Homeschooling Schülerstreiche und Störungen im Videounterricht auch in Sachsen-Anhalt

Schüler sind gerade auf Videokonferenzen angewiesen, wenn es ein wenig normales Unterrichtgefühl geben soll – inklusive lustig gemeinter Streiche. Der Weg zum Missbrauch ist im digitalen Alltag aber nicht weit. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es Störungen. Oft sind es die Schüler selbst.

Lehrer unterrichtet per Videoanruf an Schüler während Quarantäne. 3 min
Bildrechte: imago images/Westend61

Den digitalen Unterricht zu stören ist eine neue Challenge, also ein neues Spiel in den sozialen Netzwerken. Das klingt erst mal recht harmlos. Schülerinnen und Schüler stören den Unterricht ja auch im normalen Schulalltag. Das Problem ist, dass die Zugangsdaten zu den Videokonferenzen teilweise einfach ins Internet gestellt werden, beispielsweise auf Instagram, TikTok oder Discord. Das öffnet dann Tür und Tor für Missbrauch. Während des ersten Shutdowns hatte das weltweite Phänomen Videokonferenzen zu stören, sogar einen eigenen Namen bekommen: Zoombombing.

In Hessen wurden zwei Lehrer durch einen Externen aus einer Videokonferenz geschmissen, um den Kindern Pornos zu zeigen und in NRW entblößte sich ein Mann vor Fünftklässlern, wie unter anderem der Tagesspiegel berichtet.

Dem Bildungsministerium Sachsen-Anhalt sind momentan eine Handvoll Störungen bekannt. Ob es sich dabei nur um Streiche der Schüler oder doch um Missbrauch durch Dritte handelt, kann das Ministerium noch nicht klarstellen.

Nicht auf Videounterricht verzichten

Die möglichen Gefahren, die vom Videounterricht ausgehen, dürften nicht dazu führen, dass ganz darauf verzichtet werde, meint Thomas Senger vom Landeselternrat Sachsen-Anhalt. Videokonferenzen seien ein wichtiges Mittel im Unterricht. Er sieht das Bildungsministerium in der Verantwortung, ausreichende Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit sichere Plattformen wie Big Blue Button auf der Lernplattform Moodle auch flächendeckend genutzt werden können und nicht auf andere Plattformen ausgewichen werden muss.

Auch Stefan Thurmann vom Bildungsministerium sagt:

Die Videokonferenzen zum jetzigen Zeitpunkt zu untersagen, ist überhaupt keine Option.

Stefan Thurmann Pressesprecher Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-​Anhalt

Zumal es möglich sei, den Missbrauch mit einfachen Mitteln zu verhindern.

Warteraum vorschalten

Die vielgenutzte Videokonferenzplattform Jitsi sei datenschutzrechtlich vollkommen unproblematisch, sagt Stefan Thurmann. Es müsse aber ein Warteraum vorgeschaltet werden. "Bei Jitsi gibt es eine ganz einfache Pufferfunktion über den Warteraum. Und dann weiß auch die Lehrkraft, wer befindet sich, wenn der Unterricht beginnt, in dem entsprechenden Videokonferenzraum."

Die Videoplattform des Bildungsservers, also Big Blue Button, habe das Problem nicht. Da aber auch andere Plattformen von den Schulen genutzt werden, will das Bildungsministerium jetzt handeln, bevor aus einem noch überschaubaren Problem ein großes werden könnte.

Um das Problem in Sachsen-Anhalt schnell in den Griff zu bekommen, setzt das Bildungsministerium auf Aufklärung und Sensibilisierung der Lehrer. Dafür wird jetzt noch einmal ein Nutzungshinweis an alle Schulen vergeschickt.

Zugangsdaten nicht öffentlich teilen

Besonders gefährdet seien die Videokonferenzen, in denen kein Lehrer dabei ist, um zu intervenieren, erklärt Thomas Senger vom Landeselternrat. Also dann, wenn Schülerinnen und Schüler sich zum Lernen oder Austauschen in Videokonferenzen treffen. Auch Erwachsene haben teilweise Probleme damit, mit den verschiedenen Plattformen umzugehen, geschweige denn diese so sicher zu machen, dass kein Fremder reinkommt, meint Thomas Senger.

Blick auf einen Laptop-Bildschirm mit einer Videokonferenz vieler Kinder
Durch öffentlich geteilte Links zu Videokonferenzen entsteht ein Einfallstor für Missbrauch. Bildrechte: Axel Braune

Angreifbar machen sich Videokonferenzen vor allem dann, wenn die Zugangsdaten öffentlich geteilt werden. Genau dazu wird aber in vielen Videos auf TikTok oder Instagram aufgerufen. Die Jugendlichen wollen sich einen Witz daraus machen, Unterrichtsstunden zu stören und dafür möglichst viele Leute zu mobilisieren. Die Aufnahmen dieser "Unterrichtsstürmungen" erhalten dann Tausende von Klicks.

Stefan Thurmann meint darum, auch die Eltern seien in der Pflicht, ihre Kinder entsprechend aufzuklären:

Das ist wie die Weitergabe eines Schlüssels an jemanden, den man nicht kennt.

Stefan Thurmann Pressesprecher Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-​Anhalt

"Und niemand möchte eine fremde Person in seinen eigenen vier Wänden haben. Und niemand möchte, dass eine fremde Person im Unterrichtsraum der eigenen Kinder dabei sitzt."

Abfilmen verboten

Oft werden auch digitale Unterrichtsstunden abgefilmt und danach mit anderen geteilt. Dabei wird sich vor allem über Lehrer lustig gemacht, aber auch über andere Schüler. Thomas Segener meint darum, dass es wichtig sei, den Kindern zu erklären, dass es verboten ist, solche Aufnahmen anzufertigen und dass es auch strafrechtliche Konsequenzen haben kann, je nach Alter und Tatbestand.

Magdeburger Schüler berichten, dass es Ihnen wegen solcher Vorfällen unangenehm sei, sich in den Videokonferenzen zu zeigen. Andere wiederum berichten, dass es derzeit viel leichter sei als sonst, während des Unterrichts alles andere zu tun, außer dem Stoff zu folgen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Februar 2021 | 07:40 Uhr

1 Kommentar

Ernst678 vor 10 Wochen

Ich finde diesen Artikel sehr hilfreich und zeigt doch das unsere Kinder auch kreativ sein können. Das muß man fördern um nicht in den Verdacht zu geraten der Politlinie "Dumme Kinder braucht das Land" zu folgen. Und besonders an Herz wächst mir deshalb der Thomas Segener, der gleich mal kräftige Drohungen auf die Kinder losläßt, verboten, Straftat! Gebote und Verbote gegen Kinder werden immer umfangreicher, du sollst keinen Schneemann bauen, du darfst nicht Rodeln, du sollst stundenlang am Bildschirm hocken und dir die Augen versauen, du darfst nicht deinen Lehrer verlustieren, es ist verboten eine eigene Meinung zu haben, du darfst nicht wie Ramelow Videospiele machen - anstatt sich zu freuen das Kinder trotz der üblen Situation noch kreativ sind und etwas Spaß haben! Ich jedenfalls finde es sehr gut das unsere Kinder der Corona-Selbstzerstörung, die zu viele Erwachsene demonstrieren, trotzen!

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