Folgen des Ukraine-Krieges Flüchtlinge in Messehallen: "Am Abend weinen die Kinder"

Millionen Flüchtlinge sind durch den Ukraine-Krieg in Europa unterwegs – viele auch nach Deutschland. Mit Notunterkünften wie den Messehallen in Magdeburg soll den Menschen geholfen werden. Wie lebt es sich in einer Massenunterkunft mit Hunderten Geflüchteten?

Die Messe in Magdeburg ist seit kurzem eine Notunterkunft für Hunderte Geflüchtete aus der Ukraine. In den großen und hohen Hallen schlafen die Menschen auf Feldbetten, ihre Habseligkeiten lagern sie daneben auf dem Boden, weil es keine Schränke gibt. "Es ist ungewöhnlich für uns, wir waren noch nie in solch einer Situation", sagt eine Frau, die aus Charkiv geflohen ist.

Charkiv, das ist eine der am stärksten zerbombten Städte in der Ukraine seit dem Angriff durch Russland. Die Frau, die mit ihrer Schwester in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt gelandet ist, sagt über die Notunterkunft: "Es ist laut und am Abend weinen die Kinder – so wie ein Weinkonzert." Sie leben seit zwei Wochen hier. Mit Trennwänden sind in den Fußballfeldgroßen Hallen Bereiche abgetrennt worden, um ein wenig Privatsphäre zu schaffen.

Messehallen: Vieles ist noch improvisiert

In den Hallen sollen rund 700 Menschen leben. Vieles ist noch improvisiert, als MDR exakt dort dreht. Vor einer Halle waschen zwei Frauen ihre Klamotten in einer Schüssel und mit Seife. Ein Waschmaschinenraum sei geplant, aber die Maschinen noch nicht geliefert worden, erklärt der Einsatzleiter Dennis Brandt. Er koordiniert auf der Messe alle Abläufe und die Arbeit der rund 130 Helfenden.

Dazu gehören auch zwei kleine Markthallen, in denen sich die Geflüchteten aus einem Spendenpool bedienen können. Die Spendenbereitschaft ist enorm. "Ich muss hier jeden Tag zwei Mitarbeiter abstellen", sagt Dennis Brandt. Zwei Kollegen, die allein mit dem Sortieren der Kleiderspenden beschäftigt sind. "Aber ich bin froh über diese massive Spendenbereitschaft und wenn man den Kindern mal wieder neue Jeans geben kann, ist das auch diese ganze Mühe wert."

Seit drei Wochen arbeiten Dennis Brandt und sein Team rund um die Uhr im Drei-Schicht-System, um den Geflüchteten einen möglichst angenehmen Alltag zu schaffen. Dass das Leben in den Hallen trotzdem trostlos bleibt, ist ihm bewusst. Der Anblick lässt auch ihn nicht kalt: "Einen selber verändert es, klar. Das wäre ja auch unmenschlich, wenn es nicht so wäre. Aber man nimmt sich dann auch seine Auszeiten und dann geht es wieder."

 Freiwillige Helferin als Dolmetscherin und Seelsorgerin

Es sind die Schicksale, die den Mitarbeitern nahegehen. "Es gibt hier auch noch ein älteres Ehepaar, die kommen aus Charkiv", berichtet Anja Block. Die Halb-Ukrainerin hilft freiwillig in den Messehallen als Dolmetscherin und Seelsorgerin. "Als die Frau gerade aus ihrer Wohnung gegangen ist, ist eine Bombe oder Rakete in der Wohnung eingeschlagen. Sie hat alles abbekommen." Seitdem habe die Frau Angst und sobald es in der Notunterkunft in Magdeburg laut werde, lasse sie sich auf den Boden fallen. "Ich habe sie hier in Empfang genommen und es tut einem so leid, dass man einfach mitweint", sagt die Haldenslebenerin.

Anja ist auch wütend über solche Zustände und versteht nicht, weshalb traumatisierte Menschen in einer Massenunterkunft leben müssen. Aus 2015 hätte man lernen müssen, sagt sie. Man wollte keine Massenunterkünfte mehr und habe sie nun doch.

Massenunterkunft keine Dauerlösung

Eine ältere Frau hält ein Baby
Die ältere Frau ist mit ihren vier Enkeln in einer Messehalle von Magdeburg untergekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Teils traumatisiert und die Heimat Hals über Kopf verlassen – für die betroffenen Menschen ist die neue Situation nicht leicht. In einer Halle lebt ein älteres Geschwisterpaar mit vier Enkeln. Gegenüber MDR exakt sagt die Frau, während sie ein Kleinkind auf dem Schoß hat: Man hätte ihnen nicht sagen können, wann sie aus der Halle ausziehen könnten: "Uns würde alles passen, alles was uns gegeben wird, passt uns. Hier werden die Kinder krank."

Es gäbe genug Plätze, schreibt das Innenministerium von Sachsen-Anhalt auf Nachfrage von MDR exakt: Immerhin seien "vom Land – zur Entlastung der Kommunen – angemietete Zwischenunterbringungen allein für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine [...] bislang an keinem Tag vollständig ausgelastet" gewesen.

Die Stadtverwaltung von Magdeburg erklärt dazu, dass man anfangs zu wenig Personal für die Wohnungsvermittlung hatte und bereits vorhandene Wohnungen seien noch nicht ausgestattet. De facto stehen sie damit also doch noch nicht zur Verfügung.

Quelle: MDR exakt/ mpö

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 06. April 2022 | 20:15 Uhr

24 Kommentare

GuterMensch vor 6 Wochen

@Fakt, immer die selben Phrasen von Ihnen, ich könnte diese aufzählen, wird aber dann sicherlich nicht freigegeben.
Wenn Sie sooo viel Ahnung von Pressearbeit haben wie Sie immer behaupten ist es wirklich ein Armutszeugnis was Sie sich selber ausstellen !
Danke für eine Veröffentlichung und einen schönen Sonntagabend noch.

harzer vor 6 Wochen

Herr Wrobel; viele dieser WBS 70 Blöcke sind bei uns in Hbs leer, die WGH hat viele von denen saniert; Auzug, 2- 3 Raum Wohnungen usw, ! Die Leerbauten könnte man erst mal anbieten, damit die Menschen Privat unter sich sind( Familien)! Die Kosten der Regenerierung wären tw. nicht zu hoch.Herr OB in Hbs, was meinen Sie?

Fakt vor 6 Wochen

@Guter Mensch:

Dann müssen Sie sich einen Job im Außendienst besorgen, dann bekommen auch Sie Dienstreisen vom Arbeitgeber bezahlt - ob mit Bahn, Flugzeug oder eigenem Pkw. Ich schrieb es ja bereits: Neiddebatte!

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mitmach Oper 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Sachsen-Anhalt