Smartphone und Tablet Wie die Feuerwehr in Aschersleben digitale Technik einsetzt

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Bei der Feuerwehr in Aschersleben geht nicht nur der Pieper, es klingeln auch die Smartphones. Auf dem Autos der Feuerwehr fahren auch Tablets mit – darauf gespeichert: Lagepläne und Infos zu Gebäuden. Die Technik ist zwar kein Standard: Sie kann aber helfen, wertvolle Zeit zu sparen.

Im Feuerwehrdepot, ganz vorn, steht ein alter Schreibtisch. Ein braunes Holz-Ungetüm mit Holzjalousien vor den Fächern und einem Pult-Aufbau. Florian Aschersleben, steht auf einem Schild. Der Schreibtisch könnte ein Museumsstück sein – wären da nicht Lautsprecherboxen eingebaut. Und ein Funkgerät. Und Hörer mit Strippe.

Über Jahrzehnte ist der Arbeitsplatz immer wieder modernisiert worden, umgebaut und angepasst. Generationen von Kommunikationsgeräten haben dort schon gewohnt – und auch im hoch vernetzten Digital-Setup der Gegenwart hat das Feuerwehr-Möbel seinen Platz. Für Maus und Tastatur, zum Beispiel.

Ein riesiger Flachbildschirm hängt in einer Ecke des Raumes. Darauf: Eine Karte – rote und gelbe Markierungen. Die Informationsoberfläche eines Computerprogramms für Rettungsdienste oder Feuerwehr. Divera247 heißt die Software.

Feuerwehr mit Smartphones für den Einsatz

Wenn ein Alarm aufläuft, dann gehen bei den Feuerwehrleuten nicht nur die Pieper sondern auch die Smartphones. Auf den Bildschirmen im Feuerwehrdepot und auf dem Smartphone kann Wehrleiter René Knoblauch sehen, wer gleich zum Einsatz kommt. Und welche Qualifikationen die Feuerwehrleute haben. Das hilft dem Einsatzleiter, Fahrzeuge effizient zu besetzen – und spart letztlich Zeit.

"Ich kann hier schon mal die Fahrzeuge vorplanen. Und ich weiß, welche Fahrzeuge können noch nachrücken", sagt Ascherslebens Ortswehrleiter René Knoblauch.

Die App zeigt außerdem an, wer schnell zum Einsatz kommen kann. Sie weiß, wer in der Nähe ist. Die Freiwilligen Feuerwehrleute können sich außerdem per Smartphone abmelden, wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht schnell einsatzbereit sind.

Das alles hilft, bei der Einsatzplanung. Und: Schnelle Information spart Zeit. Und die ist kostbar.

Scrollen geht schneller als Akten suchen

Bei Einsätzen haben die Feuerwehrleute außerdem Tablets dabei. Darauf sind Hydrantenlagepläne, Pläne von Gebäuden gespeichert und lassen sich schnell abrufen. "Was erwarten uns für Gefahren. Wie viele Leute sind dort? Wo sind die Angriffsflächen? Wo können wir uns bewegen?", sagt Wehrleiter René Knoblauch.

Solche Pläne hat die Feuerwehr dabei. Seit je her im Koffer oder in großen Kisten im Fahrzeug. Allerdings: Die großen Pläne, die vielen Akten, die sind unhandlich. "Es wird schwierig, sich das während der Fahrt herauszusuchen", so der Wehrleiter. Auf dem Tablet geht das einfacher, auch auf dem Beifahrersitz.

Mir als Einsatzleiter wachsen, weniger graue Haare. Ich war weiß auf der Anfahrt, was mich erwartet und kann dementsprechend auf der Anfahrt schon beim ersten Plan legen.

René Knoblauch Wehrleiter

Digitale Ausrüstung ist Frage des Geldes

Solche digitalen Einsatzhelfer haben nicht alle Feuerwehren im Einsatz. Das hänge von der Größe, den Möglichkeiten und vom Interesse der Wehren ab, so Kai-Uwe Lohse, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes. "Es gibt Feuerwehren, die sind da sehr stark engagiert, setzen die Systeme sehr viel ein", stellt er fest.

Allerdings sei das auch eine Frage des Geldes. Und was man in Sachsen-Anhalt nicht vergessen dürfe: "Es ist immer eine Sache der Netzabdeckung. Digitale Systeme sind oft online eingesetzt."

Die Feuerwehr in Aschersleben ist bei der Anschaffung der Technik unterstützt worden. Probleme mit der Internetverbindung gab es bislang auch nicht. Allerdings braucht die Technik Einarbeitung. "Man muss ja erst mal gucken wo muss ich klicken." Man sei sicherlich noch in der Erprobungsphase, sagt Ortswehrleiter René Knoblauch.

Letztlich können die digitalen Helfer aber dazu beitragen, wertvolle Zeit zu sparen – wenn im Einsatz jede Minute zählt. Die neue Technik ist ein Zusatz – zu Pieper und Aktenkoffer im Einsatzfahrzeug. Und der große Schreibtisch im Feuerwehrdepot – den benutzen sie hier ja auch. Er hat ein Upgrade bekommen. So wie die Informationstechnik der Feuerwehr.

MDR (Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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