Kraniche und Schwäne Vogelbeobachtung im Feuchtbiotop Frose

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Das Feuchtbiotop bei Frose in der Stadt Seeland ist Rückzugsort und Brutzone für viele Vogelarten. Flache Wasserflächen, schlammige Areale und Schilf bilden ein Mosaik aus kleinen Lebensräumen. Ein Paradies für Vögel – und diejenigen, die sie beobachten. Unser Reporter ist früh am Morgen hingefahren und hat ein beeindruckendes Naturschauspiel erlebt.

Ein Mann mit Kamera steht auf einem Aussichtsturm.
Früh aufstehen lohnt sich für Ornithologen wie Uwe Nielitz. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Langsam schieben sich die ersten Sonnenstrahlen durch den Morgennebel, aus dem Dunst schauen knorrige Bäume und Äste, der Blick wird frei auf Schilf, auf Wasserflächen. Die Landschaft: getaucht in erdige Ockertöne. Die Szenerie: wie gemalt. Und in der Luft liegt vielstimmiger Gesang.

"Der Mai ist der Wonnemonat des Ornithologen", sagt Uwe Nielitz. Mit ihm bin ich verabredet: um 6:15 Uhr am Beobachtungsturm. Der Ornithologe ist häufig unterwegs, wenn der Tag erwacht. Der frühe Morgen ist die beste Zeit, um das Leben hier auf den Bäumen und im Schilf zu beobachten. Dabei hat er ein Fernglas und einen Fotoapparat mit großem Objektiv. Gerade schallt aufgeregtes Geplapper herüber. Brutablösung bei den Kranichen, sagt er.

Vor 15 Jahren war hier noch Feld

Langsam verzieht sich der Nebel. Das Licht wechselt. Die Sonne kommt heraus. Aus fahlem Licht wird strahlender Sonnenschein. Etwa 75 Hektar groß ist das Areal, das Feuchtbiotop bei Frose in der Stadt Seeland. Vor rund 15 Jahren wuchs hier noch Raps. Lange wurde nebenan Braunkohle abgebaut. Das ehemalige Tagebau-Restloch ist heute der Concordia-See.

Mit der Flutung ist auch der Grundwasserspiegel gestiegen und auf den Äckern bei Frose haben sich Tümpel gebildet. Das Feuchtgebiet ist entstanden. Das Wasser steigt und fällt. Ein riesiges Mosaik an kleinen Lebensräumen, die sich ständig verändern. "Dieser ständige Wechsel, das ist eben das, was dieses Gebiet so wertvoll macht", sagt Uwe Nielitz.

Hier hat sich die Natur ein Stück Acker zurückgeholt.

Uwe Nielitz Ornithologe

Und mit dem Wasser kamen die Vögel. Knapp 100 Arten sollen hier brüten. Eine Vielfalt, die selten zu finden ist. "Unsere Landschaft ist monoton geworden", sagt Nielitz. Dadurch sei auch die Artenvielfalt rapide gesunken. Gerade in der offenen Landschaft. "Hier hat sich die Natur ein Stück Acker zurückgeholt", so der Ornithologe.

Brüten, Zwitschern, Davonfliegen

Nach dem schneereichen Winter und dem feuchten Frühjahr ist viel los im Feuchtbiotop Zuckerbusch in Frose. Neue Wasserflächen und schlammige Areale sind Lebensraum und Brutzone für viele, auch seltene, Vögel.

Seeland Frose Ornithologe Vogel Vogelbeobachtung
Das Feuchtgebiet bei Frose in der Stadt Seeland ist Brutzone und Rückzugsort für viele Vogelarten. Bildrechte: Uwe Nielitz
Seeland Frose Ornithologe Vogel Vogelbeobachtung
Das Feuchtgebiet bei Frose in der Stadt Seeland ist Brutzone und Rückzugsort für viele Vogelarten. Bildrechte: Uwe Nielitz
Ein Kranich im Schilf
Kraniche lassen sich hier beobachten. Bildrechte: Uwe Nielitz
Seeland Frose Ornithologe Vogel Vogelbeobachtung
Auch Schwäne leben in dem Feuchtgebiet. Bildrechte: Uwe Nielitz
Sonnenaufgang mit Nebel
Zum Sonnenaufgang ist die beste Zeit, das Treiben im Schilf, auf den Bäumen und an den Tümpeln zu beobachten. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Schilf im Morgenlicht
Im Morgenlicht präsentiert sich das Feuchtgebiet als märchenhafte Kulisse für die Vögel. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Morgenstimmung mit Nebel
Die Morgenstimmung lässt magische Bilder entstehen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Ein Mann mit Kamera steht auf einem Aussichtsturm.
Die Stiftung Pro Artenvielfalt hat einen Beobachtungsturm auf dem Gelände errichten lassen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Biotop aus Wasser und Schilf, im Hintergrund Windräder
Das Feuchtgebiet unweit von Frose ist entstanden, weil der Grundwasserspiegel gestiegen ist. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Seeland Frose Ornithologe Vogel Vogelbeobachtung
Das Feuchtgebiet bietet vielen Vogelarten eine Heimat. Bildrechte: Uwe Nielitz
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Beobachtungsturm mit Rundum-Blick

Als die Äcker hier immer feuchter wurden, haben sich er und ein paar andere Ornithologen aus der Gegend für Schutzmaßnahmen stark gemacht. Inzwischen hat die Stiftung Pro Artenvielfalt Flächen gekauft und den Beobachtungsturm gebaut. Und der ist so etwas wie die Loge mit Rundblick. Gerade frühmorgens und im Frühjahr ist hier ein Kommen und Gehen. Standardausrüstung der Ornithologen: Funktionskleidung und Fernglas.

Die Vögel seien an Menschen gewöhnt, so lange die auf dem Weg blieben, sagt Uwe Nielitz. "Man kann hier Natur pur erleben." Es pfeift, es zwitschert von den Bäumen und aus dem hohen Schilf. Schwäne, Kraniche. Den Kuckuck, den erkenne ich am Ruf. Das Schnattern der Enten, das kann ich auch zuordnen. Dann hört es auch schon auf. Uwe Nielitz aber hält zwischendurch immer wieder kurz inne, hört ein Schnarren, Pfeifen oder Zwitschern – und weiß sofort, was da fliegt, sitzt oder brütet.

Vogelstimmen hören lernen

Man könne das eigentlich nur Stück für Stück lernen. Er empfiehlt: einfach im Garten anfangen. Beobachten, hören. "Es ist wie eine Sprache zu lernen." Stimme für Stimme. Dafür gibt es auch praktische Handy-Apps. Aber: Auch ohne, dass ich die Sprache der Vögel hier verstehe oder einzelne Stimmen wirklich zuordnen kann: Das geschäftige Treiben zu beobachten, die Vögel, die Farben der Natur, Pflanzen und Tiere zu entdecken, in dieser naturbelassenen Idylle, die hier vor uns liegt wie ein lebendiges Wimmelbild – dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT – als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Mai 2021 | 11:10 Uhr

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