Covid-19 Corona-Ausbrüche in zwei Pflegeheimen in Magdeburg

In Magdeburg hat sich das Corona-Virus in zwei Pflegeheimen ausgebreitet. Innerhalb weniger Tage hatten sich Bewohnerinnen und Bewohner und Pflegekräfte infiziert. In einer der Einrichtungen hatten sich bisher nur zwei Pflegende impfen lassen.

Zwei Altenpflegerinnen stehen im Seniorenheim Pauline-Krone-Heim der Altenhilfe Tübingen für einen Antigen-Corona-Schnelltest im Zimmer eines Bewohners. 2 min
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In Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg ist es zu größeren Ausbrüchen von Corona-Infektionen in zwei Pflegeheimen gekommen. Darüber berichtete Amtsarzt Eike Henning und Oberbürgermeister Lutz Trümper am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Eine Seniorin wird gegen Corona geimpft
Trotz Erstimpfungen haben sich Bewohnerinnen und Bewohner in zwei Pflegeheimen in Magdeburg infiziert. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Die Ausbreitung sei rasant, innerhalb weniger Tage passiert, so Trümper. In einer Einrichtung hatten sich 21 Bewohnerinnen und Bewohner angesteckt. Alle hätten schon eine Impfung gehabt, ergänzte Amtsarzt Henning. Zwei Personen lägen im Krankenhaus. Ein Covid-19-Patient sei gestorben. Hennig korrigierte damit frühere Angaben, wonach es zwei Todesfälle gegeben habe. Zudem seien 16 Beschäftigte positiv getestet. Von ihnen seien nur zwei geimpft gewesen.

In einem weiteren Pflegeheim sind nach Angaben des Amtsarztes zehn Bewohner und neun Mitarbeiter infiziert.

Lob und Kritik an Pflegepersonal

Trümper zeigte sich über die geringe Bereitschaft des Pflegepersonals, sich impfen zu lassen, enttäuscht. Er sagte: "Was wirklich schlecht ist, dass die Impfbereitschaft bei Pflegekräften so klein ist. Ich bitte diese, ihrer Verantwortung gerecht zu werden." Es gebe keine Impfpflicht, aber wer sich nicht impfen lassen wolle, müsse noch genauer die Hygieneregeln einhalten, um Heimbewohnerinnen und –bewohner und auch die Familien der Pflegenden zu schützen. Das bedeute, täglich einen Schnelltest zu machen, in den Pausenräumen nicht zusammenzusitzen und immer eine FFP2-Maske zu tragen. Zu den Infektionen sei es nicht zufällig gekommen. "Da geht es um Hygieneregeln", bekräftigte Trümper.

Er wolle aber ausdrücklich auch die Pflegekräfte loben, weil deren Arbeit eine sehr Schwere sei.

Oberbürgermeister Trümper erklärte, die Fälle zeigten, dass es keine Sicherheit gebe, dass es nicht wieder zu Infektionen kommen würde. "Das, was wir gemacht haben, war im Wesentlichen richtig. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht", so Trümper.

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Impfungen und Schnelltests

Für ihn sei der Verlauf der Infektionen aber auch ein Hinweis darauf, dass die Impfung vor schweren Erkrankungen schütze. "Es scheint so zu sein, dass die Impfungen bei den hochbetagten Heimbewohnern vor einem schweren Verlauf schützen, auch schon vor der zweiten Impfung."

Als Maßnahme gegen weitere Infektionen sei geplant, Kräfte zu suchen, die in den Pflegeheimen zum Beispiel bei der Durchführung der Schnelltests helfen könnten. Auch Unterstützung durch Bundeswehrangehörige sei angefragt. Wenn mehr getestet würde, könnten auch an Wochenenden mehr Besucher zugelassen werden, so Trümper.

Er plädierte außerdem für den schnellen Einsatz von Schnelltests auch für zu Hause. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte angekündigt, den Arztvorbehalt für die Tests aufheben zu wollen. Dann könnten auch Laien Antigen-Tests in der Apotheke kaufen und zu Hause vornehmen.

Trümper sagte auf der Pressekonferenz: "Nur dann macht das einen richtigen Sinn. Wenn ich das Ding zu Hause habe, selber kaufen kann und sagen kann: Jetzt begebe ich mich gerade in eine Situation, die Gefahr ausüben kann für den, den ich besuche." Sinnvoll sei das beispielsweise vor dem Besuch von kranken oder älteren Verwandten, eines Arztes oder auch vor einem Friseurtermin.

Er glaube, dass man nicht lange auf eine Entwicklung eines neuen Tests warten müsse. Auch der Jetzige sei geeignet, ihn selbst durchzuführen – wenn man es sich ein paar Mal angeschaut und mitgemacht habe. "Das würde eine kleine Revolution auslösen, wenn man den selber in der Apotheke kaufen könnte", so Trümper.

Recherche/Redaktion: MDR/Martin Paul

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Januar 2021 | 17:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 26 Wochen

Wirklich vermehrt? Die erste Dosis gewährt noch keinen vollständigen Schutz. Und gefühlt wurde in der Masse der Heime nicht mal die erste Dosis verabreicht. Da schützt nichts. Würde mich andererseits nicht wundern, dass manche schon leichtsinniger werden, weil es Impfungen gibt.
Davon abgesehen leben in solchen Heimen alte Leute, die schon soweit sind, dass sie einen Pflegegrad haben und mehrere Vorerkrankungen pflegen. Da ist man anfälliger für jeden Schnupfen. So waren dann eben auch schon im März/April 2018 die Sterbezahlen höher als gegenwärtig. Auch da ging das nicht an den Heimen vorbei.

Critica vor 26 Wochen

Man hört und liest immer wieder, dass in Pflegeheimen neue Coronaausbrüche geschehen und nicht wenige Menschen dort sterben, und zwar vermehrt auch in Heimen, deren Bewohner bereits geimpft sind. Und nun?

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