Neues Konzept geplant Wie es im Technikmuseum Magdeburg weitergeht

Das Technikmuseum in Magdeburg ist im Moment nur an wenigen Tagen geöffnet. Gründe sind die Planungen für eine Modernisierung und das marode Gebäude. Der Museumsleiter hat sich zu den Zukunftsplänen geäußert. Er will dem Museum eine neue Ausrichtung geben. Zunächst muss aber erstmal das Dach abgedichtet werden.

Technikmuseum Magdeburg
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Das Technikmuseum in Magdeburg ist seit Monaten geschlossen – trotz Corona-Lockerungen. Nur zu einzelnen Aktionstagen können Besucherinnen und Besucher derzeit das Museum südlich vom Stadtzentrum besuchen. Mitte kommenden Jahres soll das Technikmuseum im Idealfall wieder täglich öffnen, sagte Museumsleiter Hajo Neumann MDR SACHSEN-ANHALT.

"Das wird aber nur ein Interimsbetrieb sein, das ist noch nicht das große, tolle neue Museum, wo wir hinwollen", erklärte Neumann. Denn das Museum soll ein neues Konzept bekommen. Umbauten und sogar Neubauten sind geplant. Doch einen regulären Betrieb lässt vor allem ein anderes Problem nicht zu: Regen.

"Das Gebäude ist in einem ziemlich schlechten Zustand. Der harte Winter zu Beginn des Jahres hat dem maroden Dach zugesetzt", so Neumann. Man habe regelmäßige Wassereinbrüche, es "regnet richtig in die Ausstellung rein". Dadurch müssten in der Museumshalle Exponate um- oder ausgeräumt werden. "Das macht die Ausstellung im Moment nicht besonders attraktiv." Deswegen sind derzeit laut Neumann nur die Aktionstage sinnvoll, weil dann genug Personal vorhanden ist, das alles erklären und Auskunft geben kann, was alles in Zukunft geplant ist.

Bildergalerie Wie aus einer Panzergießerei das Technikmuseum Magdeburg wurde

Technikmuseum Magdeburg
Die Halle des Technikmuseums stammt aus dem Jahr 1871 und war damals die Panzergießerei des Unternehmers Hermann Gruson. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Technikmuseum Magdeburg
Die Halle des Technikmuseums stammt aus dem Jahr 1871 und war damals die Panzergießerei des Unternehmers Hermann Gruson. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Abbildung des Gruson-Werks in Magdeburg
Im Zweiten Weltkrieg wurden hier unter anderem Panzer hergestellt – einer der Gründe für die Luftangriffe auf Magdeburg. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Alte Aufnahme vom SKET-Eingang in Magdeburg
Ab 1969 wurde das Gebäude als Schwermaschinenbaukombinat "Ernst Thälmann" (SKET) genutzt. In Spitzenzeiten bot das SKET 30.000 Menschen Arbeit, 13.000 davon im Stammwerk in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Ein Monument des Arbeiterführers Ernst Thälmann (1886-1944) mit erhobener und geballter Faust steht am Mittwoch (30.03.2011) an seinem neuen Standort im Technikmuseum in Magdeburg.
Seit 2011 erinnert ein Monument des Arbeiterführers Ernst Thälmann auf dem Gelände des Technikmuseums an diese Zeit. Bildrechte: dpa
Technikmuseum Magdeburg
1995 wurde das Gebäude in der Dodendorfer Straße zum Technikmuseum. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Technikmuseum Magdeburg
Auf 2.000 Quadratmetern wird Technik- und Industriegeschichte erzählt. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Technikmuseum Magdeburg
Dazu gehört auch die Geschichte von Hans Garde, dem 1908 in Magdeburg der erste Motorflug deutschlandweit gelang. Ein originalgetreuer Nachbau seines Dreideckers hängt im Museum. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Magdeburg (Sachsen-Anhalt): Mitglieder des Vereins Magdeburger Straߟenbahnfreunde bauen am 15.07.1999 im Technikmuseum Magdeburg an einem Straߟenbahn-Oldtimer.
1999 hat das Museum eine Ausstellung über die 100-jährige Geschichte der elektrischen Straßenbahn gezeigt. Bildrechte: dpa
Magdeburg (Sachsen-Anhalt): 50 bunte Regenschirme hängen am 02.05.2000 unter der Decke des Technikmuseums in Magdeburg.
Im Jahr 2000 wurde das Dach des Museums saniert. Mit 50 Regenschirmen haben die Beschäftigten damals auf die undichte Decke aufmerksam gemacht. Bildrechte: dpa
Janina Lamowski vom Technikmuseum spannt die Fäden einer Umspinnmaschine aus dem Jahr 1957. Das Museum hat wegen Schäden am Dach bis auf weiteres nicht durchgehend geöffnet. Am 27. Oktober 2021 findet dort ein Tag der offenen Tür statt bei dem auch die historische Maschinen vorgeführt werden sollen.
Im Museum werden historische Maschinen wie diese Umspinnmaschine aus dem Jahr 1957 vorgeführt. Bildrechte: dpa
Technikmuseum Magdeburg
Auch das Handwerk des Drechselns wird den Besucherinnen und Besuchern nähergebracht. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
Technikmuseum Magdeburg
Neben Maschinen sind auch historische Fahrzeuge ausgestellt. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Oktober 2021 | 07:30 Uhr

