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Hausarzt Robin John wird aus seiner Praxis in Schönebeck zugeschaltet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt noch NeulandDigitale Arztbesuche: Videosprechstunden bislang kaum genutzt

von Karin Roxer und Heiko Kunzmann, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 21. März 2022, 20:03 Uhr

Videosprechstunden: Vor kurzem für viele noch ein Fremdwort. Seit Beginn der Corona-Krise aber ändert sich das. Denn mithilfe der Telemedizin müssen Patienten nicht persönlich zum Arzt. Gerade auf dem Lande könnte die digitale Technik auch lange Wege verkürzen. Bislang aber bieten in Sachsen-Anhalt nur wenige Ärzte Videosprechstunden an.

Michael Pietschker plagen Rückenprobleme, als er die Praxis in Groß Rosenburg im Salzlandkreis aufsucht. Der Hausarzt ist nicht da – doch Schwester Anja führt den Ortsbürgermeister an einen Computer im Nebenraum. Sie startet eine Software und erklärt ihm, mit welchen Klicks er weitermachen soll: "Dann öffnet sich das virtuelle Wartezimmer, und wenn ein Anrufsymbol auf dem Bildschirm erscheint, ist der Doktor da." Kurz darauf öffnet sich ein Fenster für den Videochat: Hausarzt Robin John grüßt aus seiner Stammpraxis in Schönebeck und erkundigt sich, was dem Patienten fehlt.

"Vielen ist das Arztgespräch wichtig"

John bietet die Videosprechstunde seit etwa einem Vierteljahr für die Patienten in Groß Rosenburg an. "Am Anfang war das etwas komisch für alle Beteiligten. Aber es wird zunehmend Alltag. Und die Patienten finden es gut, dass sie mich direkt erreichen können." Schwester Anja, die als Versorgungsassistentin auch bei Patienten zu Hause vorbeifährt, hat die Software als App auf dem Smartphone. "So können die Patienten direkt mal mit dem Doktor reden, für viele ist das Arztgespräch einfach wichtig."

Videosprechstunden werden höher vergütet 

Erst wenige Hausärzte hierzulande nutzen dieses digitale Hilfsmittel: Laut BARMER registrierten die Krankenkassen in Sachsen-Anhalt 2017 acht, 2018 zwei und im ersten Halbjahr 2019 gar keine Videosprechstunden in den Abrechnungen. Warum ist das so? "Die Ärzte – und mit Blick auf die Wartezimmer ist das nachvollziehbar – sind meist ausgelastet", erklärt BARMER-Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann. Oft hätten sie noch keine konkreten Vorstellungen, wie sie Videosprechstunden anbieten können. Seit Beginn dieses Jahres werden diese Sprechzeiten für Ärzte höher vergütet. Und angesichts der Corona-Pandemie lägen die Vorteile der Telemedizin auf der Hand, so Wiedemann.

13 Regionen unterversorgt

In Groß Rosenburg mit seinen etwa 1.600 Einwohnern sind viele Ältere nicht mehr mobil, Busse fahren kaum. Doch zweimal pro Woche ist ein Arzt in der Praxis. Damit hat der Ort im Vergleich zu anderen ländlichen Gemeinden Glück: Mittlerweile gibt es laut Kassenärztlicher Vereinigung in Sachsen-Anhalt 13 Regionen, denen in Sachen Hausarzt eine Unterversorgung droht. Insgesamt 295 Hausarztstellen sind landesweit besetzbar – so viele Praxen suchen also einen Arzt.

Den Dörfern mangelt es zu oft auch an schnellem Internet – das Voraussetzung für die Videosprechstunde ist. Und noch eins sollte man wissen: Die digitale Sprechstunde bringt für den Arzt keine Ersparnis, sagt Allgemeinmediziner Robin John: "Durch die Videosprechstunde wird der Arztmangel in keiner Weise kompensiert, weil die Zeit, die der Arzt mit dem Patienten spricht, ist genau die gleiche – nur eben über Video."

Für Michael Pietschker als Patient war die Videosprechstunde Premiere. Der Hausarzt konnte ihm helfen, für die nächsten Tage ist ein Kontrolltermin vereinbart. "Gut, dass es solche Technik nun gibt. Man muss eben auch das Vertrauen haben, sonst hat man keinen Fortschritt."

Fünfteilige Serie zum Ärztemangel in Hörfunk und Fernsehen

Die Videosprechstunde ist nur ein Aspekt der medizinischen Versorgung auf dem Lande: Mit dem Thema befassen sich SACHSEN-ANHALT HEUTE und MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir in der Woche vom 13. bis 17. April. Berichtet wird unter anderem aus Tangerhütte, wo eine von Schließung bedrohte Augenarztpraxis geöffnet bleiben konnte. Zudem waren die Reporter in Ditfurt im Harz, wo es seit zehn Jahren keinen Hausarzt mehr gibt. Außerdem hat MDR SACHSEN-ANHALT in Oschersleben eine mobile Praxisassistentin auf ihren Hausbesuchen begleitet – sowie eine Osterburger Medizinstudentin, die nach der Ausbildung auf dem Lande arbeiten möchte.

Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. April 2020 | 19:00 Uhr

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