straße quer über den Uni-Campus erschien dem Stadtrat jüngst ein Umweg von unter 1 km für Autofahrer nicht zumutbar.

goffman vor 12 Wochen

"Warum werden ständig Vorschläge gemacht um das Leben immer unangenehmer zu machen."
Stadtplanung ist immer ein Kompromiss. Sie beschweren sich über "lebensgefährliche" Innenstädte und benennen die Radfahrer als Ursache. Dann machen Sie doch mal einen Vorschlag, wie wir den Radverkehr angenehmer gestalten können.
Mehr Radwege. Klar.
Radwege, auf denen es keine Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern gibt. Auch klar.
Und jetzt benennen Sie mal, woher Sie den Platz dafür nehmen wollen, ohne es anderen unangenehmer zu machen!
Keine Radwege sind jedenfalls die unangenehmste und gefährlichste Option: für Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger.

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