Rund 15 Prozent aller Konten betroffen Negativzinsen jetzt auch bei der Sparkasse Magdeburg

Immer öfter erheben Banken auf die Guthaben der Sparer Gebühren – sogenannte Negativzinsen. Diese Entwicklung hat jetzt auch die Sparkasse Magdeburg erreicht. Dort sind etwa 15 Prozent aller Kunden betroffen.

Symbolbild Negativzinsen
Viel Geld auf dem Konto zu haben, kann bei der Sparkasse Magdeburg künftig teuer werden. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Die Zeiten üppiger Zinsen auf Spar-Einlagen bei der Bank sind lange vorbei. Inzwischen werden stattdessen immer häufiger Negativzinsen fällig.

Einzelkunden und Ehepaare von Negativzinsen betroffen

Auch die Sparkasse in Magdeburg führt die Negativzinsen jetzt ein, wie eine Sprecherin bestätigte. Betroffen sind demnach Einzelkunden, die mehr als 25.000 Euro, oder Ehepaare, die mehr als 50.000 Euro auf ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto haben. Darüber hinaus werden Gelder künftig nicht mehr angenommen. Kunden, die schon mehr auf dem Konto haben, würden aber unter den Bestandsschutz fallen.

Zunächst hatte die Volksstimme darüber berichtet (€) und geschrieben, dass die sogenannten "Strafzinsen" bei rund 15 Prozent aller Konten fällig werden.

Oberstes Ziel der Sparkasse ist laut der Sprecherin, die Kunden vor Negativzinsen zu bewahren und alternative Anlagemöglichkeiten aufzuzeigen. "Wenn unsere Kunden ihr Geld auf dem Sparbuch oder Girokonto liegen lassen, dann verschenken sie Geld", sagte der Vorstandsvorsitzende Jens Eckhardt. Gerade auch infolge der Corona-Pandemie sei bei den Kunden der Sparkasse eine deutliche Steigerung der Sparquote festzustellen, so Eckhardt. Hinzu komme die vergleichsweise hohe Inflation in der Bundesrepublik.

Darum gibt es Negativzinsen

Hintergrund der Entwicklung hin zu Negativzinsen ist, dass der Leitzins der Europäischen Zentralbank inzwischen bei minus 0,5 Prozent liegt. Damit müssen Banken dafür bezahlen, wenn sie bei der EZB das Geld ihrer Kunden zwischenlagern. Diese Kosten geben die Institute an die Sparer weiter.

Die Magdeburger Sparkasse ist aber nicht die erste Bank, die diesen Schritt geht. Dem Vergleichsportal Verivox zufolge erhebt bundesweit inzwischen jede dritte Bank Negativzinsen auf das eingelagerte Geld. Laut einer Verivox-Auswertung vom Juli 2021 waren damals darunter auch acht Geldinstitute in Sachsen-Anhalt. Mittlerweile dürften es deutlich mehr sein.

Banken räumen bei Negativzinsen oft Freibeträge ein

Die Spanne der Negativzinsen, die für Sparer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf das Gesparte fällig wird, reicht von minus 0,4 Prozent bis minus 0,6 Prozent. Einige Banken erheben den Minuszins nach individueller Vereinbarung. In der Regel räumen die Geldinstitute einen Freibetrag ein.

Auch Kommunen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zahlen immer häufiger hohe Strafzinsen für ihre Bankguthaben.

Negativzinsen: Banken in Mitteldeutschland überrepräsentiert

"Unter den Banken mit Negativzinsen sind Kreditinstitute aus Mitteldeutschland deutlich überrepräsentiert. Allerdings trifft die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank die hier ansässigen Institute auch besonders hart. Viele Banken der Region verwahren deutlich mehr Spargelder, als sie auf der anderen Seite in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher ausgeben können", sagt Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier im Juli 2021.

Buchstaben bilden bei einem Buchstabenspiel die Worte NEGATIV und ZINSEN 5 min
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MDR SACHSEN Do 19.08.2021 10:45Uhr 05:25 min

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MDR (Thomas Tasler, Matthias Lindner, Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 05. Januar 2022 | 09:00 Uhr

23 Kommentare

emlo vor 31 Wochen

@Mischka: ElBuffo hat Recht. Die Pflegeversicherung holt kein Geld! Auch die Angehörigen müssen schon seit einiger Zeit nicht mehr einspringen. Folgende Situation kann aber eintreten: Die Pflegekosten übersteigen den Betrag, der von der Pflegeversicherung gezahlt wird (das ist z.B. bei einer Heimunterbringung regelmäßig der Fall). Dann muss der Pflegebedürftige den Differenzbetrag aus der eigenen Tasche bezahlen. Das Sozialamt zahlt nur dann, wenn das eigene Vermögen bis auf einen Freibetrag aufgebraucht ist.

Mischka vor 31 Wochen

ElBuffo
wo leben Sie denn? Es gibt bei jeden Amt unterschiedliche Freigrenzen, zwischen 2.500 € und knapp 50.000 €. Alles was darüber liegt wird bei beantragten Zahlungen durch die Ämter gegengerechnet und muss eventuell zuerst aufgebraucht werden. Ich kann dies aus eigener Erfahrung so schreiben und ist somit kein Mist. Wenn das Geld nicht mehr zur Verfügung steht, versucht man zuerst die Angehörigen zur Kasse zu bitten. Damit schließt sich der Kreislauf, denn fürs Alter zu sparen lohnt sich nicht mehr. Die Ämter berechnen in den Freibeträgen sogar mögliche fest angelegte Altersvorsorge wie Lebens- und Rentenversicherungen.

Mischka vor 31 Wochen

Ich habe jetzt erst das Haus gekauft, wo ich drin wohne. Den Kaufpreis habe ich teilweise durch die Bank finanziert um bei der Sanierung flexible zu sein. Also ohne Zeitdruck. Habe mir einmal so einige Preise eingeholt. Um mein Dach fachgerecht komplett sanieren zu lassen müßte ich unter Freunden mit ca. 50.000 € rechnen. Die Sanierung meines zukünftigen Wohnraumes kostet grob überschlagen 25.000 € Material. Dazu würden noch Maßnahmen kommen, welche ich lieber einen Fachmann überlasse. Werden sicher auch ca. 15.000 €. Dann habe ich eine Art Wintergarten geplant, Kosten ca. 15.000 €. Das Geld müßte ich irgendwo bereithalten, denn Anlegen bringt da nur Nachteile. Also verdient die Bank zuerst einmal an dem für die Maßnahmen geplante Geld. Entweder durch den Strafzins auf mein Geld auf meinen Konten oder durch einen Kredit. Jetzt sagt sicher keiner mehr, dass dies nichts kostet.

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