Jerichower Land Gemeinden an der B184 streiten über Verlauf der neuen Ortsumfahrung

Seit klar ist, dass die Ortsumfahrung zwischen Heyrothsberge und Gommern kommt, wird zwischen den Ortsteilen heiß über den bestmöglichen Verlauf diskutiert. Bürgerinitiativen versuchen bei der Entscheidung mitzureden.

Thomas Röglin zeigt den Verlauf der möglichen Ortsumfahrung
Anwohner Thomas Röglin zeigt auf den möglichen Verlauf der Ortsumfahrung B184 kurz vor dem Ortsausgang Klein Gübs. Auf Facebook porträtiert er die Gübser Bürgerinitiative als widerspenstige Gallier. Bildrechte: MDR / Moritz Lünenborg

Dass eine Ortsumfahrung gebraucht wird, steht für alle Beteiligten außer Frage und das schon lange. Jeden Tag rollen Hunderte Lkw über die derzeitige B184 zwischen Heyrothsberge und Gommern. Laut Prognosen sollen es in Zukunft auch noch mehr werden und damit steigt die Lärmbelastung für die Anwohner. Eine Ortsumfahrung ist also erwünscht. Die Frage ist nur, wo genau soll sie verlaufen?

Die Landesstraßenbaubehörde hat vier Varianten für die B184n vorgelegt:

Eine Karte zeigt mehrere Varianten einer neuen Straße zwischen Heyrothsberge und Gommern
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Empfehlung der Einheitsgemeinde Stadt Gommern

Jens Hünerbein, Bürgermeister von Gommern
Der Bürgermeister von Gommern, Jens Hünerbein vor dem Rathaus. Bildrechte: MDR / Moritz Lünenborg

Im südlichen Bereich der Ortsumfahrung liegt die Einheitsgemeinde Stadt Gommern. Hier hatte man bereits im Sommer 2020 eine Stellungnahme an die Landesstraßenbaubehörde geschickt, in der die favorisierten Straßenverläufe dargelegt wurden. Der Ortsteil Karith/Pöthen hatte aber den Eindruck, nicht berücksichtigt zu werden.

Gommerns parteiloser Bürgermeister Jens Hünerbein gesteht ein: "Da mussten wir nachjustieren." Jetzt geht der Bürgermeister von einem Konsens in der Einheitsgemeinde Gommern aus.

Bürgerinitiative Königsborn

In der Einheitsgemeinde Biederitz hingegen scheint es nach wie vor Unstimmigkeiten zu geben. Es gründete sich eine Bürgerinitiative im Biederitzer Ortsteil Königsborn, die sich gegen die Variante der Ortsumfahrung B184 einsetzte, die Königsborn in zwei Teile teilt und den Ortsteil zwischen zwei Schnellstraßen und der Bahnlinie "einkesselt".

Die Königsborner Bürgerinitiative konnte sich mit ihrem Anliegen durchsetzen. Für die Einheitsgemeinde Biederitz ist die Variante, die Königsborn geteilt hätte, vom Tisch. Im Biederitzer Ortsteil Gübs ist man mit der Empfehlung der Einheitsgemeinde zum Straßenverlauf aber noch nicht zufrieden.

Eine Karte zeigt mehrere Varianten einer neuen Straße zwischen Heyrothsberge und Gommern
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Bürgerinitiative aus Gübs fühlt sich übergangen

Die Einwände der Gübser wurden in der Empfehlung der Einheitsgemeinde Biederitz nicht berücksichtigt. Darum hat sich eine zweite Bürgerinitiative gegründet, die sich für die Variante einsetzt, die nördlich von Heyrothsberge verlaufen würde. Die Bürgerinitiative stellt sich damit gegen die Variante, die Gübs und Klein Gübs voneinander trennt, durch Hochwasser- und Erholungsgebiet führt und nah an ihrer Ortschaft entlang läuft.

Thomas Röglin ist Initiator der Gübser Bürgerinitiative und sagt: "Immer wenn Entscheidungen anstehen, man als Bürger von diesen Entscheidungen hört und merkt, man wird nicht berücksichtigt, dann probiert man lauter zu werden." Im Herbst 2020 ist er in seiner Nachbarschaft von Haus zu Haus gegangen und hat den Aufruf zur Bürgerinitiative in den Briefkästen verteilt. Die Resonanz sei groß gewesen.

Thomas Röglin am Ortseingang von Klein Gübs
Thomas Röglin am Ortseingang von Klein Gübs Bildrechte: MDR / Moritz Lünenborg

"Der große Ärger ist, dass sich Leute ohne Betroffenheiten an der Diskussion beteiligen", erklärt Thomas Röglin. Damit meint er die Gemeinderäte aus Gerwisch und Biederitz, den beiden größten Ortsteilen der Einheitsgemeinde. Diese stellen die Mehrheit im Gemeinderat "...und deshalb werden wir überstimmt und müssen uns jetzt als kleines Gübs, als 350 Seelendorf Gehör verschaffen."

Entscheidung liegt bei der Landesstraßenbaubehörde

Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein stellt klar: "Wir werden auch alles Notwendige dafür unternehmen, dass wir die Varianten, die wir absolut nicht mittragen, auch gegebenenfalls klageweise prüfen werden, ob wir da Einwendungen erheben, die zum Erfolg führen." Er wolle noch nicht mit dem Säbelrasseln anfangen, aber noch mal unterstreichen, wofür sich Gommern einsetzt.

Abwägen und entscheiden wird am Ende die Landesstraßenbaubehörde und dann dem Bund eine Vorzugsvariante vorstellen, der den abschließenden Verlauf festlegt. Bis die Bagger rollen, dauert es noch mindestens acht Jahre.

Einigkeit zwischen den Gemeinden besteht bei der Ablehnung von zwei Varianten, sowie bei der Forderung nach einer Brücke über die Bahnlinie nördlich von Heyrothesberge, die im Zuge der Bauarbeiten auch gebaut werden könnte. Das ist auch für alle Nicht-Ortsansässigen wichtig, die an dem Bahnübergang "...einen erheblichen Teil ihrer Lebenszeit verbringen", wie Jens Hünerbein erklärt.

MDR/ Moritz Lünenborg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Mai 2021 | 09:30 Uhr

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