Bald nicht mehr abgehängt Bahnstrecke zwischen Barby und Güterglück soll reaktiviert werden

In Sachsen-Anhalt steht die Deutsche Bahn zum Plan, die Strecke zwischen Barby im Salzlandkreis und Güterglück bei Zerbst im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zu reaktivieren. Das beinhaltet auch die 2004 stillgelegte Elbbrücke. Bis wieder Züge auf der Strecke rollen, könnte es aber noch rund zehn Jahre dauern.

Eine Erklärtafel mit der Aufschrift Die Elbbrücke Barby
Der Eisenbahnbrücke über die Elbe in Barby soll neues Leben eingehaucht werden. Bildrechte: MDR/Guido Hensch

In Deutschland sollen 20 stillgelegte Bahnstrecken mit 245 Kilometern Gleisen wieder belebt werden. Darunter ist die Strecke zwischen Barby im Salzlandkreis und Güterglück bei Zerbst im Kreis Anhalt-Bitterfeld. Auch die auf der Strecke liegende Elbbrücke soll saniert werden.

Die Kosten dafür sollen Bund und Länder tragen. Wann genau wieder Züge über die Elbbrücke rollen, ist aber noch nicht klar. Die Bahn muss jetzt erst einmal konkrete Pläne und Machbarkeitsstudien in Auftrag geben. Besondere Schwierigkeit: Die Strecke ist bereits entwidmet. Die Elbbrücke und die Trasse bis Güterglück besitzen keine Schienen mehr. Nach Einschätzung von Jürgen Krebs von der "Arbeitsgruppe Elbbrücke" könnte es bis zur Fertigstellung rund zehn Jahre dauern.

Direktere Zuganbindung für Menschen im ländlichen Raum

Dennoch löste die Entscheidung der Bahn vor Ort große Freude aus. Barbys Bürgermeister Torsten Reinharz sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir hätten dann die Möglichkeit, den Bahnhof wieder zu nutzen." Momentan seien die Bürger "hier in der ländlichen Gegend ein bisschen abgehängt". Mit der Reaktivierung der Strecke könnten die Menschen "wieder schneller von A nach B fahren". Derzeit seien Umwege über Gnadau, Schönebeck oder Magdeburg oft nicht zu vermeiden.

Jürgen Krebs von der "Arbeitsgrupppe Elbbrücke" sieht die Anstrengungen seiner Initiative bestätigt: "Das hat sich gelohnt." Krebs ist sich sicher, dass die Elbbrücke heute nicht mehr stehen würde, hätte die Initiative 2014 nicht die Arbeit aufgenommen.

Initiative konnte Zerstörung der Brücke verhindern

Vor 150 Jahren war die Elbbrücke Teil der damals schnellsten Eisenbahnverbindung zwischen Sankt Petersburg und Barcelona. 2014 hat ein privater Eigentümer die Brücke gekauft. Die Befürchtung der Bürgerinnen und Bürger damals: Er könnte sie abreißen und den Schrott zu Geld machen. Das konnte die Initiative verhindern – und somit die Geschichte der Elbbrücke fortschreiben.

Zugstrecke Seit vielen Jahren stillgelegt - die Bahngleise bei Barby

stillgelegte Bahngleise, daneben alte Hallen mit Schornstein
Auf der Bahnstrecke Schönebeck-Zerbst im Salzlandkreis ist seit 2004 kein Zug mehr verkehrt. Damals fuhr hier der letzte Zug von Wernigerode nach Berlin. Bildrechte: MDR/André Strobel
stillgelegte Bahngleise, daneben alte Hallen mit Schornstein
Auf der Bahnstrecke Schönebeck-Zerbst im Salzlandkreis ist seit 2004 kein Zug mehr verkehrt. Damals fuhr hier der letzte Zug von Wernigerode nach Berlin. Bildrechte: MDR/André Strobel
stillgelegte Bahngleise, daneben ein altes Bahnhäuschen
Ein paar von den alten Schienen, die vom Barbyer Bahnhof in Richtung Elbbrücke verlaufen, sind noch erhalten. Bildrechte: MDR/André Strobel
Mit Gestrüpp überwucherte Bahngleise.
Auf der Strecke Richtung Güterglück hören die Schienen irgendwann einfach auf. Bildrechte: MDR/André Strobel
Eisenbahnbrücke über die Elbe.
Blick auf die gut erhaltene Elbbrücke bei Barby – nach Plänen des Bundesverkehrsministeriums könnten hier in Zukunft wieder Züge fahren. Bildrechte: MDR/André Strobel
stillgelegte Eisenbahnbrücke
Allerdings sind die Schienen hier seit 2014 abmontiert. Bildrechte: MDR/André Strobel
Mann in Warnweste auf stillgelegten Bahngleisen.
Jürgen Krebs gehört zum Brückenverein Barby, der sich stark für den Erhalt der Brücke und die Reaktivierung der Bahnstrecke einsetzt.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. März 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: MDR/André Strobel
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Strecke muss elektrifiziert werden

