Digitalpakt Schule Wie der digitale Schulalltag im Salzlandkreis gelingt

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Vor einem Jahr sind große Kisten in den Schulen in Sachsen-Anhalt angekommen. Darin: Laptops und Tablets für Schüler und Lehrer. Finanziert durch den Digitalpakt Schule. Dabei sind rund 30.000 Laptops für Schüler und 18.000 Dienstrechner für Lehrer. Nur ein Teil dessen, was geplant ist, um das Ende der "Kreidezeit" einzuläuten. Das Förderprogramm läuft noch. Die Infrastruktur einzurichten und zu betreiben, ist eine Herausforderung für die Schulträger.

Schüler arbeiten mit Tablet im Unterricht.
Digital lernen: Arbeit mit dem Laptop oder Tablet ist inzwischen Alltag an Schulen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Zahlen und Buchstaben rauschen auf den Monitoren von Laptops im Keller des landkreiseigenen Rechenzentrums in Bernburg durch. Der Raum mit seinen Monitoren, Steckdosen, Regalen, ist eine Tankstelle – eine Datentankstelle. Hier spielen die IT-Spezialisten des Fachdienstes "Informations- und Kommunikationstechnik" Software auf die Computer, passgenau für die Anwender.

"Ohne Automatisierung wäre so etwas im Zweifel nicht zu schaffen", sagt IT-Spezialist Stefan Jorde. Die Zeiten, in denen der Administrator noch mit CDs losgelaufen ist, die sind lange vorbei. Das wäre auch nicht machbar. Schon wegen der schieren Menge an Computern, an Nutzern, die von Bernburg aus betreut werden.

Zwei Männer stehen vor einer Reihe von Laptops sowie Monitoren und Tastaturen an einer Wand
In einem Raum im Rechenzentrums des Salzlandkreises steht eine Datentankstelle. Hier werden Computer automatisch eingerichtet. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

IT-Spezialisten über die Schulter geschaut

Den digitalen Alltag von etwa 12.000 Schülern und Lehrern verwalten die Mitarbeitenden hier. Dazu noch die Computertechnik der Kreisverwaltung und des Jobcenters. Im Prinzip läuft der Alltag des Fachdienstes wie in der IT-Abteilung eines großen Unternehmens. Es gibt eine Telefon-Hotline und einen Außendienst. Und der fährt raus, um Störungen zu beseitigen, Technik zu warten oder zu installieren. Kurz vor den Sommerferien auch in der Burgschule in Aschersleben.

Mann sitzt an Schreibtisch vor Computer.
Der Fachdienst Informations- und Kommunikationstechnik betreut die Computernetzwerke des Landkreises. Es gibt sogar eine eigene IT-Hotline. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

In Klassenräumen wird neue Projektionstechnik installiert: Beamer und Lautsprecherboxen, interaktive Tafeln. Und im Keller verlegen die Techniker fein säuberlich bündelweise Datenleitungen. "Wir haben hier an der Burgschule knapp fünf Kilometer Kabel in der Wand gehabt", sagt Stefan Jorde. "Mit dem Digitalpakt werden wir das um noch einmal weitere fünf Kilometer ergänzen, um auch wirklich jeden Klassenraum zu erschließen."

Millionenförderung durch Digitalpakt

Aufgerüstet wird landesweit, denn damit die digitalen Endgeräte im Schulbetrieb funktionieren, müssen viele Schulgebäude modernisiert werden. Kabel W-LAN, schnelles Internet, Geräte. Sachsen-Anhalt profitiert mit insgesamt rund 179 Millionen Euro vom Digitalpakt. Das Förderprogramm läuft bis 2024.

Die Förderung stößt auf reges Interesse. Bis Ende Juli lagen dem Landesverwaltungsamt 851 Anträge vor. Rund 30.000 Laptops und Tablets für Schülerinnen und Schüler und rund 18.000 Dienstrechner für Lehrer sind schon seit etwa einem Jahr da.

Serverraum
Server des Salzlandkreises Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Glasfaseranschluss an allen Schulen bis Ende 2022

Die Infrastruktur für den digitalen Schulalltag zu schaffen, mit schnellem Internet in den Schulhäusern, ist eine Herausforderung. Aus dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales hieß es: Ende Juni dieses Jahres seien 664 Schulstandorte online gewesen. 75 Prozent hätten über einen Internetanschluss mit 1GBit/s Downstream verfügt. Das Ministerium ginge davon aus, sämtliche Schulstandorte bis Ende dieses Jahres mit schnellen Glasfaseranschlüssen versorgt zu haben. Es gibt also noch einiges zu tun.

