Nationales Testzentrum In Cochstedt werden Drohnen zu Lebensrettern

MDR-Reporter Hagen Tober
Bildrechte: Hagen Tober

Die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen sind vielfältig. Am Flughafen in Cochstedt testet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt Technologien, mit denen die Flugobjekte zu Lebensrettern in Katastrophenfällen werden. Sie liefern Helfern am Boden wichtige Informationen aus der Luft und bringen Opfern an schwer zugänglichen Orten Medikamente und Nahrung.

Menschen in Warnwesten, Modellflugzeuge, Computer
Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Drohnenpilot sein, das kann inzwischen jeder – zumindest was die kleinen schwirrenden Dinger angeht, die es fast überall am Himmel zu sehen und zu hören gibt. Doch Drohnen, sogenannte unbemannte Luftfahrtsysteme, kurz UAS, können viel mehr. Die Möglichkeiten sind unüberschaubar.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, kurz DLR, hat das Potenzial der kleinen Flugmaschinen schon frühzeitig erkannt und setzt intensiv auf diese Technologie. Einen optimal geeigneten Platz zum Testen fand das DLR auf dem ehemaligen Flughafen Cochstedt im Salzlandkreis. Hier startet das DLR jetzt richtig durch.

Menschen in Warnwesten, Modellflugzeuge, Computer
Diese Drohne hat eine Flügelspannweite von drei Meter und fliegt bis zu 90 Minuten lang. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Lebensretterin Drohne

Gerade wird eine Drohne mit drei Metern Flügelspannweite getestet. Sie sieht aus wie ein kleines Segelflugzeug, kann senkrecht starten und landen und fliegt etwa 90 Minuten lang. Diese Drohne ist kein Spielzeug. Sie kann Leben retten.

Menschen in Warnwesten, Modellflugzeuge, Computer
Spezielle Algorithmen sollen die Fotos der Drohnen automatisch analysieren und den Rettungskräften am Boden Informationen liefern. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Bei Hochwasserkatastrophen oder Erdbeben soll das sogenannte UAS innerhalb kürzester Zeit eine flächendeckende Fotoanalyse liefern. Spezielle Algorithmen werden entwickelt, die die Fotos automatisch analysieren und den Rettungskräften am Boden genau zeigen, wo sich Opfer befinden. Der Zeitfaktor kann bei einer Katastrophe über Leben und Tod entscheiden. Deshalb soll die Drohne selbstständig die Hotspots finden, etwa Überlebende auf einem Häuserdach oder weggespülte Fahrzeuge.

Bis dahin allerdings muss die Drohne noch verschiedene Tests durchlaufen. Genau das geschieht am Nationalen Erprobungszentrums für unbemannte Luftfahrtsysteme auf dem ehemaligen Flughafen Cochstedt.

Drohne bringt Medikamente und Nahrung

Bisher waren Hubschrauber bei der Aufklärung im Katastrophengebiet unverzichtbare Helfer. Die Drohne allerdings ist um ein Vielfaches preiswerter und kann auch in Regionen eingesetzt werden, wo kein Helikopter starten und landen kann. Selbst Satellitenbilder sind hier im Nachteil, denn es dauert im Schnitt drei Tage, bis ihre Fotos verwertbar sind.

Menschen in Warnwesten, Modellflugzeuge, Computer
Der superARTIS bei einer Katastrophe in der Dominikanischen Republik bereits Medikamente und Nahrung an schwer erreichbare Orte geflogen. Bildrechte: MDR/Hagen Tober

Mit dem superARTIS, der auf den ersten Blick an einen Hubschrauber erinnert, hat das DLR in einem Katastrophengebiet in der Dominikanischen Republik bereits praktische Erfahrungen gesammelt. Medikamente und Nahrungsmittel konnten mithilfe der Drohne an schwer erreichbare Orte geflogen werden.

"Drones for Good" heißt das internationale Programm, welches humanitäre Technologien entwickelt. Aus Cochstedt werden uns in den kommenden Monaten und Jahren sicherlich eine Vielzahl interessanter News erreichen. Zumal Global Player wie DHL und NASA bereits als Kooperationspartner bei diversen Projekten in den Startlöchern stehen.

MDR-Reporter Hagen Tober
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Über den Autor Hagen Tober begann seine Fernsehlaufbahn 1992 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Mitte der Neunziger sammelte der gebürtige Sachse weitere Erfahrungen beim NDR, dem ORB und dem SFB. Nach 15 Jahren Reportertätigkeit für das Auslandsfernsehen Deutsche Welle TV kam er 2013 wieder zurück zum MDR. Hier arbeitet Hagen Tober hauptsächlich im Bereich Fernsehen, aber auch für den Hörfunk und die Onlineredaktion. Seine Lieblingsorte in Sachsen Anhalt sind die Altmark, der Harz und die Flusslandschaften von Elbe, Saale und Unstrut.

MDR/Hagen Tober, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 22. September 2021 | 19:00 Uhr

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