Gotteshaus Spatenstich für neue Synagoge in Magdeburg

Demnächst soll mit dem Bau einer neuen Synagoge in Magdeburg begonnen werden. Am Donnerstag ist der symbolische erste Spatenstich gesetzt worden. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant.

Mehrer Männer auf einer Wiese mit einem Spaten in der Hand.
Spatenstich für neue Synagoge in Magdeburg: Dieter Steinecke ( Förderverein „Neue Synagoge“ Landtagspräsident a.D.)   Frank Toepel ( Toepel Bau)  MP Haseloff,  Wadim Laiter Vorstandsvorsitzender der Synagogen Gemeinde zu Magdeburg, OB MD Lutz Trümper (vlnr.) Bildrechte: MDR/Sören Thümler

In Magdeburg ist am Donnerstag mit dem Bau einer neuen Synagoge begonnen worden. Beim symbolischen ersten Spatenstich war unter anderem Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) anwesend. "Dieser Spatenstich ist das Ergebnis einer wirklichen Bürgerbewegung vieler Magdeburger", sagte Haseloff. "Mit kleinen und großen Spenden haben sie dazu beigetragen, dass nun die Bauarbeiten beginnen können." Auch der Vorstandsvorsitzende der Synagoge-Gemeinde zu Magdeburg, Wadim Laiter, würdigte das bürgerschaftliche Engagement.

 Das Projekt ist mittlerweile ein Volksprojekt geworden. Das ist nicht nur die Synagoge für Juden oder explizit für die Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, sondern das ist ein Projekt für ganz Magdeburg und ganz Sachsen-Anhalt.

Wadim Laiter Synagoge-Gemeinde zu Magdeburg

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) betonte, es sei wichtig, dass die ganze Magdeburger Stadtgesellschaft die Synagoge wolle. Der Landesrabbiner von Sachsen-Anhalt, Daniel Fabian, sagte, es sei außergewöhnlich, wie viele Menschen an der Synagoge beteiligt seien. Die Worte "Denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes genannt werden für alle Völker" sollten die Synagoge von außen sichtbar schmücken. Es solle ein Haus für alle Magdeburgerinnen und Magdeburger werden.

Der Förderverein "Neue Synagoge Magdeburg" unter Leitung der evangelischen ehemaligen Dompredigerin Waltraut Zachhuber hat sich viele Jahren für den Neubau im Stadtzentrum eingesetzt. "Es ist schön, dass mit der zukünftigen Synagoge jüdisches Leben in Magdeburg wieder einen guten und sichtbaren Platz haben wird – 85 Jahre nach der Zerstörung der alten Magdeburger Synagoge", erklärte der Verein vorab. Schon im September 2019 hatte der Stadtrat der Landeshauptstadt Magdeburg für das Projekt die Schenkung des Grundstückes Julius-Bremer-Straße 3 beschlossen. Der Neubau soll Ende 2023 eingeweiht werden.

Neubau kostet gut drei Millionen Euro

Die Gesamtkosten für den Bau werden sich den Angaben zufolge voraussichtlich auf 3,4 Millionen Euro belaufen. Der Förderverein hat bereits 400.000 Euro an Spenden für das Projekt gesammelt. Das Land gibt einen Zuschuss in Höhe von 2,8 Millionen Euro.

Die neue Synagoge wird ganz in der Nähe der alten Synagoge errichtet, die 1938 von den Nationalsozialisten während der Pogromnacht zerstört worden war. 1933 hatte die jüdische Gemeinde rund 2.300 Mitglieder, 1945 waren es nur noch 83. Seit 1990 ist sie vor allem durch Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion auf etwa 500 Mitglieder angewachsen. Neben der orthodoxen Synagogengemeinde gibt es auch eine liberale Gemeinde, die der Union Progessiver Juden angehört. Sie will den Neubau nicht nutzen, weil dort Gottesdienste nur nach orthodoxem Ritus gehalten werden sollen.

Dessau erhält ebenfalls eine neue Synagoge

Auch in Dessau-Roßlau entsteht derzeit eine Synagoge. Sie soll in diesem Jahr fertig werden, wie Haseloff sagte. Im Februar war Richtfest gefeiert worden. Auf dem Grundstück für den Neubau stand nach Angaben der Stadt Dessau-Roßlau einst die Dessauer Synagoge. Diese wurde in der Pogromnacht vom 9. November 1938 von den Nationalsozialisten angezündet und zerstört.

MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Mai 2022 | 10:00 Uhr

6 Kommentare

Denkschnecke vor 29 Wochen

Eine Landesgartenschau benötigt durchaus mal einen doppelt so hohen Zuschuss. Und zwar alle fünf Jahre neu.
Ob die wie über all steigenden Baukosten tatsächlich auch durch das Land getragen werden, dürfte alles andere als ausgemacht sein.

MDR-Team vor 29 Wochen

Dann kennen Sie vermutlich keine jüdischen Mitbürger.

Horst Hessel vor 29 Wochen

Magdeburg ist 84 Jahre ohne eine Synagoge ausgekommen und kenne niemanden der sie vermisst hätte.

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