Pfeiffersche Stiftungen Magdeburg Zwischen Panik und völliger Gelassenheit: Klinikseelsorge in Zeiten von Corona

Die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt sind auf das Virus vorbereitet, das wird von Politikern und Medizinern seit Tagen versichert. Zwar fehlt es zum Teil an Schutzausrüstung, aber noch sind die Kliniken in Wartestellung. Doch nicht nur für das medizinische Personal, auch für die Klinikseelsorger ist die aktuelle Zeit eine Herausforderung. Uli Wittstock sprach mit Hans Bartosch, Klinikseelsorger bei den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg.

Herr Bartosch, das Virus hat in der Arbeitswelt viel verändert. Das betrifft besonders die Bereiche Medizin und Pflege. Wie sieht denn Ihr neuer Arbeitsalltag aus?

Hans Bartosch: Üblicherweise schaue ich in jedes Zimmer. Aber das habe ich zurück gefahren, auf Weisung unseres Krisenstabes. Ich gehe nur noch dorthin, wo die Pflegenden meinen, dass es nötig sei, vorbeizuschauen. Ich komme dann aber nicht wie sonst in meiner Alltagskleidung, sondern komplett in weiß und mit Mundschutz. Natürlich setze ich mich nicht mehr auf ein Krankenbett, sondern bleibe schön auf Abstand, mindestens zwei Meter. Aber das versteht inzwischen jeder Patient.

Nun bestehen die Pfeifferschen Stiftungen nicht nur aus einem Krankenhaus, sondern auch aus Pflegeheimen und einem Hospiz. Welche Folgen hat denn die Umstellung für die Stiftungen?

Man muss sagen, dass sich hier alle erstaunlich schnell anpassen. Wobei es ungewöhnlich leer im Krankenhaus ist. Jetzt sind ja nur noch Patienten hier, die dringend behandelt werden müssen. Und dennoch habe ich noch nie in meinem Leben in einem solchen Ausnahmezustand gelebt. Es ist eine ungewöhnliche Bandbreite der Gefühle, auf die ich hier treffe. Zwischen Panik und völliger Gelassenheit. Hinzu kommt eine wahnsinnige Solidarität aller Mitarbeitenden. Das ist schon beeindruckend.

Die Bilder aus Norditalien rütteln auch die Menschen hierzulande auf. Sind die Pfeifferschen Stiftungen gut vorbereitet?

Wir sind hier in Sachsen-Anhalt natürlich alle noch in Wartestellung. Wir wissen nicht, wann es richtig losgeht oder wie es richtig losgeht. Wir wissen noch nicht einmal, ob es überhaupt zu dramatischen Situationen für unser Krankenhaus kommen wird. Und es ist ja auch unklar, wie lange das Krankenhaus in diesem Krisenmodus bleiben muss. Das setzt hier enorme Gefühle und Gedanken frei. Aber natürlich hoffen wir, dass es hier nicht zu solchen dramatischen Bildern wie in Italien und den USA kommt.

Als Klinikseelsorger sind Sie ja nicht nur für die Patienten zuständig, sondern Sie betreuen auch Angehörige. Die haben derzeit aber keinen Zutritt. Wie können Sie denen helfen?

Für viele Angehörige ist das eine ganz brutale Zeit. Sie können ihre Angehörigen nicht mehr besuchen, weder in den Pflegeheimen noch auf den Stationen. Und da können wir als Seelsorger auch nur minimal helfen. Zwar kann man an den Pforten Pakete abgeben, man kann auch mal winken und die Stationen machen auch viel möglich mit Telefonaten, doch das Problem bleibt: Es ist nur Fernkontakt möglich. Ich glaube, dass sich diese Form der Isolation nicht über Monate aufrecht erhalten lässt. 

In den Pfeifferschen Stiftungen gibt es ein Hospiz. Dort werden sterbende Menschen bis zum Tod begleitet. Ändert diese Erfahrung den Blick auf das Virus?

Bei uns in den Pfeifferschen Stiftungen sterben jedes Jahr 800 Menschen. Lakonisch gesagt haben wir da Übung drin, auch eine gewisse Gelassenheit. Trotzdem sind wir erschüttert über einzelne Schicksale. Aber dass das Leben endlich ist, und auch das Sterben nicht zwingend schrecklich sein muss, sondern dass es viel menschliche und mittlerweile auch medizinische Hilfe gibt, das wissen wir. Und das praktizieren wir hier ja hier eigentlich jeden Tag, auch als Teil unseres christlichen Anspruchs.

Die Kirchen sind geschlossen, Ostern fiel aus religiöser Sicht aus. Werden in diesen Tagen verstärkt Fragen nach einem Gott gestellt?

Also ich bin Rheinländer, komme aus dem Ruhrgebiet und bin seit 8 Jahren hier in Magdeburg. Natürlich merkt man schnell, dass die meisten mit dem lieben Gott nichts zu tun haben, aber trotzdem mal über so ein Thema wie die Seele reden wollen. Im Grund hat sich daran wenig geändert. Es heißt zwar immer, Not lehrt beten und das stimmt eigentlich auch, aber das passiert nicht nur zu Corona-Zeiten. Und es wäre natürlich furchtbar, die aktuelle Situation zu missbrauchen, um Leute zu missionieren. Das fände ich nicht anständig.

Quelle: MDR/olei

MDR SACHSEN-ANHALT

1 Kommentar

seelsorger am 19.04.2020

Lieber Bruder Bartosch,
vielen Dank für die Gespräche am Krankenbett, die noch erzählt werden mussten und mit der Sie mir ein Geschenk gemacht haben.

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