Energiekrise Magdeburger Weihnachtsmarktchef wütend über "Licht-aus-Ansage"

Um Energie zu sparen, fordert die Deutsche Umwelthilfe, dass Städte und Gemeinden in diesem Jahr fast komplett auf Weihnachtsbeleuchtung verzichten sollen. Der Vorschlag habe ihn baff gemacht, sagt Paul-Gerhard Stieger, Geschäftsführer der Magdeburger Weihnachtsmärkte. Sollte es so kommen, würden konkrete wirtschaftliche Folgen drohen, mahnt Stieger im Gespäch mit dem MDR.

Der hell beleuchtete Weihnachtsmarkt in Naumburg
Der Chef der Magdeburger Weihnachtsmärkte ist gegen ein Verbot von Weihnachtsbeleuchtung. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Den Vorschlag der Umwelthilfe, auf Weihnachtsbeleuchtung in Städten und Privathaushalten zu verzichten, bezeichnet Paul-Gerhard Stieger als realitätsfern. Er ist Geschäftsführer der Magdeburger Weihnachtsmärkte und sagte im Gespräch mit dem MDR: "Dieser Vorschlag zeugt von absoluter Unkenntnis. Die Weihnachtsmärkte in Mitteldeutschland haben schon in den letzten Jahren massiv Stromverbrauch reduziert."

Fast jede Stadt habe inzwischen ihre Weihnachtsbeleuchtung auf stormsparende LED-Lampen umgestellt, so Stieger. "So haben wir in Magdeburg in den letzten Jahren den Stromverbrauch um 40.000 Kilowattstunden reduziert." Neben dem Weihnachtsmarkt gibt es in Magdeburg noch die Lichterwelten. "Dafür geben wir wie in den letzten Jahren rund 7.000 Euro für Strom aus", erläutert Stieger. Die Stromkosten seien in diesem Jahr aufgrund langfristiger Lieferverträge kaum gestiegen. "Die Finanzierung steht."

Ein Mann
Magdeburger Weihnachtsmarktchef Paul-Gerhard Stieger zeigte sich baff über den Vorschlag, die Beleuchtungen auszulassen. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Ein Abschalten der Weihnachtsbeleuchtung oder eine Absage der Magdeburger Lichterwelten hätte auch massive wirtschaftliche Folgen, so Stieger. "Wir wollen die Innenstädte beleben. Die Leute sollen einkaufen in der Innenstadt, sollen in die Gastronomie gehen. Wir haben ja gerade in den letzten Jahren erlebt, was es bedeutet, wenn die Weihnachtsmärkte nicht stattfinden." Wenn man die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten ausschaltet, werde nur noch online eingekauft, befürchtet Stieger.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte angesichts der Energiekrise gefordert, auf Weihnachtsbeleuchtung in Städten und Privathaushalten zu verzichten. "Angesichts des Kriegs in der Ukraine, der Energieknappheit, aber auch aus Gründen des Klimaschutzes sollten wir einmal innehalten", sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Ein Baum pro Gemeinde

"Allein die privaten Beleuchtungsorgien verursachen pro Jahr einen Stromverbrauch von über 600 Millionen Kilowattstunden Strom - so viel wie eine mittlere Großstadt mit 400.000 Einwohnern im Jahr verbraucht." Hinzu kämen die möglichen Einsparungen durch den Verzicht auf die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten und Gemeinden. Resch schlug einen beleuchteten Baum pro Stadt und Gemeinde vor.

MDR (Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 27. September 2022 | 11:00 Uhr

89 Kommentare

Armin C. vor 9 Wochen

@der Beobachter
Ihr letzter Satz ist so schön - und zeigt dazu noch Wirkung. Das muss ich auch mal probieren, Mensch, dass mir das nicht früher eingefallen ist...

astrodon vor 9 Wochen

Update: Das folgende habe ich in einem anderen Artikel zu Magdeburg gefunden: "Laut Angaben des Weihnachtsmarktes hatte die Lichterwelt im Jahr 2020 knapp 35.000 Kilowattstunden Strom verbraucht." Da war ichmit meiner Rechnung doch ziemlich dran.

DER Beobachter vor 10 Wochen

Wir bleiben hier. In unserem Sachsen, das abgesehen von den Szenedummhässlichkeiten doch immer noch weihnachtlich sein kann. Mal abgesehen davon galt Italien mal als Wiege der Renaissance von Kunst und Wissenschaft. Wo ist das gerade hin, wenn Italien sich, obwohl es anders könnte, von Energielieferungen aller Nachbarländer abhängig gemacht hat und am EU- (mithin deutschen) Steuerzahlertropf hängt?

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