In einem Regionalzug sind Scheiben, Wände und der Fußboden mit Stickern beklebt sowie Edding beschmiert.
Bildrechte: ODEG

Bahnbetreiber Fanhilfe protestiert: Odeg will FCM-Fans nach Vandalismus nicht mehr mitnehmen

30. April 2024, 18:54 Uhr

Die Ostdeutsche Eisenbahn Odeg droht damit, Fußballfans wegen Vandalismus künftig stehen zu lassen, und fordert Lösungen der Vereine. Das betrifft insbesondere Fans des 1. FC Magdeburg. Der Verein reagiert überrascht. Die Fanhilfe lehnt das Vorgehen ab und droht mit rechtlichen Schritten.

Die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) hat angedroht, Fans des 1. FC Magdeburg künftig von der Beförderung auszuschließen. Wie Odeg-Geschäftsführer Lars Gehrke MDR SACHSEN-ANHALT sagte, sieht er keine andere Möglichkeit.

Hintergrund sind mehrere Vorfälle vor beziehungsweise nach Fußballspielen mit Beteiligung des 1. FCM, zuletzt am 21. April vor dem Spiel gegen den FC Hansa Rostock. Dabei verwüsteten nach Angaben des Zugbetreibers mutmaßlich Fans des 1. FCM Züge der Odeg und belästigten unbeteiligte Reisende. Unter anderem die Märkische Oderzeitung (€) hatte darüber berichtet. Eine Sprecherin teilte mit, es habe Graffiti, Beschmierungen und Müll in der Bahn nach Rostock gegeben.

Die Odeg kündigte bei MDR SACHSEN-ANHALT an: "Identifizierte Fans bezüglich Vandalismus in unseren Zügen werden wir nicht mehr im Zug mitfahren lassen, hier machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch. Für die Sicherheit der anderen Fahrgäste, unserer Kolleginnen und Kollegen an Bord sowie um unser Arbeitsmittel unsere Züge unversehrt zu wissen." Das Unternehmen prüfen nach eigenen Angaben zwei Sachverhalte, die im mit Fans des FCM stünden.

Aufkleber und Schmierereien an Wand in Zug
Ein Foto von dem beschmierten Zug nach dem Rostock-Spiel am 28. April. Bildrechte: Odeg

In der Vergangenheit haben Bahnunternehmen bereits mehrfach radikale Fußballfans von der Beförderung ausgeschlossen – mit Verweis auf ihr Hausrecht. Wird gegen Regeln in der Hausordnung am Bahnsteig oder in den Beförderungsbedingungen im Zug verstoßen, müssen Personen nicht mitgenommen und Fahrten beendet werden. Auch kann die Bundespolizei besondere Regeln verfügen, beispielsweise Vermummungen und Glasflaschen verbieten. Voraussetzung ist, dass die Regeln auch kontrolliert werden.

Von einer Zugfahrt ausgeschlossen werden dürfen Personen ... - die die Sicherheit von Betrieb und Mitreisenden gefährden
- unter Alkoholeinfluss stehen
- die Gewaltbereitschaft zeigen
- die im Zug rauchen
- die Anweisungen des Personals nicht Folge leisten
Quelle: Tarif- und Beförderungsbestimmungen der ODEG

Aufkleber, Graffiti, Müll – sowie Bier- und Urinlachen

Für überregionale Aufmerksamkeit hatten bereits Mitte Februar Vandalismusschäden an einem Odeg-Zug von Berlin nach Magdeburg gesorgt. An Bord waren Fußballfans auf der Heimreise nach der FCM-Niederlage gegen Hertha BSC. "Zurück blieben eine katastrophale Zerstörung, Massen an Müll sowie Urin-, Bier- und Getränkelachen", teilte die Odeg seinerzeit mit. Medienberichten zufolge kostete die Reinigung des Zuges 25.000 Euro. Unter einigen FCM-Aufklebern waren den Angaben nach Rasierklingen versteckt, die die Reinigungskräfte hätten verletzen können.

Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse sagte Gehrke, man werde die Vorfälle an den Verein herantragen, Anzeige gegen Unbekannt erstatten und "hoffen, dass sich Verantwortliche des 1. FCM melden." Ansonsten müsse geprüft werden, offensichtlichen Fans mit Fan-Utensilien pauschal die Mitfahrt zu verweigern. Odeg teilte mit, dass das Unternehmen mit dem Fußballverein in den Dialog treten werde. Man wünsche sich ein klares Statement und eine Distanzierung von randalieren Fans.

Odeg fordert Lösungen: Fanbegleiter, Busse oder Extra-Züge

Gehrke kritisierte, dass der Magdeburger Fußballverein solche Vorfälle nicht ernst genug nehme. Für ihn seien dessen Entschuldigungen nur Lippenbekenntnisse: "Nun müssen Taten folgen, zum Beispiel, dass Personen durch den Verein gestellt werden, die die Fans in den Zügen begleiten." Eine andere Möglichkeit könne sein, separate Busse oder Züge für die Fangruppen zu mieten, so Gehrke. Er erhoffe sich vom 1. FCM, dass er endlich Verantwortung für diese Gruppen übernimmt. Der Verein müsse aufhören, diese Vorfälle damit zu bagatellisieren, dass es sich angeblich um einzelne Reisende handele, die sich lediglich als Fans ausgäben, betonte Gehrke.

