Postings in Sozialen Medien Uniklinikum Magdeburg: Kaufmännische Direktorin vor Abschied

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Spätestens im kommenden Jahr hört Kerstin Stachel in Magdeburg auf. Die umstrittene Managerin machte das am Dienstag selbst öffentlich. Unklar bleiben die Hintergründe der Entscheidung. Die Liste an Problemen und Vorwürfen in und aus dem Uniklinikum war zuletzt allerdings immer länger geworden. Die Belegschaft erfuhr aus den Sozialen Medien vom anstehenden Umbruch.

Hintereingang zum Universitätsklinikum Magdeburg.
Das Uniklinikum Magdeburg erlebt nicht nur wegen der Corona-Pandemie unruhige Zeiten. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Mit zwei Postings überraschte die Kaufmännische Direktorin am Dienstag die Belegschaft des Uniklinikums Magdeburg. Ihre "vertraglichen Verpflichtungen in Magdeburg" seien Ende 2023 erfüllt, schrieb Kerstin Stachel in Sozialen Medien. An anderer Stelle ergänzte Stachel auf Englisch, sie sei "frei und so glücklich". Von der Entscheidung wussten zu diesem Zeitpunkt offenbar weder Leitungs-Ebene noch Mitarbeiterschaft am Uniklinikum. Mehrere Beschäftigte berichteten dem MDR von großer Irritation.

Unklar, wer Entscheidung getroffen hat

Als Kaufmännische Direktorin führt Kerstin Stachel seit November 2015 die Geschäfte des Uniklinikums Magdeburg an der Seite des Ärztlichen Direktors. Der Vertrag der umstrittenen Managerin hat eine Laufzeit von acht Jahren.

Unklar ist, ob Kerstin Stachel nun für sich selbst die Entscheidung getroffen hat, keine Vertragsverlängerung anzustreben. Oder ob ihr der Aufsichtsrat mitgeteilt hat, dass man nicht gedenke, mit ihr zu verlängern. Eine solche Entscheidung müsste noch in diesem Jahr getroffen werden.

Aufsichtsrat tagt im Mai wieder

Das Wissenschaftsministerium teilte auf Anfrage am Mittwoch mit, man äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten. Minister Armin Willingmann (SPD) sitzt dem Aufsichtsrat des Klinikums vor. Kerstin Stachel selbst war über das Uniklinikum nicht zu erreichen.

Erst am vergangenen Donnerstag war der Aufsichtsrat ohne Beschlüsse in wichtigen Fragen auseinander gegangen. Eine Sondersitzung im Mai soll nun Klarheit bringen. Der Klinikums-Vorstand hatte unter anderem mehrfach einen neuen Wirtschaftsplan überarbeiten müssen.

Lange Liste an Problemen und Vorwürfen

Unter Stachel hatte sich das Uniklinikum in andauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden. Für 2021 wird mit einem Jahres-Defizit von rund 50 Millionen Euro gerechnet. Als Gründe dafür führte das Uni-Klinikum unter anderem die schwierige bauliche Situation und die Corona-Pandemie an. Seit Ende 2021 wird von Stachel und dem Ärztlichen Direktor, Hans-Jochen Heinze, ein Umbruch verfolgt, in dessen Folge das 'Jahresergebnis 30 Millionen' verbessert werden soll. Auch ein Abbau von Betten steht zur Diskussion.

Der Aufsichtsrat unterstützt das Vorhaben. Aus dem Uniklinikum selbst gab es jedoch wiederholt deutliche Kritik an Stachels Führungsstil und an dem ihr unterstehenden Controlling und Bau-Management. Der MDR und andere Medien berichteten zudem über anonyme Brandbriefe gegen den Klinikums-Vorstand. Auch das Verhältnis zu Teilen der medizinischen Fakultät gilt als belastet. Das Uniklinikum hatte die Vorwürfe überwiegend zurückgewiesen.

Der Aufsichtsrat hatte Stachel allerdings 2021 zu einem Personal-Training verpflichtet. Auch aufgrund der Vorwürfe gegen sie und andere, soll demnächst eine Mitarbeiter-Befragung am Uni-Klinikum durchgeführt werden. Wegen Impf-Drängelei erhielt sie zudem eine Rüge vom Gremium. Stachel teilte damals mit, sie bedauere ihr Verhalten und habe sich entschuldigt.

Mit Masken-Geschäft und Fusions-Gesprächen zuletzt im Fokus

Stachel hatte außerdem persönlich eine umstrittene Vergabe für einen Großeinkauf von Atemschutzmasken gezeichnet. Im November 2021 hatte das Uniklinikum Magdeburg einer jungen Firma den Zuschlag erteilt, deren Miteigentümer ein Sohn des Ärztlichen Direktors ist. Entsprechende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden allerdings eingestellt.

Der Landesrechnungshof wiederum hatte die Vergabe nach Prüfung deutlich kritisiert. Nach einem Hinweis aus dem Wissenschaftsministerium musste die Vergabe zudem korrigiert werden. Auch die Complieance-Regeln des Uniklinikums wurden geändert.

Über den Verlauf von Fusions-Gesprächen zwischen dem städtischen Klinikum Magdeburg und dem Uni-Klinikum hatte es zuletzt widersprüchliche Angaben der Beteiligten gegeben. Der Prozess hatte sich verzögert, auch weil geklärt werden musste, wie die medizinische Fakultät der Universität einbezogen wird. Stachel hatte ihre Darstellung der Abläufe zuletzt auch eidesstattlich versichert.

Linksfraktions-Chefin: "Vertrauen nachhaltig gestört"

Vor der Sitzung des Aufsichtsrates hatte die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Eva von Angern, personelle Konsequenzen im Klinikums-Vorstand gefordert. Am Mittwoch sagte von Angern nun, es brauche in der jetzigen Situation eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit" der Beteiligten. Das Vertrauen zu Stachel sei allerdings "nachhaltig gestört".

Stachel war Ende 2015 vom Uniklinikum Bonn nach Magdeburg gewechselt. In ihrer Anfangszeit unterstützte sie aktiv den Protest beider Uniklinika des Landes gegen einen von der Politik verursachten Investitionsstau. In den vergangenen Jahren gab es dann Zusagen für mehrere teure Großbau-Vorhaben. Darüber hinaus wurden dem Uni-Klinikum Magdeburg weitere 247 Millionen Euro von der Landesregierung zugesagt. Das Geld soll zur Entschuldung des Hauses, aber auch für Investitionen nach der Corona-Pandemie dienen.

Die Postings vom Dienstag waren mit diversen fröhlichen Emojis versehen. Sie habe schon "einen Plan" für die Zukunft, teilte Stachel darin mit, interessiere sich aber auch für Alternativen. Ein Posting ist mittlerweile nicht mehr öffentlich einsehbar.

MDR (Thomas Vorreyer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. April 2022 | 15:00 Uhr

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