Landgericht Magdeburg Totes Kleinkind in Wefensleben: Eltern wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Die Eltern des toten Kleinkindes aus Wefensleben in der Börde wurden vom Landgericht Magdeburg wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Junge war vergangenen September unterversorgt gestorben, weil die Eltern jegliche Hilfen von Außen ablehnten.

Blick auf das Schild am Eingangsbereich des Landgerichts Magdeburg.
Der Prozess gegen die beiden Angeklagten wurde sei Ende Februar am Landgericht Magdeburg geführt. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Das Magdeburger Landgericht hat am Montag zwei Eltern wegen fahrlässiger Tötung ihres Sohnes verurteilt. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurde der Vater des Kindes zu drei Jahren Haft verurteilt, die Mutter zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Demnach ist die Strafe nicht höher ausgefallen, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass das Kind hätte gerettet werden können, wenn die Eltern mit ihm zum Arzt gegangen wären.

Das Paar aus Wefersleben im Landkreis Börde soll seinen 14 Monate alten Sohn über längere Zeit nicht ausreichend ernährt haben. Auch eine Mittelohrentzündung sollen die Eltern laut Gericht nicht ärztlich behandeln lassen haben. Anfang September war das Kind tot in der Wohnung der Eltern gefunden worden, nachdem der Vater den Rettungsdienst alarmiert hatte.

Eltern lehnen staatliche Hilfen ab

Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT hatten seinerzeit ergeben, dass sich die Eltern zum Kreis der sogenannten "souveränen Menschen" zählen. Sie lehnen demnach jegliche staatlichen Institutionen ab. Ihre Kinder waren nie beim Arzt, auch von der Schule meldeten die Eltern sie ab.

Während des Prozesses hatte die 43-jährige Mutter ausgesagt, sie hätte aus Angst vor dem Vater des Kindes dessen "selbstverwaltendes, systemfernes Lebensmuster" mitgetragen. Staatliche Institutionen und medizinische Hilfe habe er abgelehnt. Das war offenbar auch der Grund, warum der Vater die härtere Strafe erhalten hat. Weil er die Entscheidungen für die Familie traf – also auch, mit dem Kind nicht zu einem Arzt zu gehen.

Nach Kindstod: Mutter auf der Flucht

In dem Haushalt lebten neben den beiden Angeklagten drei weitere Kinder. Nach dem Tod ihres jüngsten Kindes floh die Mutter und war mehrere Monate nicht auffindbar. Im Januar stellte sie sich der Polizei. Zuletzt befand sie sich in Untersuchungshaft.

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MDR, Anne Gehn-Zeller

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. März 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Arno Nym vor 8 Wochen

Ich weiß, dass Kommentare hier ja letztendlich nichts bewirken. Deshalb hab ich auch nie welche verfasst, weil man grundsätzlich zu jedem Thema geteilter Meinung sein kann. Aber Eltern lassen ihr Kind , Entschuldigung, qualvoll verrecken und Papa ist in drei Jahren wieder draußen? Und die Mama bleibt auf freiem Fuß? Als Vater zweier Kinder schäme ich mich für den kleinen, wehrlosen Tropf in Grund und Boden.

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