1. FC Magdeburg überrascht

Der 1. FC Magdeburg regierte auf die Vorwürfe erstaunt. Sprecher Manuel Holscher teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, von den Vorfällen vor dem Spiel gegen Hansa Rostock sei ihm nichts bekannt. "Wir werden uns mit den Beauftragten der Bahnunternehmen für Fanreisen zusammensetzen und sind momentan in der Absprache eines gemeinsamen Termins," erklärte Holscher am Montag. Nach dem Vorfall im Februar hatte der FCM gegenüber dem Portal TAG24 sein Bedauern ausgedrückt, aber darauf verwiesen, dass solche Straftaten willkürlich erfolgten. Am Dienstag ergänzte Holscher, es lägen dem FCM vom Rostock-Spiel nach wie vor keine Hinweise vor, dass es zu extremeren Vorfällen gekommen sein soll. Im Gegenteil: Das Feedback der Polizei sei nach dem Spiel und der Rückkehr grundsätzlich positiv gewesen. Holscher sagte, man habe bereits einen Dialog angeregt und stehe für einen Austausch zur Verfügung.

1. FC Magdeburg: Pressesprecher Manuel Holscher
1. FC Magdeburg: Pressesprecher Manuel Holscher. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Daten der FCM-Fanbetreuung waren beim Spiel in Berlin 17.000 FCM-Fans dabei, in Rostock 2.700. Im Normalfall seien fünf bis sechs Fanbetreuer vor Ort, dazu Vertreter des Fanprojekts.

Fanhilfe kündigt notfalls rechtliche Schritte an

Die Fanhilfe Magdeburg kritisierte das Vorgehen und kündigte an, sich notfalls auch mit rechtlichen Schritten gegen die angekündigten Maßnahmen der Odeg zu wehren: "Einen pauschalen Ausschluss von Zugpassagieren aufgrund ihres FCM-Schals lehnt die Fanhilfe Magdeburg entschieden ab. Wir verstehen die Verärgerung der Odeg, jedoch kann Sippenhaft nicht als Lösung akzeptiert werden. Sollte die ODEG ihre Ankündigungen umsetzen, werden wir unverzüglich rechtliche Schritte prüfen."

Aufkleber an Tür in Zug
Ein Foto von dem Zug, mit dem FCM-Fans am Sonntag, 28. April, gereist sind. Bildrechte: Odeg

Kommentar: MDR-Reporter Guido Hensch skeptisch

MDR-Reporter und 1.-FC-Magdeburg-(FCM)-Fan Guido Hensch sieht die Drohung der Odeg aus eigener Sicht ebenfalls skeptisch. Er sagte in einer Sendung von MDR SACHSEN-ANHALT, beim Spiel gegen Berlin seien 17.000 FCM-Fans gewesen, in Rostock seien es 2.700 gewesen. Diese Menge könne man nicht im Blick behalten. Das gelte auch für die fünf bis sechs Fanbetreuer des FCM oder die Ansprechpartner der Fanprojekts.

Guido Hensch MDR SACHSEN-ANHALT Reporter
MDR-Reporter Guido Hensch sieht die Drohung der Odeg kritisch. Bildrechte: MDR/André Plaul

Im Fall des Rostock-Spiels sei bei der Odeg von acht bis 15 Fans die die Rede gewesen, die randaliert hätten. Das seien etwa 0,5 Prozent der Fans in Rostock gewesen. Hier zu pauschalisieren und alle Fans über einen Kamm zu scheren – das sei fragwürdig. Zudem verdiene die Bahn viel Geld mit den vielen Fans, die zu den Spielen führen. Er halte nichts von dem Vandalismus – aber die Bestrafung aller Fans für das Fehlverhalten weniger halte er für falsch.

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MDR (Leonard Schubert, Ingvar Jensen, Max Hensch, Guido Hensch, André Plaul), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. April 2024 | 08:00 Uhr

124 Kommentare

Gernot vor 11 Wochen

Anita L, der Staat ist für Gesetzesgebung und deren Durchsetzung nicht nur zuständig, sondern sogar verpflichtet. Die Vorgaben dafür.....kennen sie selbst.
Das hat in diesem Fall auch nichts mit Polizeistaat etc zu tun, sondern mehr mit einer nicht vorhandenen gesunden Autorität unseres Rechtsstaat. Diesem,unserem, Staat ist es über Jahrzehnten abhanden gekommen mit den vorhandenen finanziellen Mitteln umzugehen. Misswirtschaft und Vergeudung wurden und werden zu Lasten elementarer staatlicher Grundlagen kompensiert.
Da liegt der Ursprung vieler Probleme der Gegenwart in Deutschland.

Anita L. vor 11 Wochen

@Thommi Tulpe, und weil Sie seit 43 Jahren in vollen Zügen zu Fußballspielen fahren, sind die Berichte über die Randale übertrieben (die Bilder wahrscheinlich gestellt?) und das Ganze nur inszeniert, um Ihrem Verein medial zu schaden...
Und dann fragen Sie mich, wie ich auf die Idee komme, dass Ihr Szenario eine Verschwörungstheorie sei...
Erstens haben die Mainzelmännchen damit gar nichts zu tun, zweitens habe ich an keiner Stelle behauptet, dass Fans anderer Vereine "vorbildliche Reisende" wären und drittens kommt jetzt zur Verschwörungstheorie auch noch Whataboutismus. Andere Fans sind also keine vorbildlichen Reisenden, aber wenn über zerlegte Züge im Zusammenhang mit Ihrer Fußballmannschaft berichtet wird, muss das natürlich etwas mit dem konkurrierenden Sitz des Medienhauses und dem aktuellen großartigen Tabellenplatz Ihrer Mannschaft zu tun haben...

Thommi Tulpe vor 11 Wochen

"In der Vergangenheit haben Bahnunternehmen bereits mehrfach radikale Fußballfans von der Beförderung ausgeschlossen – mit Verweis auf ihr Hausrecht." Warum dann der Aufschrei? Bevor die Bahn andere fordert, hat sie selbst doch rechtliche Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, was sie beklagt.

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