Der Salzlandkreis hatte schon 2013, also lange vor dem Förderprogramm, damit begonnen, seine Schul-IT systematisch auszubauen. W-Lan an Schulen und Netzwerke einzurichten sowie eine Infrastruktur für Lehrer und Schüler zu schaffen. "IT macht Schule", so der Titel des Vorhabens. Seinerzeit ein ambitioniertes Projekt, an dem es damals auch Kritik gab. Die Umstellung im Schulalltag, die war groß, als im Landkreis damit begonnen wurde, die Technik in den Computerkabinetten, Schulcomputer zentral zu verwalten.

"Jedem Schüler steht ein Endgerät zur Verfügung"

Porträt eines Mannes vor einem roten Haus
Stefan Jorde, Informatiker im Fachdienst Informations- und Kommunikationstechnik Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Die langfristigen Überlegungen sind heute ein Vorteil: Der Landkreis war vorbereitet. Das Geld, die Geräte aus dem Digitalpakt, das ist jetzt noch einmal ein Schub. "Dass wir sagen: Wir sind in jedem Klassenraum mit W-Lan, wir sind in jedem Klassenraum mit Präsentations- und mit Projektionstechnik und es steht jedem Schüler, der mit Endgeräten arbeiten möchte, auch in irgendeiner Form ein Endgerät zur Verfügung", erklärt Stefan Jorde.

Die Laptops, Tablets, Projektionstechnik zu betreuen, dafür braucht es Ansprechpartner für Lehrer wie Janine Freitag: "Natürlich können wir uns auch selbst helfen, aber da reden wir davon, den Beamer noch mal neu zu starten." Zeitlich sei es im Alltag absolut nicht möglich, sich auch noch mit der Technik zu beschäftigen. Software, die Informationsplattform für die Schule – das müsse gewartet und bedient werden. Mit der Infrastruktur und den Abläufen, die der Salzlandkreis geschaffen hat, können sich die Lehrer auf den Unterricht konzentrieren. Und die IT-Spezialisten auf die Technik.

Die neuen Kabel, die hier in der Sekundarschule in Aschersleben durch die Wände gezogen werden, sollen rund 25 Jahre halten. Laptops, die jetzt angeschafft wurden, vielleicht fünf. "Danach gilt es, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, dass es nahtlos weitergehen kann", sagt Stefan Jorde noch.

Das Ende der Kreidezeit im Klassenzimmer, das ist kein Meilenstein, sondern eine Daueraufgabe.

MDR (Anne Gehn-Zeller)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. Juli 2022 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Arthur vor 27 Wochen

Im Internet gibt es Einfaches (primitives) und auch sehr gutes zu sehen. Schon mal einen Vortrag von Prof . M. Spitzer angeschaut? Oder von Patric Heinzmann über Ernährung? Macht richtig Spaß. Oder von Prof Spitz über Vitamin D? Auch Hava Nagila gesungen in Jednego Serca Jednego Ducha 2010 gefällt mir sehr gut. Es gibt auch gutes im Internet.

DanielSBK vor 27 Wochen

Solche Vorträge kann man sich sparen - da die "Kids" eh 24/7 im Internet hängen und buchstäblich eine Matschbirne von TikTok & Co bekommen. Gute Nacht Deutschland.

DanielSBK vor 27 Wochen

Ne' Haufen Geld wird da rausgeschmissen und trotzdem ist Deutschland auf den Allerletzten Plätzen bei PISA & Co. Abgehängt von Rumänien.
Und die Kinder aus Hartz4 Familien haben doch auch schon 500€ Fördergeld für häuslichen Unterricht bzw. Laptops bekommen...(="Home-Schooling")
Wo sind da überhaupt die ganzen Geräte? Hat das irgendwas verbessert?! Sind die jetzt alle Mathegenies oder MINT Experten geworden... Welche Lehrer sollen das eigentlich auch alles "bedienen". Erst kürzlich erzählte mir eine Bekannte, dass die alten Lehrer nicht mal ne' eMail Adresse haben. Deutschland hat sich abgeschafft. Der Artikel lenkt auch nur von der Gas- und Heizkrise ab. Diesen Winter können die Kinder ja im Werkunterricht das stricken mit Wolle lernen. Das wäre was praktisches und warme Kleidung ist immer gut.

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