Forschung in Magdeburg Wie das Smartphone die Entwicklung von Kindern beeinflusst

Wissenschaftler in Magdeburg erforschen derzeit die Aufmerksamkeit von Kindern. Sie wollen unter anderem herausfinden, wie sich die Nutzung von Smartphones auf Kinder auswirkt. Für die Studien werden noch Mädchen und Jungen im Alter von einem Jahr bis zwölf Jahren gesucht.

Ein Junge mit Handy.
Inwiefern die ständige Nutzung des Smartphone bei Kindern Spuren hinterlässt, wird aktuell in Magdeburg erforscht. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Wie entwickelt sich die Aufmerksamkeit bei Kindern in verschiedenen Altersstufen? Diese Frage wollen Forscherinnen und Forscher des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg beantworten.

Nach Angaben des Instituts interessiert die Forschenden zum Beispiel, wie sich die Nutzung von Smartphones auf die Aufmerksamkeit von kleinen Kindern auswirkt. In anderen Studien ginge es darum, welche Auswirkungen die Gestaltung eines Klassenzimmers auf das Lernen hat, oder wie das Gehirn von Kindern sich gegen Ablenkung schützen kann.

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Kinder zwischen einem Jahr und zwölf Jahren gesucht

Für ihre Studien suchen die Forscher potenzielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In Frage kommen Kinder im Alter von einem Jahr bis zwölf Jahren, erklärt Teamleiterin Prof. Dr. Nicole Wetzel. Die Dauer der mit den Kindern durchgeführten Tests variiert dabei je nach Alter: Für die Jüngsten dauert ein Test 15 Minuten. Bei älteren Kindern sind es 30 Minuten bis zu zwei Stunden. Gerade bei älteren Kindern müssten die Eltern nicht die ganze Zeit dabei sein, aber sie können natürlich, so Wetzel.

Wie die Projektleiterin MDR SACHSEN-ANHALT weiter mitteilte, gab es bereits erste Rückmeldungen von Interessierten. Zudem sei es weiterhin möglich, sich für die Studien anzumelden. Die Anmeldungen seien dabei unverbindlich.

Zwei Mädchen mit Smartphone in der Hand, außerdem Atlas, der die Welt auf den Schultern trägt. 8 min
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Daten werden mit Spezialbrille erfasst

Bei den Untersuchungen messen die Forscherinnen und Forscher unter anderem die Reaktionszeit und die Blickrichtung und Veränderungen der Pupillen der Kinder. Dies geschieht mit Hilfe einer Spezialbrille. Die Kinder tragen diese Brille während sie Aufgaben bearbeiten, bei denen sie sich gut konzentrieren müssen. "Um zu verstehen, was dabei im Gehirn passiert, messen wir in einigen Studien die elektrische Aktivität des Gehirns, die immer da ist, mittels Elektroenzephalografie", berichtet Teamleiterin Wetzel.

Was ist Elektroenzephalografie (EEG)?

Das Profil einer blonden jungen Frau mit einer EEG-Kappe auf dem Kopf. Die Kappe besteht aus 250 runden Elektroden.
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Während das Kind eine Aufgabe löst, einen Film ansieht oder spielt, trägt es eine speziell angefertigte Haube auf dem Kopf. Auf dieser sind Elektroden befestigt. Dadurch werden hirnelektrische Aktivitäten gemessen. Anhand bestimmter Muster in der Hirnaktivität können die Forschenden dann Aussagen über kognitive Prozesse treffen – beispielsweise ob ein Mensch kurzzeitig abgelenkt ist.

Veröffentlichung der Ergebnisse noch offen

Wann mit den ersten Ergebnissen aus den Untersuchungen zu rechnen ist, ist bislang nicht bekannt. Laut Projektleiterin Wetzel werden die Daten zu den Auswirkungen des Smartphones auf die Aufmerksamkeit von Kinder gerade erst erhoben. Zudem hänge der Abschluss der Untersuchungen auch vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab. Nach Angaben der Projektleiterin mussten die Studien wegen der Lockdown-Phasen zwischenzeitlich unterbrochen werden. Andere Studien hätten jedoch gezeigt, dass sich die Kontrolle der Aufmerksamkeit zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr stark entwickele und sich auch im Grundschulalter weiter verbessere.

MDR/Anne Gehn-Zeller, Sarah Peinelt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. Juli 2021 | 14:00 Uhr

4 Kommentare

goffman vor 9 Wochen

Ja natürlich!
Wenn ich den Einfluss eines Faktors auf eine Entwicklung untersuchen möchte, dann muss ich diese Entwicklung beobachten, bevor! der Faktor Einfluss nimmt.

Mit einem Jahr verwendet kein Kind bewusst ein Smartphone, deshalb ist es sinnvoll, die Beobachtung hier zu starten. Dann gibt es Kinder die mit 2 ein Handy in die Hand bekommen, andere vielleicht mit 6 und wieder andere haben mit 12 noch kein eigenes Smartphone. Und dann kann man diese Gruppen miteinander vergleichen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich persönlich bin auch der Meinung, dass Kinder vor dem 12. Lebensjahr im Internet noch nichts verloren haben und das der derzeit oft frühe und umfangreiche Kontakt der Kinder zu elektronischen Medien (Fernsehen, Handy etc.) äußerst schädlich ist. Genau deshalb finde ich diese Studie aber gut, denn so werde ich erfahren, ob meine Vorbehalte begründet sind und sie schafft auch ein öffentliches Bewusstsein für die Problematik.

C.T. vor 9 Wochen

Durch das Smartphone haben Kinder viel früher kontakt zu den beeinflussenden Medien. Mit ein bisschen Feingefühl können selbst <10 Jährige von den "Influencern" auf Youtube politisch manipulieret werden. Lange bevor sie in der Lage sind anhand eigener Erfahrungen selbst urteilen zu können. Antworten auf praktisch alles werden ihnen einfach "serviert". Fähigkeiten wie Logik oder das begreifen von Zusammenhängen werden zukünftig verkümmen - da nicht mehr trainiert. Dazu muss man keine teuren Studien finanzieren... das sehe ich z.B. jetzt schon bei den auszubildenden usw...

Anni22 vor 9 Wochen

Von einem Jahr an? Geht es noch?

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