Corona-Pandemie Warum das Warten auf einen PCR-Test in Magdeburg Stunden dauert

Liegt eine Corona-Infektion vor oder nicht? Nur ein PCR-Test gibt darüber sicher Auskunft. Doch die Testkapazitäten sind begrenzt. Vor der Fieberambulanz Magdeburg gibt es seit Tagen Warteschlangen. Bis zu drei Stunden muss bei Wind und Wetter draußen ausgeharrt werden. Mehrere Maßnahmen sollen Abhilfe schaffen.

Hinter Bauzäunen stehen Menschen an
Vor dem Magdeburger Fieberzentrum bilden sich zum Teil lange Warteschlangen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

In Magdeburg sorgen zahlreiche Corona-Verdachtsfälle für immer längere Wartezeiten vor der Fieberambulanz im Stadtzentrum. Wie eine Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT vor Ort ergeben hat, mussten potenziell Infizierte Anfang Februar teilweise bis zu drei Stunden auf einen Abstrich warten.

Platz für zweite Fieberambulanz wird gesucht

Tobias Irmer von der Kassenärztlichen Vereinigung sagte MDR SACHSEN-ANHALT, wegen der schnell steigenden Zahl an Infektionen komme man an die Grenzen des Machbaren. Kapazitäten und Personal in der Fieberambulanz seien begrenzt. Irmer weiter: "Je mehr Menschen kommen, desto länger wird die Wartezeit sein. Das kann man bei den vielen Patienten kaum verhindern."

Hinzu komme, dass auch Personal der Fieberambulanz krankheitsbedingt ausfalle – nicht nur, aber auch wegen Corona. Wegen des großen Andrangs suche man derzeit eine zweite Räumlichkeit in Magdeburg.

Seitdem sich die Fallzahlen so rasant entwickeln, suchen wir nach einer Möglichkeit, eine zweite Räumlichkeit zu eröffnen – die idealerweise auch so groß ist. In engen Räumen wird es immer ein größeres Ansteckungsrisiko geben als in kleinen Räumen.

Tobias Irmer, Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

Die Allgemeinmedizinerin Angelika Kühle sagte, sie sorge sich vor einem steigenden Infektionsrisiko in der Fieberambulanz. Das Abstrich-Zentrum ist in einer schlecht belüfteten Sporthalle untergebracht. Auch deshalb gelte strikte Maskenpflicht, sagte Irmer.

Mehr Testkapazität für Sachsen-Anhalt

In der dritten Kalenderwoche 2022 wurden in ganz Deutschland rund 2,5 Millionen Tests durchgeführt – rund ein Drittel davon mit positivem Ergebnis. Doch die PCR-Testkapazitäten geraten längst an ihre Grenzen. Daher wird nun politisch gegengesteuert.

Wie Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Montag mitteilte, sollen PCR-Tests künftig vorrangig für Menschen aus dem Gesundheitswesen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig soll aber der Anspruch für alle Menschen auf die hochwertigen Corona-Nachweise bestehen bleiben.

Wegen der Priorisierung müsste eventuell mit längeren Wartezeiten gerechnet werden. Allerdings: Für Sachsen-Anhalt könnte die Testkapazität von wöchentlich etwa 10.000 PCR-Tests auf 20.000 verdoppelt werden, so die Ministerin. Grimm-Benne ist aktuell Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die zum Wochenbeginn stattfand.

Abklärende PCR-Tests könnten bald entfallen

Ein Mitarbeiter hält in einem Coronatest-Labor PCR-Teströhrchen in den Händen.
Die Laborkapazitäten in Deutschland geraten an ihre Grenzen. Bildrechte: dpa

Während PCR-Tests in Fieberambulanzen aktuell vor allem genutzt werden, um Corona-Verdachtsfälle zu untersuchen, könnte diese Möglichkeit künftig eingeschränkt werden. So sieht es ein Entwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium zur Änderung der Corona-Testverordnung vor.

Konkret könnte die Testverordnung so geändert werden, dass dieser Anspruch zunächst entfällt. Er könnte aber jederzeit wieder in Kraft gesetzt werden, wenn das Gesundheitsministerium auf seiner Internetseite explizit eine Empfehlung für eine PCR-Nachtestung ausspricht – so wie aktuell. Grimm-Benne erklärte, sie hoffe, dass der Bund diese Regelung noch in dieser Woche offiziell vorlegt.

