Demonstration Ermittlungen nach gewaltsamer Polizeiaktion in Magdeburg

Am Rande der Demonstration zum Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs hat es am Wochenende einen umstrittenen Zwischenfall gegeben. Auf einem Video, das in den sozialen Netzwerken stark kommentiert wird, ist zu sehen, wie Polizisten einen Demonstranten gewaltsam gegen eine Hauswand stoßen. Die Polizei nahm am Montag Ermittlungen auf.

Demonstranten stehen am Hauptbahnhof in Magdeburg einzelnen Polizisten gegenüber.
In Magdeburg kam es am Sonnabend zu einer Polizeiaktion, die in den sozialen Medien viel diskutiert wird. Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Nach einer Polizeiaktion am vergangenen Sonnabend am Rande der Demonstrationen zum 76. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs hat die Polizei zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das hat die Polizeiinspektion Magdeburg MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt.

Auf einem Video in den sozialen Medien ist zu sehen, wie Beamte einen Mann gegen eine Hauswand stoßen, wodurch Teile der Fassade abfallen. Augenzeugen berichten, dass der Mann medizinisch versorgt werden musste. Er habe genäht werden müssen und ein Schädel-Hirn-Trauma davongetragen.

Zu den Details der Ermittlungen wollte die Polizei auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT keine Stellung nehmen. Wörtlich hieß es in der Antwort: "Da es sich hierbei um laufende Verfahren handelt, können wir keine Auskünfte zum Verfahrensstand geben oder Fragen, die die Ermittlungen betreffen, beantworten." Damit ist auch nicht klar, gegen wen genau sich die Ermittlungsverfahren richten.

Zum Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs waren 20 Veranstaltungen angemeldet. Laut Polizei waren Beamte aus sechs Bundesländern im Einsatz.

Das nachfolgende Video zeigt die betreffenden Aktion am 16. Januar in Magdeburg.
Triggerwarnung: Dieses Video enthält Szenen von Gewalt.

Ein Augenzeuge berichtet

Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Johanniskirche in Magdeburg – unweit vom Alten Markt im Zentrum der Landeshauptstadt.

Ein Augenzeuge, der erst nach dem Zwischenfall vor Ort eingetroffen war, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, erst nach 10 Minuten hätten Sanitäter dem verletzten Demonstranten helfen dürfen.

Die Linke fordert schnelle Aufklärung

Die Landtagsfraktion "Die Linke" hat bereits erklärt, dass der Polizeieinsatz vom 16. Januar aufzuarbeiten sei. Die Innenpolitische Sprecherin Henriette Quade habe bereits einen Antrag zu diesem Thema für die Sitzung des Innenausschusses am Donnerstag gestellt. Dabei geht es um mehr als um den Fall des jungen Mannes. In dem vorliegenden Antrag will die Partei unter anderem auch geklärt bekommen, warum ein Aufzug rechter Demonstrantinnen und Demonstranten möglich war und antisemitische Lieder nicht unterbunden wurden.

Hintergrund zu den Demos am 16. Januar

Am 16. Januar 1945 hatten 370 englische und amerikanische Bomber Magdeburg angegriffen. In siebenunddreißig Minuten zerstörten die Bomber 90 Prozent der Innenstadt und 60 Prozent der gesamten Stadtfläche. Mehr als 2000 Menschen starben, mehr als 10.000 wurden verletzt. 200.000 Menschen sind obdachlos geworden.

Aus diesem Grund wird Jahr für Jahr an diesen Tag mit verschiedenen Gedenkveranstaltungen erinnert. Auch in diesem Jahr gibt es wieder die Möglichkeit. Die Aktionswoche unter dem Motto "Eine Stadt für alle" läuft noch bis zum 27. Januar 2021.

Bereits seit zwei Jahren gibt es in Magdeburg die Aktionswoche in Erinnerung an die Zerstörung Magdeburgs. Die Aktionswoche geht dabei immer bis zum 27. Januar – dem Tag, an dem im Jahr 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde. Mahnwachen an verschiedenen historischen Plätzen in Magdeburg erinnern an die Verbrechen der Nazis.

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Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Regionalstudio Magdeburg | 18. Januar 2021 | 12:30 Uhr

48 Kommentare

DER Beobachter vor 16 Wochen

es ist also völlig i.O., rechtskonform und verhältnismäßig, dass auch Polizisten einen Menschen mit aller Wucht und Gewalt vorsätzlich mit dem Kopf voran an eine Wand knallen dürfen? Wo leben wir hier? In Weißrussland oder gibts die DDR noch?

DER Beobachter vor 16 Wochen

Ach Mikro - Polizeiliche Professionalität und Sachverständigkeit sieht anders aus. Aber gut, mal wieder Ihren szeneeinschlägigen Kommentar und Sachverstand lesen zu können... Unterm Strich alles klar... Darf MDR S-A freischalten... ;) ;) ;)

tim regenbogen vor 16 Wochen

Es waren aber Polizisten, die sie des versuchten Mordes beschuldigen und nicht LEUTE.
Zum Glück befassen sich andere mit dem Fall und fällen ein Urteil und nicht sie.

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