Prozessbeginn am Landgericht Magdeburg Tod von Kleinkind in Wefensleben: Eltern vor Gericht

Der Tod eines Kindes in Wefensleben im Landkreis Börde wird seit Donnerstag vor dem Landgericht Magdeburg verhandelt. Angeklagt sind die beiden Eltern des Jungen. Sie sollen das Kind nicht ausreichend versorgt haben.

Eingangsbereich zum Landgericht Magdeburg
Am Landgericht in Magdeburg wird der Prozess gegen die beiden Angeklagten geführt. (Archivbild) Bildrechte: imago/Christian Schrödter

Am Magdeburger Landgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen zwei Eltern aus Wefersleben (Landkreis Börde) begonnen. Ihnen wird Tötung durch Unterlassung vorgeworfen. Sie sollen ihr 14 Monate altes Kind über längere Zeit nicht ausreichend ernährt haben. Auch eine Mittelohrentzündung sollen die Eltern laut Landgericht nicht ärztlich behandeln lassen haben. Anfang September war das Kind tot in der Wohnung gefunden worden, nachdem der Vater den Rettungsdienst alarmiert hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Junge hätte gerettet werden können, wenn seine Eltern rechtzeitig eingegriffen hätten.

Mutter äußert sich vor Gericht

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT zählen sich die Eltern zum Rechtskreis der sogenannten "souveränen Menschen". Sie lehnen demnach jegliche staatlichen Institutionen ab. Ihre Kinder waren nie beim Arzt, auch von der Schule meldeten die Eltern sie ab.

Am ersten Verhandlungstag verlas der Verteidiger der Angeklagten eine Erklärung. Außerdem äußerte sich die 43-jährige Mutter selbst zu ihrem Leben, dem Tod ihres Sohnes und beantwortete Fragen. Aus Angst vor dem Vater des Kindes habe sie dessen "selbstverwaltendes, systemfernes Lebensmuster" mitgetragen. Staatliche Institutionen und medizinische Hilfe habe er abgelehnt. Der Tod ihres Sohnes sei "unerwartet" gekommen, aber sie hätte Hilfe holen müssen.

38-jährige Vater möglicherweise schuldunfähig

Der Vater äußerte sich am ersten Prozesstag nicht. Wie eine Reporterin von MDR SACHSEN-ANHALT berichtet, musste der 38-Jährige von mehreren Männern gefesselt in den Gerichtssaal getragen werden. Er sprach wirr. Nach Informationen des Gerichts könnte er aufgrund einer psychischen Erkrankung für schuldunfähig befunden werden. Im Fall einer Verurteilung wäre eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wahrscheinlich. Bei der Mutter besteht laut Gericht aktuell kein konkreter Hinweis auf Schuldunfähigkeit. Ihr droht eine Gefängnisstrafe.

Nach Kindstod: Mutter auf der Flucht

In dem Haushalt lebten neben den beiden Angeklagten drei weitere Kinder. Nach dem Tod ihres jüngsten Kindes floh die Mutter und war mehrere Monate nicht auffindbar. Im Januar stellte sie sich der Polizei. Derzeit befindet sie sich in Untersuchungshaft.

MDR, Annette Schneider-Solis, Sarah Peinelt, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Februar 2021 | 12:00 Uhr

2 Kommentare

Dreibeiner vor 7 Wochen

10 Jahre für die Mutter sollten für schuldig im Sinne der Anklage drin sein, und der Vater genauso lange in die Geschlossene. Zeit der Bewährung ist abgelaufen.

mattotaupa vor 7 Wochen

"Rechtskreis der sogenannten "souveränen Menschen"" rechtskreis? gelten da andere gesetze als die im geltungsgebiet des gg? souverän? + "Er sprach wirr." also da scheint jemand nicht mal herr seiner sinne zu sein, von souveränität keine spur. "auch von der Schule meldeten die Eltern sie ab" schulpflicht? crazy homeschooling und das land schaut zu? wie erfolgt so eine offizielle abmeldung durch wirr sprechende?

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