Wo gibt es PCR-Tests in Sachsen-Anhalt?

PCR-Tests werden durch Hausärzte, Abstrichstellen und Teststationen durchgeführt. Außerdem hat die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt landesweit neun Fieberambulanzen eingerichtet. Eine Übersicht aller Standorte dieser Ambulanzen, Praxen und anderer Anlaufstellen gibt es hier.

Wer hat Anspruch auf einen PCR-Test in der Fieberambulanz?

Fieberambulanzen sind dann Anlaufstelle, wenn durch den Hausarzt oder die Hausärztin kein PCR-Test erfolgen kann. In der Fieberambulanz werden laut Kassenärztlicher Vereinigung PCR-Tests durchgeführt, um Krankheitssymptome abzuklären, wenn das Gesundheitsamt einen Test empfohlen hat, wenn ein positiver Bürgertest oder eine rote Warnmeldung in der Corona-App vorliegt sowie wenn Test für eine Kur oder einen Krankenhausaufenthalt benötigt wird.

Was kostet ein PCR-Test?

Ein PCR-Test kostet in Deutschland zwischen 60 Euro und 200 Euro – je nachdem, wo er gemacht wird und wie schnell ein Ergebnis benötigt wird. So kostet ein PCR-Test am Flughafen, für den innerhalb weniger Stunden ein Ergebnis benötigt wird, am meisten. Für selbstzahlende Privatversicherte liegen die Kosten beim Arzt für Labor und Abstrich nach Höchstsatz bei fast 180 Euro.

Wer übernimmt die Kosten eines PCR-Tests?

  • Liegen Krankheitssymptome vor und wird ein Test ärztlich angeordnet, werden die Kosten des PCR-Tests durch die Krankenversicherung übernommen.
  • Liegen keine Symptome vor, gab es aber Kontakt zu einem Corona-Fall, einen Ausbruch beispielsweise in einer Arztpraxis oder Schule, ist ein PCR-Test präventiv für Pflegeeinrichtungen nötig oder liegt ein positiver Bürgertest vor – dann werden die Kosten laut Nationaler Teststrategie und Coronavirus-Testverordnung des Bundes vom Gesundheitsfonds getragen. (Stand: 03.02.2022)
  • Ohne zertifizierten positiven Schnelltest und Krankheitssymptome müssen die Kosten für einen PCR-Test selbst getragen werden.

MDR (Nadine Hampel, André Plaul), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 03. Februar 2022 | 12:00 Uhr

10 Kommentare

MDR-Team vor 34 Wochen

Spahn sagt in dem Interview aber auch, dass Geimpfte infektiös sein können und schlägt deshalb regelmäßige Tests auch für geimpfte Mitarbeiter gewisser Berufsgruppen vor.

Haller vor 34 Wochen

„Ich möchte aber nicht, dass wir Geimpfte regelhaft testen. Das ist einfach nicht notwendig“, sagte Spahn WELT.

Seine Begründung: „Am Ende messen wir dann Inzidenzen von geschützten Menschen, die keinen Aussagewert haben, mit denen wir aber dann nie aus dieser Pandemie kommen. Außerdem muss Impfen ja auch noch einen Unterschied machen. Warum soll ich mich impfen lassen, wenn sich trotz Schutz um mich herum nichts verändert?“


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Man muss sich das wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen, was Herr Spahn da eigentlich sagt:

"...
Ich möchte aber nicht, dass wir Geimpfte regelhaft (systematisch) testen.
...
Am Ende messen wir dann Inzidenzen von geschützten Menschen, die keinen Aussagewert haben, mit denen wir aber dann nie aus dieser Pandemie kommen.
..."

MDR-Team vor 34 Wochen

Wir haben nochmal beim Ministerium nachgefragt, laut deren Antwort beziehen sich die 10.000 bis 20.000 Tests nur auf die Labore, die in Sachsen-Anhalt sind und die vor wenigen Wochen an einer freiwilligen Umfrage teilgenommen haben. Da aber wohl noch zahlreiche Tests aus Sachsen-Anhalt bspw. in Göttingen untersucht werden, liegt die Zahl der Tests, die tatsächlich jede Woche in Sachsen-Anhalt durchgeführt werden, deutlich darüber. Die genaue Zahl hat uns das Ministerium nicht mitgeteilt.

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