Klimawandel Zu wenig Wasser: Güterverkehr auf der Elbe geht zurück

Der Güterverkehr auf der Elbe hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Das geht aus Angaben des Bundesverkehrsministeriums hervor. Demnach wurden über die Stadtstrecke in Magdeburg im vergangenen Jahr knapp 160.000 Gütertonnen bewegt. Vor zehn Jahren waren es noch bei 1,16 Millionen Gütertonnen. Außerdem ist der ökologische Zustand des Flusses nach Ansicht der Grünen besorgniserregend.

Blick vom Schiff auf den Elbe-Havel-Kanal
Ein Güterschiff auf dem Elbe-Havel-Kanal – hier ist die Schifffahrt auch im Sommer problemlos möglich. Bildrechte: MDR/André Strobel

Auf der Elbe in Sachsen-Anhalt werden immer weniger Güter transportiert. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke aus Dessau und weiterer Abgeordneter hervor. Demnach wurden über die Stadtstrecke in Magdeburg im vergangenen Jahr 159.876 Gütertonnen bewegt, im Jahr zuvor waren es etwa 177.910. Vor zehn Jahren lag die transportierte Menge demnach dort noch bei 1,16 Millionen Gütertonnen.

Sichere Schifffahrt nur noch auf Kanal

Grund ist vor allem der niedrige Wasserstand. Obwohl an der Elbe schon lange intensiv gebaut werde, um die angestrebte Fahrrinnentiefe von 1,40 Meter zu erreichen, würden immer weniger Güter transportiert. Das Wasserdefizit kann nach Ansicht von Lemke durch die Baumaßnahmen nicht ausgeglichen werden. Die Grünen-Politikerin geht davon aus, dass auf der Elbe Schifffahrt nur noch auf den Kanalstrecken sicher möglich ist.

Dürre setzt der Elbe zu

Steffi Lemke, Spitzenkandidatin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt
Lemke sorgt sich um dne Zustand der Elbe. Bildrechte: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Aus Lemkes Sicht ist zudem der ökologische Zustand der Flusslandschaft mit ihren Auen besorgniserregend. Die Dürre werde verschärft durch die Eintiefung der Elbe. Diese sei auch eine Folge der künstlichen Einengung des Flusses, um die Schifffahrt zu ermöglichen. Besonders schlimm sei der Zustand in Sachsen-Anhalt, wie aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums hervorgeht. Dort vertieft sich die Elbe um bis zu zwei Zentimeter pro Jahr. Lemke wies darauf hin, dass das über Jahrzehnte mit massiven Auswirkungen auf Auen und das Grundwasser verbunden ist.

Grünen-Politikerin lehnt Regierungsabkommen

Die Bundestagsabgeordnete lehnt ein geplantes Regierungsabkommen zwischen Deutschland und Tschechien ebenso wie der BUND ab, weil es den Fokus auf den Verkehr und die Elbe als Wasserstraße lege und weniger auf die Ökologie. Naturschutz, Wasserrahmenrichtlinie, Dürren und Biosphärenreservat würden nicht berücksichtigt. Der sensiblen Naturlandschaft werde das Abkommen nicht gerecht und dürfe so nicht unterschrieben werden, so Lemke.

Für Mittwoch, den 14. April, ist ein internationales Forum geplant, um den internationalen Bewirtschaftungsplan und den Plan zum Hochwasserrisikomanagement an der Elbe für die Jahre 2022 bis 2027 zu besprechen. Die zuständige Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (ISKE) organisiert das Forum als Videokonferenz.

Trockener Kartoffel-Acker  (einzelne Kartoffeln liegen auf trockenem Boden)
Trockener Kartoffel-Acker Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs

MDR/Susanne Ahrens, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 09. April 2021 | 09:00 Uhr

10 Kommentare

menke vor 27 Wochen

Ich kann nicht immer so schnell antworten, denn ich muss" nebenbei " noch "Schiff fahren ". Gerade habe ich Pause.
Ich meine, dass in Deutschland die Flüsse schon einseitig zum Betätigungsfeld der Naturschutzpolitik geworden sind. Da steht die Schifffahrt im Weg. Der Trend geht klar dahin, solche Flüsse wie Elbe, Oder und Havel für Schiffe unpassierbar zu machen. Dagegen werden die Flächen genutzt um FFH Gebiete auszuweisen und die Biosphärenreservate zu vergrößern. Die offiziellen Begründungen für diesen Weg sehen etwas anders aus. Und die Konkurrenz für die Bahn im Verkehr zur Tschechei wird damit natürlich ausgeschaltet. Eine Kanalverbindung zu den Orten und Häfen an der Elbe gibt es ausser nach Magdeburg nicht. Es ist eben einfach eine Art Wirtschaftspolitik. Ich denke, dass in wenigen Jahren auf der Elbe nur noch die Strecken zwischen Magdeburg Hafen und Niegripp sowie von Lauenburg nach Hamburg nutzbar sein werden.

Eulenspiegel vor 27 Wochen

Hallo Menke
„ In Deutschland liegt die Bedeutung mehr auf der Ausweisung von Naturschutzflächen an der Elbe“
Aber ist das denn so falsch wenn es die Alternative Kanal gibt?
Oder sind sie ein Gegner des Naturschutzes?

menke vor 27 Wochen

Das ist eher ein politisches Problem. Gerade die Binnenschifffahrt konkurriert in Europa mit der Bahn um die gleichen Segmente im Frachtverkehr. Der Güterkraftverkehr ersetzt die beiden, wenn sie nicht fahren können. Aber umgekehrt läuft nichts. Dazu hat die Bahn eine wesentlich größere politische Bedeutung. Allein der Personalaufwand ist 30 mal so groß. Damit auch die Wählerschaft. So besteht nicht unbedingt der größte Willen, der Bahn noch mehr Konkurrenz zu machen. Das bringt eine Auseinandersetzung mit der Tschechei, die auf den Transportweg Elbe mehr Wert legt. In Deutschland liegt die Bedeutung mehr auf der Ausweisung von Naturschutzflächen an der Elbe

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