Investor gefunden Damals am Boden, heute obenauf: Auto-Zulieferer aus Hoym behauptet sich

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Der langsame Abschied vom Verbrennungsmotor, hohe Energiepreise, teilweise stockende Lieferketten. All das spüren auch Autozulieferer. Vor etwas über einem Jahr war in Hoym ein Hersteller von Leichtmetallteilen in Schieflage geraten. Doch dann hat sich ein Investor gefunden. Eine Erfolgsgeschichte aus dem Salzlandkreis.

In der Werkhalle in Hoym dampft und zischt es. Haushoch ist einer der Öfen, hier in der Gießerei. Silber glänzend ergießt sich flüssiges Aluminium in einen Behälter. Unter hohem Druck und mit großer Präzision werden daraus in zischenden Maschinen filigrane Werkstücke. Zum Beispiel Motorträger oder Teile für Standheizungen. Die Produktion läuft im Schichtbetrieb – mit 170 Beschäftigten.

Schmelzöfen vor einem Jahr schon fast aus

Vor einem Jahr waren die Schmelzöfen fast schon aus. Hoym war Produktionsstandort, quasi eine Zweigstelle eines Unternehmens. Als Aufträge ausblieben, sollte auch am Standort im Salzlandkreis das Licht ausgehen. Die Mitarbeiter bangten um ihre Jobs. Dann fand sich ein Investor. Heute betreibt die LMG Manufacturing GmbH das Werk.

Wir sind froh, dass es weitergeht. Weil in der Region ist ja nicht mehr so viel da.

Marco Hering Leiter der Gießerei

Die neue Geschäftsleitung hat nicht nur Probleme, sondern vor allem Chancen gesehen. "Das Know-how, das die Mitarbeiter sich hier über 20 Jahre angeeignet haben, kann man wahnsinnig gut nutzen. Eigentlich ist das eigentlich schade, dass man das nicht genutzt hat. Bis jetzt, sagt Christine-Susanna Tirnaksiz. Sie führt seit etwa einem Jahr die Geschäfte.

Ein Mann steht in einer Werkshalle und hält ein Teil in den Händen.
Die Teile, die in Hoym gefertigt werden, sind in vielen Autos verbaut. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

"Es gab hier kein Management. Es ist einfach eine verlängerte Werkbank gewesen, eigentlich nur die Produktion, die hier gab", erklärt sie. Die neue Geschäftsleitung hat den Betrieb umgekrempelt, investiert, Kosten reduziert, Abläufe umgestellt und digitalisiert. Gemeinsam mit der Belegschaft. Und das alles in unsicheren Zeiten, in einer Branche im Umbruch: die Mobilitätswende, mitunter stockende Lieferketten. Alles, was den großen Autobauern zu schaffen macht, merken auch die Autozulieferer. Und das sind in Sachsen-Anhalt vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen.

Breitere Produktpalette wegen vieler Unwägbarkeiten

Videostandbilder der Experten
Marco Langhof ist Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände. Bildrechte: MDR/Marco Langhof

"Sie haben den Wandel in der Antriebstechnologie weg von dem Verbrennungsmotor, hin zur Elektromobilität. Sie haben die Trends, dass die Fertigungsprozesse digitalisiert werden müssen, Prozesse im Betrieb digitalisiert. Das sind die Herausforderungen", sagt Marco Langhof, Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt. Dazu kommen der demografische Wandel und die Herausforderungen der Corona-Situation.

Es gibt viele Unwägbarkeiten. Beim Teilehersteller LMG in Hoym will die Geschäftsleitung die Produktpalette breiter aufstellen. "Aluminium-Teile, die in der Elektromobilität noch viel wichtiger sind, werden einfach nur größer. Und wir gucken jetzt, dass wir peu à peu diesen Schritt mitgehen und so unsere Produktpalette aufbauen, dass wir größere Teile hier bei uns in Hoym produzieren können."

Christine-Susanna Tirnaksiz und ihre Beschäftigten planen also für die Zukunft. Auch in Elektroautos werden schließlich leichte Aluteile gebraucht. Das sind strategische Entscheidungen. Entscheidungen, die Firmen selbst treffen können. "Die nächsten zwei, drei Jahre wird es so sein, dass wir uns wirklich darauf konzentrieren müssen, eine Richtung zu finden, und zwar wie groß sollen die Teile produziert werden", sagt sie noch. Die Produktpalette soll also breiter werden. Die Auftragsbücher sind jedenfalls gut gefüllt, sagt die Geschäftsleitung. Die Zahlen würden im Plan liegen.

Aufbruchstimmung trotz schwieriger Zeiten

Wenn allerdings Autohersteller ihre Produktion drosseln, weil andere Bauteile fehlen, merkt das auch das Unternehmen in Hoym. Kunden würden Aufträge ins nächste Jahr 2022 schieben, weil sie einfach Autos nicht zusammenbauen könnten, sagt Christine-Susanna Tirnaksiz. Ein Phänomen, das wohl branchenweit zu beobachten ist.

Blick in eine Werkshalle, in der Geräte und Kisten zu sehen sind.
Bei dem Zulieferer in Hoym arbeiten rund 170 Beschäftigte. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

"Halbleiter haben sie in jedem Auto. Dann wird das natürlich durchgereicht an die gesamte Wertschöpfungskette", beobachtet Arbeitgeberpräsident Marco Langhof. Zulieferer würden zum Teil verbindliche Lieferungen mit fast Tagesfrist abgesagt bekommen. Das alles schafft Unsicherheiten. Beim Leichtmetall-Produzenten in Hoym sei man aber ausgelastet, sagt die Geschäftsleitung. Große Kisten mit glänzenden, filigran gearbeiteten Teilen verpacken sie hier.

Und auch das Betriebsklima stimmt. "Man merkt so ein bisschen Aufbruchstimmung", erzählt Gießerei-Leiter Marko Hering am Schmelzofen noch. Es würden jetzt Lehrgänge durchgeführt. Das gab es in der alten Firma nicht, stellt er fest. Vor einem Jahr sah die Zukunft noch anders aus beim Leichtmetallspezialisten in Hoym. Den Wandel gehen sie nun gemeinsam an. Das Unternehmen sucht übrigens auch noch Mitarbeiter.

Mehr zum Thema: Der Mangel und seine Folgen

MDR/Tom Gräbe, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Oktober 2021 | 12:00 Uhr

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