Land steht zu Projekt Container-Neubau nächster Schritt für "neues" Uniklinikum Magdeburg

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Das krisengeschüttelte Uniklinikum Magdeburg hat am Montag sein neues Bettenhaus vorgestellt. Das Provisorium soll "einen Aufbruch in die Zukunft" markieren. Die neue Landesregierung bekennt sich zum mehrere Hundert Millionen Euro teuren Umbau des Uniklinikums.

Der zweigeschössige Modulbau wurde am 11. Oktober 2021 präsentiert. Ab Januar 2022 sollen hier nacheinander mehrere Bereiche des Klinikums einziehen, so dass bis 2036 ein Großteil der heutigen Klinikumsinfrastruktur umgebaut werden kann.
Am Uniklinikum Magdeburg sind Container-Module der entscheidende Baustein für den weiteren Umbau. Bildrechte: MDR

Am Uniklinikum Magdeburg wurde am Montag ein neues Container-Haus vorgestellt. Der provisorische Modulbau kostet rund 10 Millionen Euro und soll dem Klinikum weitreichende Um- und Naubaumaßnahmen im laufenden Betrieb ermöglichen.

Der zweistöckige Bau wird künftig Platz für 99 Betten bieten. Zunächst sollen die Pneumologie, die Urologie und die Thoraxchirurgie in das Provisorium einziehen. Ihre Bereiche werden dadurch für etwaige Umbau- oder Abrissarbeiten frei. Anschließend wechseln weitere Bereiche in die Container.

Das Uniklinikum will seine seit Ende des 19. Jahrhunderts gewachsene Pavillonstruktur überwinden. Bis 2035 sollen die bisherigen beiden Haupthäuser um insgesamt drei Neubauten sowie je ein neues Herz- und Notfallzentrum erweitert werden. Das Uniklinikum wäre dann zentralisiert.

Ärztlicher Direktor Heinze: "Aufbruch in die Zukunft"

Der Ärztliche Direktor des Uniklinikums, Hans-Jochen Heinze, sprach am Montag von einem symbolischen "Aufbruch in die Zukunft". Im Rahmen einer ersten Begehung des Rohbaus mit Politikern, Medien und Personal freute sich Heinze, dass sich die neue Koalition in Sachsen-Anhalt zu den Plänen seines Hauses bekannt habe.

Der anwesende Finanzminister Michael Richter, CDU, sagte, man wolle den Standort "klinisch aufrüsten" sowie Wirtschaftlichkeit und Forschung erhalten. Dafür seien Investitionen dringend nötig. Wissenschaftsminister Armin Willingmann, SPD, ergänzte: "Nach einiger Unruhe" werde nun der Blick nach vorne gerichtet.

Ob es tatsächlich bei 100 Millionen Euro pro Anbau bleibt, ist unterdessen fraglich. Auch weil derzeit die Baupreise immens steigen. Richter will die Planung von der Erstellung eines Medizinkonzeptes zum Standort abhängig machen. Der Auftrag dafür soll im November vergeben werden. Auch Heinze wollte keine konkrete Summe nennen, verwies aber auf andere Bundesländer. Niedersachsen etwa hat für den Neubau der Universitätsmedizin Göttingen gerade erst 1,05 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. In Magdeburg lagen die veranschlagten Kosten für alle geplanten oder bereits begonnen Bauvorhaben noch im letzten Jahr bei mehr als einer halben Milliarde Euro.

Uniklinikum hat weiterhin Probleme mit vorhandener Infrastruktur

Der neue Containerbau soll zum Jahreswechsel in Betrieb genommen werden. Laut Planungen, die das Uniklinikum noch 2020 vorgelegt hatte, war ursprünglich ein Einzug im Juni dieses Jahres vorgesehen. Heinze sagte, die Verzögerung betrage nur wenige Monate. Unter anderem hatte es Probleme mit der Aufstellung der Baukräne für die Module gegeben. Ein Baum nahe der Baustelle konnte aufgrund eines Taubennestes nicht gefällt werden. Baufirma und Uniklinikum streiten nun darum, wer Schuld für die Verzögerung trägt.

Heinze wies zudem Kritik aus der Belegschaft von sich, wonach die Planungen für den Bezug des Container-Neubaus intransparent und wechselhaft verlaufen seien. Er habe stets die Klinikdirektoren und deren Wünsche einbezogen, sagte der Ärztliche Direktor.

Dass am Uniklinikum Handlungsbedarf besteht, unterstreichen hygienische Probleme an einzelnen Kliniken. Das Wasser in den Leitungen der alten Gebäude ist nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT teils erheblich keimbelastet und nur unter großem Aufwand desinfizierbar. Für Behandlungen soll aktuell vereinzelt auf abgefülltes Wasser zurückgegriffen werden. Heinze bestätigte das Problem. Aus seiner Sicht sei aber alles unter Kontrolle.

Für zusätzliche Instandshaltungskosten wie diese hat ein Gutachten, das das Uniklinikum in Auftrag gegeben hat, in der derzeitigen Struktur zusätzliche Kosten von 17 Millionen Euro pro Jahr ermittelt.

Vorstellung des Container-Neubaus fällt in Krisenzeit für das Haus

Zusätzliche Kosten bedeutet angesichts der jetzigen Lage auf dem Baumarkt allerdings auch jede Verzögerung eines Bauvorhaben. Ein paar Hundert Meter weiter vom Container-Neubau soll das neue Herzzentrum bis 2026 entstehen. Derzeit sind dafür rund 118 Millionen Euro veranschlagt. Außer einigen Erdaufschüttungen ist auf der Baustelle noch nichts zu erkennen. Der Bau ist bereits seit 13 Jahren im Gespräch.

Für das Uniklinikum war der Termin am Montag einer der besseren der letzten Monate. Mitarbeitende hatten Vorstand und Aufsichtsrat zuletzt Versagen in mehreren Bereichen vorgeworfen. Zudem ermittelt das Landeskriminalamt derzeit nach einem fragwürdigen Großeinkauf von Atemschutzmasken auch gegen mehrere Vorstandsmitglieder. Eine mittlerweile freigestellte Mitarbeiterin des Uniklinikums soll zudem illegal Daten abgefragt und mutmaßlich an gewaltbereite Linksextremisten weitergegeben haben.

MDR/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 11. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt