Übung für den Ernstfall Salzlandkreis: 24-Stunden-Dienst mit der Jugendfeuerwehr

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Mit Blaulicht und Martinshorn durchs Dorf zum Einsatz fahren. Feuer löschen, einen Verkehrsunfall absichern, kranke Menschen retten, ein Tier vom Baum holen. Die Jugendfeuerwehr im Ascherslebener Ortsteil Drohndorf hat 24 Stunden Übungs-Dienst geschoben. Von Samstag, 11 Uhr bis Sonntag, 11 Uhr. Ein Dienst mit gestellten Einsätzen, die sich aber ziemlich echt angefühlt haben. Eine Chronologie.

Einsatzübung Jugendfeuerwehr Drohndorf
Drohndorf hat weniger als 500 Einwohner, aber allein die Jugendfeuerwehr hat 19 Mitglieder. Bildrechte: Tom Gräbe, MDR

10:30 Uhr – Ankommen

Kleine Menschen mit großen Taschen kommen in der Vormittagssonne zum Depot. Was sie genau erwartet, das wissen die Kinder und Jugendlichen noch nicht. Nur so viel: Sie verbringen einen Tag und eine Nacht hier im Gerätehaus. Schulungen stehen auf dem Plan. Und Einsätze. Jugendwart Kevin Bierstedt hat den Einsatzplan schon – der wird aber nicht verraten. Alle Drohndorfer hatten Zettel in ihren Briefkästen: Um die Nachbarn vorzuwarnen, dass die Einsätze nur eine Übung für den Nachwuchs sind.

11:45 Uhr – Putzen

Die Begrüßung war freundlich, aber bestimmt. Der Zeitplan für die nächsten 24 Stunden wird besprochen. Die Mannschaften werden auf die Fahrzeuge aufgeteilt: wer wann wo im Löschfahrzeug oder im Mannschaftstransportfahrzeug sitzt. Schließlich haben sie hier noch einiges zu tun. Alles, was sonst auch anfallen würde, während eines ganz normalen Dienstes, bei der Berufsfeuerwehr. Darum geht es dem Jugendwart und seinem Team: Die Kinder sollen den Alltag kennenlernen, so wie er bei einer Berufsfeuerwehr sein könnte.

Zuerst steht Putzen auf dem Plan. Eines fällt auf: Es gibt hier kein Murren, keine Diskussion, alle packen mit an und sind, so wirkt es, mit Spaß bei der Sache.

Einsatzübung Jugendfeuerwehr Drohndorf
Bei mehreren Übungen haben jugendliche Feuerwehrleute einen Tag lang den Ernstfall geprobt. Bildrechte: Tom Gräbe, MDR

13:01 Uhr – der erste Einsatz

Das Mittagessen steht noch auf dem Tisch, als der Alarm losgeht. Die Handys der Feuerwehrleute piepen. Auf dem Dach des Feuerwehrdepots geht die Sirene. Plötzlich: hektische Betriebsamkeit. Schnell gehen, aber nicht rennen, war vorhin die Ansage. Einsatzkleidung anziehen, ins Auto steigen. Einsatzsstichwort: Tragehilfe.

Eine Person liegt im Gemeindehaus. Die jungen Feuerwehrleute sollen sie bergen. Im normalen Feuerwehralltag Routine. Für den Feuerwehrnachwuchs aber ist das aufregend. Die Handgriffe sitzen dennoch. Ein wenig mussten sie sich sammeln ... aber am Ende weiß jeder, was er zu tun hat. Jugendwart Kevin Bierstedt ist stolz auf die Gruppe. Den ersten Einsatz haben sie gemeistert.

14:00 Uhr – Fahrzeug- und Gerätkunde

Routine ist wichtig bei der Feuerwehr, gerade bei der Freiwilligen Feuerwehr, also denjenigen, die im Ehrenamt retten, bergen, löschen. Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, braucht es immer wieder Übung. Fahrzeug- und Gerätekunde und ein Fach namens Knotenkunde stehen für die Kinder und Jugendlichen auf dem Plan.