Bis es soweit ist, muss am alten Bahnhofsgebäude und auch auf der Elbbrücke aber noch einiges getan werden. So ist es laut Jürgen Krebs nötig, die Gleise zu erneuern und die Strecke zu elektrifizieren. Die Elektrifizierung sei zwar schon 1991 vorbereitet, aber nie ausgeführt worden. 1992 und 1993 war die Elbbrücke sogar teilweise umgebaut worden – und für den Zugverkehr gesperrt. Ersatzbusse zwischen Barby und Güterglück mussten die Elbfähre nehmen und benötigten für die Umfahrung der acht Kilometer langen Bahnstrecke etwa 40 Minuten. Tatsächlich stehen bis heute in Güterglück entlang der alten Strecke Betonmasten, die für die Oberleitung vorgesehen waren.

Wissenwertes zur Elbbrücke Barby

Brückenbauarbeiten 1992 bei Barby
Brückenbauarbeiten 1992 bei Barby Bildrechte: dpa

Die Eisenbahnbrücke war in den 1870er Jahren errichtet worden und damit Teil der einstigen sogenannten "Kanonenbahn", einer militärstrategischen Bahnverbindung zwischen Berlin und dem damals deutschen Metz. Im April 1945 wurden Teile der Brücke aus taktischen Gründen von der Wehrmacht gesprengt. Schon drei Jahre später war das Bauwerk für 1,6 Millionen Mark wiederhergestellt. Die letzten Regionalzüge zwischen Barby und Güterglück fuhren Ende 2003. Zum 11. Dezember 2004 wurde die Stilllegung der Strecke Güterglück-Barby-Güsten genehmigt. Bis dahin nahmen noch ein Jahr lang an Wochenenden Ausflugszüge zwischen Berlin und Wernigerode den Weg über die Elbbrücke. Auch der Bahnhof Barby wird seit Ende 2004 nicht mehr angefahren. 2006 wurde der Fußweg der Brücke für 150.000 Euro mit stabilen Kunststoffbohlen saniert.

Die Pläne für eine Reaktivierung des Zugverkehrs zwischen Barby und Güterglück hatten im Sommer 2020 erste konkrete Formen angenommen. Sie ist im Zielfahrplan des Deutschlandtaktes 2030 verzeichnet. Der soll Deutschlands Bahnverkehr stärker vernetzen, Regionen besser anschließen und die Fahrgastzahlen verdoppeln. Nach diesem Plan sollen hier künftig schnelle Regionalzüge rollen – im Stundentakt, auf der Strecke Uelzen-Magdeburg-Barby-Leipzig.

Dass die Elbbrücke eine bedeutende Landmarke ist, unter Denkmalschutz steht und sogar für Fahrradtouristen eine wichtige Rolle spielt, sind für Krebs weitere gute Gründe, die Tätigkeit seiner Initiative fortzusetzen. Dann kann die Begeisterung über die aktuelle Entscheidung der Bahn wohl auch in Zukunft erhalten bleiben.

Rundgang Güterglück: Vom Knotenbahnhof zum Lost Place

Der Bahnhof Güterglück soll umgebaut und auf einen Bahnsteig reduziert werden. Dann ist von dem einst wichtigen Bahnknoten nicht mehr viel übrig. Eine letzte Spurensuche vorm großen Umbau.

