Trauer um Schach-Großmeister Volker-Michael Anton aus Magdeburg gestorben

MDR Aktuell-Redakteur Marvin Kalies
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Der Magdeburger Volker-Michael Anton hatte seine Liebe zum Schach in der Kindheit entdeckt. Er folgte einem Aufruf in einer Zeitung und feierte schnell erste Erfolge. Für die DDR holte er Bronze bei der Fernschach-Olympiade, als der Staat gar nicht mehr existierte. Später feierte er auch für Gesamtdeutschland mit zwei Gold-Medaillen Erfolge. Nun ist er mit 70 Jahren gestorben.

Fünf Männer posieren für die Kamera
Volker-Michael Anton (v.l.) bei der Bronze-Auszeichnung für die Fernschach-Olympiade 1995. (Archivbild) Bildrechte: dpa

  • Volker-Michael Anton war bereits in seiner Jugend ein erfolgreicher Schachspieler.
  • Am bekanntesten wurde er mit einer Medaille für die DDR, als diese gar nicht mehr existierte.
  • Auch im hohen Alter konnte er trotz Krankheit mit Hilfe eines Computers weiter seiner Leidenschaft nachgehen.

Volker-Michael Anton ist bereits am 17. November 2021 gestorben. Das hat das Standesamt der Stadt Magdeburg MDR SACHSEN-ANHALT jetzt bestätigt. Anton wuchs in Magdeburg auf und wurde dort ein erfolgreicher Schachspieler – vor allem im Fernschach. In dieser Disziplin zählte er noch 2007 zu den zehn erfolgreichsten Spielern der Welt.

Welterfolge von zu Hause

Anton hatte als Kind bereits mit seinem Vater mehrere Jahre Schach trainiert. 1967 entdeckte er eine Zeitungsanzeige für eine Bezirksmeisterschaft. Er bewarb sich und gewann als 16-Jähriger direkt den Vizetitel in einem Fernschach-Turnier. Beim Fernschach werden Partien nicht zusammen am Brett gespielt, sondern Schachzüge über Postkarten kommuniziert. Auch Fax-Geräte waren später im Einsatz. Die waren bei traditionellen Schachliebhabern aber oft unbeliebt.

Weißer Briefkasten
Beim Fernschach werden die Schachzüge meist per Post zugestellt. Bildrechte: Colourbox.de

Das Spielen von Schachpartien von zu Hause aus kam Anton ganz gelegen. Aufgrund einer Muskelschwäche war er bereits seit seinem Jugendalter auf den Rollstuhl angewiesen und konnte keine großen Strecken zurücklegen. Das Spielen per Postkarte ermöglichte ihm dennoch die Teilnahme an großen Wettkämpfen und große Erfolge. So wurde er bespielsweise 1987 zum Großmeister ernannt.

DDR-Bronze lange nach dem Mauerfall

1995 erreichte Anton mit seinem Fernschach-Team nicht seinen größten Erfolg, aber den denkwürdigsten. Er setzte sich zusammen mit seiner Mannschaft bei der zehnten Fernschach-Olympiade durch und wurde mit einer Bronze-Medaille ausgezeichnet. Das Bemerkenswerte: Das Turnier startete 1987 und endete erst 1995. Da gab es die DDR aber gar nicht mehr. Bei seiner Auszeichnung im März 1995 in Magdeburg zeigte er sich im MDR-Interview gelassen. Für ihn hatte der Titel keine politische Bedeutung, sondern vielmehr eine sportliche:

Wehmut kann eigentlich nicht vorherrschen, es ist eine erfolgreiche Bilanz, die man zieht. Es ist immerhin eine olympische Medaille, die man gewonnen hat, als Schachspieler und nicht als ehemaliger DDR-Bürger.

Volker-Michael Anton, Fernschach-Großmeister

Medaillen für die BRD

Dass Volker-Michael Anton der Schachsport wichtiger als die politischen Verhältnisse war, war schon davor klar. Denn als er bei der zehnten Olympiade für die DDR antrat, lief auch schon die elfte Auflage des Wettkampfs. Zeitgleich spielte er also für die DDR und für Gesamtdeutschland. Für die BRD holte er dann 1999 und 2001 Gold. Im gleichen Jahr gewann er außerdem das "Massow-Memorial"-Turnier, in dem die stärksten Fernschach-Spieler der Welt antreten. Dem Erfolg widmete er zwei Jahre später 2003 mit seinem Schach-Kollegen Fritz Baumbach auch ein eigenes Buch.

Schachbrett
Anton formulierte seine Begeisterung für Fernschach auch in einem eigenen Buch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach seiner Karriere hielt er auch im hohen Alter am Schachspielen fest. Seine Muskelerkrankung machte ihm immer mehr zu schaffen, dennoch spielte er jeden Tag weitere Partien. Der Volksstimme sagte er noch im vergangenen Jahr, dass bei ihm kein Tag ohne das Schachspielen vergehe.

Früher spielte er per Post und später am Computer. Diesem hatte er zu verdanken, dass er seinem Hobby bis ins hohe Alter zu Hause nachgehen konnte. Denn während er aufgrund seiner Muskelschwäche keine Figuren mehr am Brett heben konnte, blieb er bei digitalen Spielen weiterhin einer der herausforderndsten Gegner der Welt.

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MDR (Marvin Kalies)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. Dezember 2021 | 16:30 Uhr

1 Kommentar

Saxe vor 7 Wochen

Am Ende werden wir alle schachmatt gesetzt. Danke für die schönen Partien.

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