Großbaustellen "Die werden ja nie fertig": Eine Rundreise zu Magdeburgs berühmten Baustellen

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Baustellen sind in Magdeburg so omnipräsent, dass man sich fast schon an sie gewöhnt hat. Jedenfalls, wenn man durch sie nicht nachts durch Lärm vom Schlaf abgehalten wird oder doppelt so lange zur Arbeit braucht. Bei einer Rundtour hat sich unser Autor die berühmten Dauerbauprojekte angeschaut und festgestellt: Es geht voran – langsam.

Blick über eine große Baustelle mit neuen Brückenpfeilerfundamenten, Kränen und Fahrzeugen. Im Hintergrund blauer Himmel und die Türme des Magdeburger Doms.
Magdeburgs berühmte Baustellen – hier die Strombrücke – beschäftigen die Stadt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Einmal aufwachen ohne lautes Gehämmer, Quietschen von Kränen, Rufe von Bauarbeitern: Für viele Magdeburgerinnen und Magdeburger ist das derzeit ein Wunschtraum. Denn in der Landeshauptstadt wird an allen Ecken und Enden gebaut. "Wichtige Maßnahmen zur Modernisierung der Infrastruktur", meinen die einen. "Die werden ja nie fertig", finden die anderen. Was ist der Stand auf Magdeburgs berühmtesten Baustellen?

Mit "berühmte Baustellen" sind dabei nicht der Kristallpalast, die Hyparschale, die Stadthalle oder der Wissenschaftshafen gemeint. Sondern die Baustellen, die für Staus und lange Umwege sorgen können: die neue Straßenbahntrasse in Buckau, der Magdeburger Citytunnel und die Strombrücke. Ich habe die drei besucht und festgestellt: Es geht voran! Wenn auch langsam.

Gleisbauarbeiten in Magdeburg-Buckau

Im Magdeburger Stadtteil Buckau hat sich die Lage im Vergleich zu 2020 deutlich entspannt. Die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) bauen hier eine neue Straßenbahnstrecke, die den Westen besser mit dem Süden der Stadt verbinden soll. 2020 war die Anbindung wegen der zahlreichen Vollsperrungen zwischenzeitlich jedoch so schlecht, dass die Volksstimme titelte: "Buckau wird zur Sackgasse".

So sieht die Baustelle in Magdeburg-Buckau aus

In einem frischen Gleisbett werden neue Schienen verlegt. Dahinter ein gelber Bagger.
In Magdeburg Buckau werden Gleise für eine neue Straßenbahntrasse verlegt. Die Bauarbeiten schreiten voran. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
In einem frischen Gleisbett werden neue Schienen verlegt. Dahinter ein gelber Bagger.
In Magdeburg Buckau werden Gleise für eine neue Straßenbahntrasse verlegt. Die Bauarbeiten schreiten voran. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann mit einem grauen Kapuzenpullover und einem Hund an der Leine steht neben Autos auf dem Bürgersteig
Karl-Heinz Kästner ist in der Porsestraße mit seinem Hund unterwegs. Er findet: „Die sollten bloß immer ein, zwei machen, die fertig stellen und dann die nächste aufmachen. Denn für die Kraftfahrer ist das unmöglich, auch für die Fremden, die durch die Stadt müssen. Unmögliche Zustände.“ Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine Frau mit einer blauen Jacke und einer bunten Brille steht an einer Kreuzung
Siegrid Kenkel findet: "An jeder Ecke ist eine Baustelle in Magdeburg. Dadurch wird man schon sehr beeinträchtigt. Aber was sein muss, muss sein." Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick auf eine gesperrte Straßenkreuzung. Davor steht ein Auto geparkt.
Die Schönebecker Straße und ein Teil der Warschauer Straße... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick auf eine gesperrte Straßenkreuzung mit einem grünen Baustellenfahrzeug.
... sind auf Höhe des Gesellschaftshauses gesperrt. Die meisten Anwohner fahren deshalb durch die Porsestraße (rechts)... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Aus einer Seitenstraße schlängelt sich eine lange Autoschlange.
... was bisweilen zu langen Schlangen führt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick über eine neu wirkende Straße mit integriertem Straßenbahngleis. Am Rand ein Baustellenschild.
Seit der angrenzende Teil der Schönebecker Straße für Autos und Straßenbahnen wieder befahrbar ist, hat sich die Lage wenigstens in Buckau deutlich entspannt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
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In einem frischen Gleisbett werden neue Schienen verlegt. Dahinter ein gelber Bagger.
Dauerbaustelle: Die Schönebecker Straße in Magdeburg Buckau. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Mittlerweile ist in Buckau allerdings nur noch ein kleiner Teil der Schönebecker Straße zwischen Gesellschaftshaus und Puppentheater gesperrt, weil hier Straßenbahnschienen verlegt werden. Die Bauarbeiten sollen planmäßig am 31. Oktober 2021 abgeschlossen werden. Zu Fuß kann man an der Baustelle vorbei, wo zu sehen ist, dass viele Schienen schon liegen. Eine neue Teilstrecke der Straßenbahn wurde 2020 freigegeben.

Die offiziell empfohlenen Umleitungen über die Leipziger Straße oder die Dodendorfer Straße sind ziemlich lang. Die meisten Anwohner fahren stattdessen einen Schlenker durch die Porsestraße. Hier staut sich der Verkehr zu Stoßzeiten, es ist nur Tempo 30 erlaubt. "Man ist schon sehr beeinträchtigt, aber was sein muss, muss sein", sagt eine Passantin.

Der neue Strombrückenzug als Ersatz für Zoll- und Anna-Ebert Brücke

An der Elbe entlang geht es zur nächsten riesigen Baustelle Magdeburgs. Als Ersatz für die Anna-Ebert-Brücke und die Zollbrücke wird hier für 120 Millionen Euro ein neuer Strombrückenzug gebaut. Im Februar 2020 erfolgte der erste Spatenstich, 2023 soll der Verkehr rollen. Große Sperrungen am Heumarkt soll es erst ab 2022 geben – das ist der Vorteil, wenn Bauarbeiten größtenteils am Wasser stattfinden. Die Arbeiten gehen sichtlich gut voran und sehen bei Sonnenschein mit Dom im Hintergrund sogar schick aus.

Impressionen der Bauarbeiten an der neuen Strombrücke in Magdeburg

Mit einem Kran wird eine Brücke über die Zollelbe eingehoben
Bildrechte: MDR/Matthias Lindner
Mit einem Kran wird eine Brücke über die Zollelbe eingehoben
Bildrechte: MDR/Matthias Lindner
Blick über eine große Baustelle mit neuen Brückenpfeilerfundamenten, Kränen und Fahrzeugen. Im Hintergrund blauer Himmel und die Türme des Magdeburger Doms.
Gleich hat der Kran den Dom am Haken, könnte man denken. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick auf riesige Bohrutensilien und im Bau befindliche Brückenfundamente. Auf der rechten Seite eine alte, schmalere Brücke mit einem Bauzaun.
Die neue Strombrücke wird direkt neben der Anna-Ebert Brücke gebaut. Hier der Blick Richtung Innenstadt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
In einem Gewässer werden auf Fundamenten neue, breite Brückenpfeiler errichtet
Die Arbeiten für die Grundgerüste der neuen Brückenpfeiler schreiten voran. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine Straße mit einem Bauzaun am Rand schlängelt sich in einer Kurve über eine marode wirkende Brücke mit Bauanlagen darauf
Die Verkehrssituation auf der Anna-Ebert Brücke ist derzeit besonders für Radfahrer und Fußgänger nicht sehr angenehm. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
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Die Brücke soll die beiden alten Brücken stark entlasten. Dort ist die Verkehrssituation gerade schwierig. Vor allem Fußgänger und Radfahrer müssen sich momentan auf einem sehr schmalen Weg neben dem fließenden Verkehr vorbeiqetschen. Der neue Brückenzug dürfte die Verkehrssituation sehr verbessern.

So soll der neue Brückenzug verlaufen:

Eine sehr kurze Geschichte des Magdeburger Citytunnels

Mein letzter Halt des Tages heißt nicht Magdeburg Hauptbahnhof, sondern Magdeburg Citytunnel, also dicht daneben. Der Tunnel ist die wohl berühmteste Baustelle Magdeburgs, die mit Auftritten bei Extra3, Deutschlandfunk, der Zeit und der Sueddeutschen Zeitung deutschlandweit Bekanntheit erlangte. Sie ist unter anderem berühmt-berüchtigt, weil die Baukosten von ursprünglich veranschlagten 36 Millionen auf mehr als 200 Millionen Euro explodiert sind und sich der Bauprozess mehrfach erheblich verzögert hat. Zuletzt gab es deswegen wieder lauten Protest von Teilen der Bevölkerung.

Mammutprojekt Großbaustelle in Magdeburg: Einblick in den Citytunnel

auf der Baustelle des Citytunnels in Magdeburg
Die Hälfte des Citytunnels ist bereits gegraben – so wie hier zwischen Damaschkeplatz und Bahnhof. Bildrechte: MDR/Heike Bade
auf der Baustelle des Citytunnels in Magdeburg
Die Hälfte des Citytunnels ist bereits gegraben – so wie hier zwischen Damaschkeplatz und Bahnhof. Bildrechte: MDR/Heike Bade
auf der Baustelle des Citytunnels in Magdeburg
Der Hauptgrund für die Bauverlängerung um weitere drei Jahre waren diese Bohrpfähle. Sie waren falsch vom beauftragten Planungsbüro berechnet worden und mussten alle nachträglich verstärkt werden. Sie tragen die Hauptlast der Statik und müssen auf der kompletten Länge von knapp 500 Metern die Decken tragen, auf der die Straßenbahnen fahren werden. Bildrechte: MDR/Heike Bade
auf der Baustelle des Citytunnels in Magdeburg
Für Radfahrer und Fußgänger ist der Weg unter den Bahnbrücken hindurch oberhalb des Citytunnels bereits freigegeben. Bildrechte: MDR/Heike Bade
auf der Baustelle des Citytunnels in Magdeburg
Der seitliche Zugang zum Bahnhof Bildrechte: MDR/Heike Bade
auf der Baustelle des Citytunnels in Magdeburg
Deckenarbeiten auf dem Abschnitt zur Ernst-Reuter-Straße – unterirdisch werden die Schachtarbeiten vermutlich im kommenden Jahr beginnen. Bildrechte: MDR/Heike Bade
Baustelle des Magdeburger Citytunnels
Projektleiter Christian Fuß – im Hintergrund die erneuerten Brücken der Deutschen Bahn. Hier lief alles nach Plan. Bildrechte: MDR/Heike Bade
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Die Baustelle sorgt in der Stadt für erhebliche Einschränkungen und weiträumige Umleitungen. 2017 wurde die Durchfahrt an der Ernst-Reuter-Allee für die Baumaßnahmen voll gesperrt. Seit Ende 2019 können immerhin Fußgänger und Radfahrer die Durchfahrt über einen schmalen, provisorischen Weg wieder passieren und müssen nicht mehr durch den Bahnhof ausweichen. Seit August 2020 können auch wieder Straßenbahnen hindurchfahren, zumindest auf einem Teil der Strecke. Laut einer Stadtratssitzung soll der Tunnel Ende 2022 fertig werden.

