Biologischer Ernteschutz Statt Chemiekeule: Mit Drohne gegen Schädlinge

Marie-Kristin Landes
Bildrechte: MDR/Jacqueline Schulz

Der Maiszünsler ist ein kleiner Schmetterling – mit großer schädlicher Wirkung für die Landwirtschaft. Weil er sich immer mehr in Sachsen-Anhalt ausbreitet, testet die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Bernburg derzeit, wie der Schädling ohne Pestizide bekämpft werden kann.

Nahaufnahme einer Hand, die ein kleines durchsichtiges Plastikgefäß mit dem toten beigen Maiszünsler, ein Schmetterling, in die Kamera hält.
Der Maiszünsler ist ein kleiner Schmetterling, der großen Schaden auf Maisfeldern anrichtet. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Er ist gerade einmal zwei Zentimeter lang und auf den ersten Blick ein unscheinbarer Schmetterling. Doch der Maiszünsler, der sich seit 2006 von Süddeutschland aus immer mehr verbreitet, bereitet Landwirten großen Ärger. Oder vielmehr, seine Larven. "Die Larven bohren sich in den Stengel ein, wandern dann abwärts und können dadurch den Stengel schädigen. Die Maispflanze wird instabil und kippt um", erklärt Kristin Schwabe von der Landesanstalt für Landwirtsschaft und Gartenbau in Bernburg. Auch können über die Bohrlöcher der Larven Pilze eindringen, die den Mais zusätzlich schädigen.

Um das zu verhindern, können Pestizide eingesetzt werden. Wenn die Maiszünsler von Mai bis Juli aus ihren Puppen schlüpfen, wird so verhindert, dass sie sich paaren und neue Eier ablegen. Die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenanbau testet derzeit auf einem Feld bei Neugattersleben eine andere, umweltfreundlichere Methode. Sie lässt per Drohne sogenannte Trichogramma-Schlupfwespen abwerfen.

Schlupfwespen statt Pestizide

Zwei Hände halten eine geöffnete kleine weiße Kugel in die Kamera, in der viele als winzige braune Punkte Schlupfwespen zu erkennen sind.
In einer Kugel befinden sich knapp 2.000 Larven der Schlupfwespe. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Sie gehören, genau wie Marienkäfer oder Raubwanzen, zu den natürlichen Feinden des Maiszünslers. Nur kommen sie in der freien Natur selten vor. Gerade einmal 0,4 Millimeter sind die Schlupfwespenlarven groß. Knapp 2.000 Stück befinden sich davon in einer einzigen, aus kompostierbarer Zellulose bestehenden Kugel, die von der Drohne abgeworfen wird.

"Diese Trichogramma-Schlupfwespe kriecht heraus, sucht die Eigelege vom Maiszünsler und parasitiert die. Und damit erwachsen aus dem Eigelege keine Schädlinge mehr, sondern wieder Schlupfwespen", sagt Axel Weckschmied, der als einer von wenigen in ganz Deutschland diese Art der biologischen Schädlingsbekämpfung anbietet.

Die Schlupfwespen selbst sind nach seinen Worten ungefährlich. Finden sie keine Nahrung mehr – sind also keine Maiszünsler-Eier mehr vorhanden –, sterben sie.

Ein Mann in weißem T-Shirt und mit dunkler Sonnenbrille hebt auf einem Maisfeld seinen Arm, um einen anfliegenden Quadrocopter zu fangen.
Axel Weckschmied beim Abfangen seiner Drohne, die mit Kugeln gefüllt ist Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Ein Test für die Zukunft

Für den Test in Neugattersleben hat Kristin Schwabe von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau das Maisfeld in drei Parzellen unterteilt. Eine davon wird während der Testzeit zweimalig, eine einmalig und eine gar nicht mit Schlupfwespen behandelt. "Wir möchten schauen: Lohnt sich der einmalige Einsatz oder muss man zweimalig hier den Flug durchführen? Wir schauen auch auf die Rentabilität, auf die Wirtschaftlichkeit des Trichogramma-Einsatzes und wir möchten Landwirten zeigen: Es gibt Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz", so Kristin Schwabe. Für eine fundierte Aussage muss der Test jedoch mindestens drei Jahre lang laufen.

Ein Mann mit Schnurrbart, weißem Cap und dunkler Weste steht vor einem Kornfeld.
Landwirt Jörg Frisch interessiert sich für biologische Schädlingsbekämpfung. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Landwirt Jörg Frisch, dem das Maisfeld gehört, ist auf jeden Fall schon jetzt interessiert. Der Wespen-Abwurf aus der Luft sieht nämlich nicht nur spannend aus, er hat auch Vorteile: "Aus ökonomischen Gründen macht es keinen Sinn, mit einem Schlepper durchzufahren und eine Zünslerbekämpfung zu machen. Ich hätte ungefähr einen Totalschaden auf fünfzehn Prozent der Fläche. Der zweite Aspekt ist ein bisschen aus ökologischer Sicht: Weil die Zukunft uns eine veränderte Pflanzenschutzsituation bringt und man schon mal ein bisschen üben muss."

Kein Allheilmittel

Porträtaufnahme einer jungen Frau mit schulterlangen, dunkelblonden Haaren in weißem T-Shirt steht vor einem Maisfeld.
Kristin Schwabe leitet den Testversuch in Neugattersleben. Bildrechte: MDR/Marie-Kristin Landes

Mit Schlupfwespen allein lässt sich der Maiszünsler jedoch nicht bekämpfen. Denn dass es immer mehr von ihm auch in Sachsen-Anhalt gibt, hat verschiedene Gründe. Einerseits sorge das immer wärmere Klima für optimale Entwicklungsbedingungen der Larven, erklärt Schwabe. Andererseits habe sich die Anbaufläche für Mais in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. "Und ein anderes Problem ist auch, dass einige Landwirte, die den Zünsler schon seit vielen Jahren haben, die einfachsten Hygienemaßnahmen, wie ein tiefer Schnitt zur Ernte und eine gute Zerkleinerung der Stoppel, nicht konsequent einhalten", sagt Kristin Schwabe.

Das sei zeitaufwendig und verursache zusätzliche Kosten. Um langfristig große Maisschäden zu verhindern, ist also ein Zusammenspiel aus verschiedenen Maßnahmen nötig. Auch dafür will die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau mit ihrem Trichogramm-Test werben.

Marie-Kristin Landes
Bildrechte: MDR/Jacqueline Schulz

Über die Autorin Marie-Kristin Landes ist in Dessau-Roßlau geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es sie für ein Politikstudium erst nach Dresden, dann für den Master Journalistik nach Leipzig. Praktische Erfahrungen sammelte sie bei der Sächsischen Zeitung, dem ZDF-Auslandsstudio Wien und als freie Mitarbeiterin für das Onlineradio detektor.fm. Nach ihrem Volontariat beim Mitteldeutschen Rundfunk arbeitet sie jetzt vor allem für MDR Kultur und das Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt. Wenn sie nicht gerade für den MDR unterwegs ist, ist sie am liebsten einfach draußen. Zwischen Meer oder Berge kann sie sich dabei genauso wenig wie zwischen Hund oder Katze entscheiden.

Quelle: MDR/mkl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Juli 2019 | 19:00 Uhr

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