Interview MDR-Reporter René Kindermann über die Tumulte bei Box-Gala in Magdeburg

René Kindermann war als Reporter für den MDR vor Ort, als es in Magdeburg am Rande des Schwergewichtskampfes von Agit Kabayel zu Tumulten kam. "Kripo live" hat mit ihm über die Ereignisse gesprochen.

im Bild von links: Dominic Bösel, Agit Kabayel, René Kindermann und Ulf Steinfort stehen vor dem Boxring während eines gemeinsamen Interviews.
Bild von der Berichterstattung vor Ort: Dominic Bösel, Agit Kabayel, René Kindermann und Ulf Steinfort (v.l.n.r.) stehen während eines gemeinsamen Interviews vor dem Boxring auf der Magdeburger Seebühne. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie war die Stimmung während des Box-Kampfes?

René Kindermann: Die Atmosphäre war ziemlich cool. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt des Gefühl, dass dort irgendjemand ein Problem hat mit irgendjemandem. Bis zum Ende des Kampfes hätte ich nie damit gerechnet. Der Box-Kampf ging über volle zwölf Runden. Es war wirklich ein sehr hochklassiger Schwergewichts-Boxkampf. Der war schnell. Der war bis zum Schluss spannend. Es hätte in der letzten Sekunde noch passieren können, dass da einer den anderen durch K.O. ausknocked. Entsprechend euphorisch waren auch alle, als der Kampf vorbei war. Das Ding war vorbei, die Uhr war runtergezählt. Und dann sprang gefühlt diese ganze Seebühne auf einmal voller Begeisterung hoch und sagte: 'Was haben wir denn hier erlebt?' Das war so die Stimmung, mit der wir in diese Nachberichte reingegangen sind.

Aus welcher Position hatten Sie Einblick auf das spätere Geschehen, die Tumulte?

René Kindermann: Der Boxring steht in der Mitte von der Seebühne. Wir hatten quasi auf der von den Vorfällen abgewandten Seite unsere Moderations-Positionen mit Dominic Bösel zusammen. Wir hatten uns gerade bereit gemacht. Thorsten Püschel führte das Interview mit Kabayel im Ring, da hörte ich plötzlich, dass irgendjemand anfing rumzuschreien: 'Was ist denn hier los?' Da habe ich mich umgedreht, da sah man, dass so eine Masse Menschen sich wabernd so hin und her bewegte. Und dann ging es immer weiter, da flogen dann plötzlich Stühle. Das sieht man natürlich hinter dem Boxring nicht so deutlich. Aber man merkte, was dort passiert ist. Immer mehr Leute rannten in die Richtung, wo diese Stühle flogen, um um zu gucken, was da los war.

Dann kippte das alles komplett. Da sind zum einen Stühle geflogen, zum anderen Tensatoren, das sind diese Absperrteile, die man vom Flughafen kennt, die man so hochzieht. Die haben sehr schwere Füße, damit die stehenbleiben. Das sind schätzungsweise zwei, drei Kilo schwere Metallteller, und die Dinger sind halt dann geflogen.

Gab es Verletzte?

René Kindermann: Ein Securitymann hat eine schwere Platzwunde am Kopf, das sieht man auch in den Bildern. Der ist von seinem Stuhl getroffen worden, und ich glaube auch noch einmal von so einem Tensatorenteller.

Wie lange hat die Auseinandersetzung gedauert?

René Kindermann: Ich würde sagen, das hat zehn bis zwölf Minuten gedauert. Dann war auf einen Schlag Ruhe. Alle guckten sich an und sagten: 'Was war jetzt hier los?' Später haben wir dann mit verschiedenen Fans darüber gesprochen.

Konnten Sie vor Ort recherchieren, wie es zum Tumult kam?

René Kindermann: Ich bin dann bin direkt vorgegangen, nachdem das sich halbwegs wieder aufgelöst hat und man hingehen konnte. Ich habe einen kleinwüchsigen Boxfan gefunden, der an einem Rollator stand. Das ist der, wo in der Presse vom "Jungen im Rollstuhl" die Rede war. Das war kein Rollstuhl, das war eine Fehlinterpretation der Kollegen, der Agenturen. Sondern es war ein kleinwüchsiger Mann aus Braunschweig mit einem Rollator. Mit dem habe ich gesprochen und mit seinen Kumpels auch, die um ihn drumherum standen. Und die haben mir erzählt, dass im Freudentaumel dieser kleinwüchsige Mann geschubst wurde und mit dem Ellenbogen Richtung Kopf zu Boden gegangen ist. Da haben ihm seine Kumpels aufgeholfen, gesagt: 'Hier mal vorsichtig.' Sie haben eine Art Schutzkreis um ihn gebildet. Diese Menschenansammlung versuchte die Security vom Ring wegzuschieben, um den Weg frei lassen. Das wiederum haben Teile der Kabayel-Fans als Provokation aufgenommen. Und da kam es zu der ersten Auseinandersetzung.

Wurden Sie von der Polizei dazu befragt?

René Kindermann: Nein, nur der MDR hat mich gefragt. Unser Redaktionsleiter hat gesagt: 'Bitte Gedächtnisprotokolle anfertigen. Wir brauchen das für die Dokumentation.' Aber die Polizei hat uns, also mich, nicht befragt.

Im Rahmen eines Modellprojektes waren 1.000 Zuschauer zugelassen. Wie sah das Sicherheitskonzept aus?

René Kindermann: Es gab zwei Systeme. Zum einen gab es eine Art Corona-Warn-App-System von Besafe. Wir mussten alle vorher, bevor wir überhaupt das Gelände betreten durften, an eine Teststation. Dort wurden bei uns Schnelltests gemacht. Wir mussten uns dafür vorher über die App registrieren. Dort musste auch ein Foto hochgeladen werden, dann wurde unsere ID abgeglichen. Wir mussten unseren Ausweis zeigen und es wurden alle Daten eingetragen, wer wir sind, wo wir herkommen, Geburtsdatum, Adresse und so weiter, inklusive Foto. Das war sozusagen die erste Registrierung. Zum zweiten sind wir natürlich alle, und auch alle Ticketbesitzer, über die personalisierten Tickets registriert worden.

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im Bild von links: Dominic Bösel, Agit Kabayel, René Kindermann und Ulf Steinfort stehen vor dem Boxring während eines gemeinsamen Interviews. 13 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR Kripo Live

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo Live | 20. Juni 2021 | 19:50 Uhr

3 Kommentare

Magdeburger Jung vor 5 Wochen

Lasst es sein mit Boxkämpfen in Magdeburg! Das Zuschauerklientel ist leider nicht mehr das selbe wie vor 20 Jahren…….bei Maske,Ottke und Co.
Schauen wir uns die Bilder an,dann sieht man,was für Typen sich da geprügelt haben……

ElBuffo vor 5 Wochen

Na da hat er sich ja höchst vorbildlich ausgedrückt. Die Polizei gibt kein gutes Bild ab. Aber die machen ja nicht, was sie wollen, sondern sind ebenfalls weisungsgebunden.

Rychlik vor 5 Wochen

Magdeburg sollten sich beruhigen und Zeit bekommen, künftig keine Boxveranstaltungen mehr veranstalten.

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