Die Menschen hinter den Maschinen sollen zu Wort kommen

Neben der Sanierung des Daches und der Haupthalle soll das eben ein neues Konzept für das Technikmuseum sein. Laut Leiter Neumann wird es zwei Ausrichtungen im Museum geben. "Wir wollen weiterhin ein Museum sein, in dem sich was bewegt, wo man auch was anfassen kann. Hier sollen historische Maschinen zu sehen sein, die laufen, die Krach machen und die auch stinken." Das sei das, was das Museum auch schon vor dem Umbau geboten habe.

Neu dazukommen sollen die Geschichten der Menschen hinter den Maschinen. "Wie ging es den Arbeitern und Arbeiterinnen, die diese Maschinen hier bedient haben? Was hat sich durch Fließband, durch Roboter verändert?", erklärt Neumann. Die sozialen Bedingungen sollen stärker in den Blick gerückt werden. Vor allem die Deindustrialisierung nach der Wende, die vor allem auch die Stadt Magdeburg getroffen habe, solle thematisiert werden.

Technikmuseum Magdeburg
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Wir hatten eine Dame hier, die in den 1960er-Jahren den Kran in der heutigen Museumshalle gefahren hat. Das war total spannend, was die berichtet hat.

Hajo Neumann will die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Fokus rücken.

Außerdem werde bereits mit kulturellen Einrichtungen und Kitas kooperiert, die die Räumlichkeiten in Zukunft aber auch schon jetzt nutzen würden.

200 bis 300 Besucher pro Aktionstag

Das Ganze wird nicht ganz billig werden. "Das kann die Stadt nicht alleine finanzieren. Da muss das Land mit ins Boot", sagt Neumann. Mit dem Wirtschaftsministerium sei man bereits in Kontakt und habe positive Signale erhalten, dass das Museum förderungswürdig sei. Wann genau das Museum endgültig fertig ist, ist laut Neumann deswegen noch nicht klar.

Die Aktionstage nutze man deshalb auch als Tests. "Wir spielen ein bisschen mit den Wochentagen. Die Aktionstage finden an verschiedenen Wochentagen statt. Wir wollen rausfinden, welche besonders gut funktionieren", erklärt Neumann. Die vereinzelt stattfindenden Öffnungstage liefen bisher sehr gut. Es kämen immer zwischen 200 und 300 Besucher und Besucherinnen.

Die nicht ideale Lage außerhalb des Stadtzentrums macht Neumann nicht nervös. "Technikmuseen liegen häufig in der Peripherie. Da muss man immer hinfahren." Außerdem wache der Stadtteil Leipziger Straße, in dem das Museum liegt, gerade auf. Auch an anderer Stelle entstünden kulturelle Projekte.

Technikmuseum Magdeburg
Das Museum soll auch in Zukunft eines zum Anfassen bleiben. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Man müsse noch sichtbarer im Stadtzentrum werden – beispielsweise an Haltestellen oder mit einer besseren Beschilderung. "Aber im Prinzip mache ich mir ehrlich gesagt da überhaupt keine Sorgen darum, dass unsere Lage in Magdeburg schlecht wäre." Sorgen macht ihm da wahrscheinlich vielmehr das undichte Dach.

Die nächsten Aktionstage Am 25. November und am 6. Dezember öffnet das Technikmuseum das nächste Mal für Besucher und Besucherinnen für jeweils einen Tag.

MDR/Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 28. Oktober 2021 | 07:30 Uhr

2 Kommentare

NotThePeter vor 4 Wochen

Man sollte vielleicht erstmal die vorhandenen 8000 leerstehenden Wohnungen füllen und die unzähligen Brachen in MD bebauen bevor man auf sone irrsinnige Idee kommt Museen ab zureißen...

Gerd Mueller vor 4 Wochen

Abreißen und Platz für sozialen wie ökologischen Wohnungsbau schaffen. Mädels trennen sich viel schneller von ollen "Zöpfen", wenn es gilt nach vorne zu blicken und was neues zu schaffen.

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