Ein Schild weist darauf hin, dass der Durchgang verboten ist, im Hintergrund ein dreigeschossiges Bahnhofsgebäude.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Güterglück ist in die Jahre gekommen. Der dreigeschossige Bau zeugt aber noch von der einstigen Bedeutung der Station. Bildrechte: MDR/André Plaul
Ein Schild weist darauf hin, dass der Durchgang verboten ist, im Hintergrund ein dreigeschossiges Bahnhofsgebäude.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Güterglück ist in die Jahre gekommen. Der dreigeschossige Bau zeugt aber noch von der einstigen Bedeutung der Station. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick in einen maroden Personentunnel, an den Wänden Graffitis, auf dem Boden Dreck und Wasserflecken.
Der Personentunnel verbindet bislang den Hausbahnsteig mit dem Gleis 2 in Richtung Magdeburg. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick die Treppe hinab in einen Personentunnel, durch die Fenster ragen Pflanzen.
Graffiti, feuchte Wände und Unrat haben dem Tunnel aber zugesetzt. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick aus einem Tunnel hinaus auf ein Bahnsteigdach mit rostigen Trägern.
Regelmäßige Prüfungen belegten stets die Standsicherheit des Tunnels, auch wenn an einigen Stellen bereits der Putz abgebröckelt ist und Fliesen abgefallen sind. Weiteres Problem: Durch die Treppen an beiden Enden des Personentunnels war der Bahnhof Güterglück bis zuletzt nicht barrierefrei. Bildrechte: MDR/André Plaul
Ein Bahnsteig mit gemauertem Wartehäuschen, dessen Fenster mit Brettern vernagelt sind.
Auch der Bahnsteig 2 war bis zuletzt wenig ansehnlich. Der Unterstand wurde regelmäßig Opfer von Vandalismus. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blasser Schriftzug „Güterglück“ unter der Dachkante eines Bahnhofsgebäudes.
Zeuge der Vergangenheit: Der Schriftzug "Güterglück" oberhalb des Lastenaufzugs zum früheren zweiten Hausbahnsteig ist längst verblasst. Bildrechte: MDR/André Plaul
Rostige Gleise, umgeben von Bäumen und Sträuchern, führen zum Horizont, im Vordergrund ein Schild, das auf Tempo 100 hinweist
In Güterglück kreuzte einst die Strecke Güsten-Berlin ("Kanonenbahn") die Trasse Magdeburg-Dessau. So gab es zwei obere und zwei untere Bahnsteige. Mittlerweile wurden diese Gleisanlagen jedoch abgebaut. Bildrechte: MDR/André Plaul
Entlang einer elektrifizierten Bahnstrecke führt eine Treppe mit rostigem Geländer eine Mauer hinauf.
2011 wurde die Brücke mit den Ost-West-Gleisen abgebaut, die Verbindung damit gekappt. Der Treppenaufgang vom Bahnsteig 2 zu den oberen Bahnsteigen 3 und 4 wurde schon lange vorher abgesperrt und sich selbst überlassen. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick auf einen alten holzumschalten Lastenaufzug an einem dreigeschossigen Bahnhofsgebäude.
Vom ersten Stock des Bahnhofsgebäudes führte ein Ausgang zum oberen Hausbahnsteig von Güterglück. Dort fuhren bis 2003 die Züge in Richtung Belzig und Berlin ab, vom Mittelbahnsteig in Richtung Barby und Magdeburg. Bildrechte: MDR/André Plaul
An einem Dach hängt ein blau-weißes Hinweisschild, ein Pfeil weist den Weg zu Gleis 2.
Das Hinweisschild am Personentunnel zeigt: Einst ging es vom Bahnsteig 2 noch weiter – per Treppe zu den Bahnsteigen 3 und 4. Bildrechte: MDR/André Plaul
Entlang eines gepflasterten Bahnsteigs führt eine zweigleisige elektrifizierte Bahnstrecke.
Zunächst war geplant (Stand Mai 2018), alle Regionalbahnen zwischen Magdeburg und Dessau nur noch am Hausbahnsteig 1 halten zu lassen und den Bahnsteig 2 aufzugeben. Derzeit (Stand Juni 2019) werden wieder beide Bahnsteige genutzt.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02.05.2018 | 05:30 Uhr
Bildrechte: MDR/André Plaul
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MDR/Gero Hirschelmann, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Juni 2021 | 08:30 Uhr

3 Kommentare

Dab vor 16 Wochen

Da ja das Land Sachsen-Anhalt,der Entwidmung des Strecken Abschnitts Güterglück-Barby zu gestimmt hat.Mit Unterzeichnung vom MP und der zuständigen Minister.Konnten die Bahnanlagen zurück gebaut werden.Jetzt muß auch geprüft werden ob der jetzige Eigentümer verkaufen möchte und es keine seltenen Tiere und Pflanzen dort gibt.Da liegt das Ziel,fertig bis 2030,mit Prüfung,Planung,Ausschreibung,(für ~7 km pro Fahrtrichtung)2 Gleisiger Neubau mit Oberleitung,Signale,Bahnübergäng und Sanierung der Elbebrücke sehr Ehrgeizig.Hier ist auch,die große Unbekannte,wie Reagieren die Umweltschützer bei diesem Projekt?

Realist62 vor 16 Wochen

Bei Vielen wäre bestimmt das Glück vollkommen, wenn die Abschnitte Güsten - Barby und Güterglück - Wiesenburg dazukämen.

jackblack vor 16 Wochen

10Jahre- wer es glaubt !!!!!

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