Aktueller Eindruck vom Citytunnel

Ob das tatsächlich klappt, bezweifeln viele Magdeburger. Dazu wurde die Öffnung schon zu oft nach hinten verschoben. Trotz der Probleme bei dem Großprojekt gibt es viele, die den Tunnel befürworten. "Ein wichtiger Schritt für Magdeburgs Infrastruktur, das finde ich gut", erzählt mir ein Mann, der mir zu Fuß an der Baustelle engegenkommt. "Als Verkehrsteilnehmer muss man sich eben auf die Situation einstellen. Das tue ich. Und die anderen hoffentlich auch", sagt er.

Der Magdeburger Citytunnel im Mai 2021

Rechts eine große Baustelle, links ein schmaler Fußweg, der von einem Absperrgitter begrenzt ist.
Noch müssen sich Radfahrer und Fußgänger über einen schmalen Weg an der Baustelle vorbeiquatschen. Radfahrer müssen auf Teilen des Weges schieben. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Rechts eine große Baustelle, links ein schmaler Fußweg, der von einem Absperrgitter begrenzt ist.
Noch müssen sich Radfahrer und Fußgänger über einen schmalen Weg an der Baustelle vorbeiquatschen. Radfahrer müssen auf Teilen des Weges schieben. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick über eine Baustelle, Schienen mit neuem Straßenbelag, und dahinter eine Eisenbahnüberführung.
Seit August 2020 haben Straßenbahnen... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick unter mehreren Eisenbahnunterführungen hindurch.
...die Möglichkeit, kleine Teile des Citytunnels zu befahren und vom Bahnhof nach Stadtfeld Ost zu rollen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick über eine große Straßenkreuzung auf ein Baustellengitter
Rür Autofahrer ist an ein Durchkommen noch nicht zu denken. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein betonierter Treppenaufgang zu Gleisen drei und vier
Einige Bahngleise sind hingegen wieder leichter erreichbar. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann mit einer blauen Daunenjacke steht vor Absperrgittern und Oberleitungen
Axel Mutwill findet, auch wenn die Baustellen lange brauchen, sind sie wichtig für Magdeburgs Infrastruktur. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
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Mein Eindruck nach meinem Besuch bei Magdeburgs "Berühmtheiten": Es geht voran – auch wenn für die Bürgerinnen und Bürger noch nicht viel davon zu spüren ist. Wenn man einen Blick über den Zaun wirft, sind durchaus Fortschritte bei den Bauarbeiten erkennbar. Der Citytunnel könnte also vielleicht wirklich 2022 öffnen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", wie man so schön sagt. Denn Magdeburg, auch wenn deine Baustellen Gesprächswert haben: Irgendwann sollten sie verschwinden.

MDR/Leonard Schubert

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. Mai 2021 | 09:30 Uhr

2 Kommentare

Basil Disco vor 5 Wochen

Angesichts der immensen Kosten ist es mehr als fraglich, ob der Tunnel sein Geld wert ist. Nach wie vor wird es drei Fahrstreifen geben: zwei nach Westen und eine nach Osten. Es werden sich also wie früher die Verkehrsströme der Großen Diesdorfer Straße, der Olvenstedter Straße und des Magdeburger Rings in eine Spur quetschen müssen, allerdings mit höherem LKW-Anteil. Die alten Brücken hatten eine reduzierte Durchfahrtshöhe, so dass einige LKW sie nicht passieren konnten. Ohne den Tunnel hätte die Bahn allein die Brücken erneuern und auf die neue Durchfahrtshöhe anpassen müssen, wahrscheinlich mit einer geringen finanziellen Beteiligung Magdeburgs. Und das Projekt wäre längst fertig

Gerd Mueller vor 5 Wochen

Prestige oder Notwendigkeit?

wurde geplant und gebaut wie am Berliner Flughafen BER und weil Leipzig Tunnel hat oder war zuviel Geld im Stadtsäckel

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