01:30 Uhr – Nachtruhe

Ruhig liegt das Feuerwehrwehrdepot mitten im Ort. Nach dem Abendessen war die Jugendfeuerwehr erneut im Einsatz: Bei einem Verkehrsunfall wurde ein Radfahrer verletzt. Jetzt aber schlafen die kleinen Feuerwehrleute. Jugendwart Kevin Bierstedt sitzt im Büro. Er ist froh, dass die Kinder im Bett liegen. "Ich bin glücklich, dass sie jetzt schlafen.", sagt er. Bei den Einsätzen haben die Kinder viel gelernt, die Abläufe sitzen. Langsam scheint sich sich Routine einzustellen. Gleich aber ist die Ruhe vorbei.

2:11 Uhr – Brand am Dorf

Der Pieper geht los. "Einsatz, Einsatz", murmelt der verschlafene Feuerwehrnachwuchs. Ein wenig zerknorkelt sehen die Kinder aus. Trotzdem geht es schnellen Schrittes Richtung Umkleide. Nur Augenblicke später rücken Lösch- und Mannschaftsfahrzeug aus. Nur mit Blaulicht. Ohne Martinshorn.

Im Dorf schlagen meterhohe Flammen aus einem Container. Zu zweit halten kleine Feuerwehrleute große Schläuche. Die Kinder wissen, was sie tun. Pumpe aufbauen, Schlauch ausrollen, die Düse des Strahlrohres einstellen, das können sie schon. Aber, anstrengend ist das alles. Nach wenigen Minuten steigt nur noch eine weiße Wasserdampfwolke in den Nachthimmel. Der wird erleuchtet von Blaulicht. Und die Kinder sehen müde aus, aber glücklich.

Jugendfeuerwehrleute im Einsatz
Brand am Sportplatz: Die Kinder wissen, was sie tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

8:47 Uhr – Tierrettung

Am Dorfgemeinschaftshaus hat sich ein riesiger Plüschhund auf einen Baum verirrt. Kleine Feuerwehrmänner mit orange-roten Helmen stellen eine Riesen-Leiter an den Baum. Kurze Zeit später ist das Plüschtier wieder unten. Tierrettung: Auch das gehört zum Alltag von Feuerwehrleuten. Ins Tierheim muss der Plüschhund nicht. Ihm reicht der Kofferraum.

Am Montag werden die Kinder in der Schule viel zu erzählen haben. Davon, wie es sich anfühlt, nachts mit Blaulicht zum Einsatz zu fahren. Wie wichtig es ist, sich auf ein Team verlassen zu können. Und wie es überhaupt ist, bei der Feuerwehr.

Gebäude
24 Stunden haben die jugendlichen Retter im Feuerwehreinsatz verbracht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Drohndorf ist übrigens fast schon ein Feuerwehrdorf. Weniger als 500 Einwohner hat der Aschersleber Ortsteil, 19 Mitglieder zählt allein die Jugendfeuerwehr. Dazu kommt die Kinderfeuerwehr. 34 aktive Feuerwehrleute sind im Einsatz, heißt es hier im Depot. Die Feuerwehr, die gehört zum Dorf. Und die jungen Feuerwehrleute, die haben zwar noch etwas Zeit, bis zu ihrem ersten richtigen Einsatz. Vorbereitet aber sind sie. Das haben sie beim 24-Stunden-Dienst gezeigt.

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT - als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

MDR/Tom Gräbe, Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

August vor 5 Wochen

Das Retten von Menschenleben und die Brandbekämpfung im Ortsverband der Grundgedanke. Viele der Einsätze haben sich auf die Straße verlagert wo es oft nur noch um das Bergen von Überlebenden und Toten geht und das nach Unfällen die Seelisch ihre Spuren hinterlassen.
Dort stößt die ''Freiwilligkeit'' an Professionelle Grenzen wo eine Berufliche Ausbildung und Eignung unabdinglich ist. Langfristig wird nur eine Entlohnung und Berufliche Kariere und der Zusammenschluss kleinerer Wehren eine Einsatzbereitschaft erhalten.

Mehr aus Salzlandkreis, Magdeburg, Börde und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt