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Archäologie"Deutsches Stonehenge": Wieder Ausgrabungen am Ringheiligtum Pömmelte

20. Juni 2024, 15:00 Uhr

Archäologen arbeiten derzeit wieder am Ringheiligtum Pömmelte im Salzlandkreis. Sie erhoffen sich von ihren Ausgrabungen neue Erkenntnisse über die Lebensweise der Menschen vor rund 5.000 Jahren.

Am Ringheiligtum Pömmelte im Salzlandkreis laufen noch bis Juli erneut Ausgrabungen. Das teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) mit. Ziel der Ausgrabungen im Nordosten und -westen des Ringelheiligtums ist es demnach, die Ritual- und Siedlungslandschaft des 3. Jahrtausends vor Christus komplett zu erfassen. Außerdem sei die Arbeit eine Ausbildungsgrabung für angehende geprüfte Grabungstechniker.

Ein Bagger verschließt hinter den Pfählen des Ringheiligtums Pömmelte einen Bodenschnitt. Dort hatten Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt die Anschlussflächen im Nordosten und Nordwesten des Ringheiligtums untersucht. Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Laut Landesarchäologe Harald Meller haben im Ringheiligtum Pömmelte Menschen der Glockenbecher Kultur vor rund 4.400 Jahren in zigarrenförmigen Häusern gelebt. Bislang sind aus Mitteldeutschland nur von sechs weiteren Fundorten vergleichbare Gebäude bekannt. Dieser erst vor wenigen Jahren identifizierte Gebäudetyp gilt als Vorläufer der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Langhäuser. Am Ringheiligtum Pömmelte erstreckt sich mit 106 Gebäuden auch die größte Aunjetitzer Siedlung in Mitteleuropa. Der wichtigste Fund dieser frühbronzezeitlichen Kultur ist die Himmelsscheibe von Nebra.

Eine Projektion der Himmelsscheibe von Nebra ist im Sternensaal des Planetariums in Halle zu sehen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Ausgrabungen verraten mehr Essgewohnheiten der damaligen Menschen

Unter der Leitung von Franziska Knoll vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle entdeckten die Forscher dieses Jahr beim Ringheiligtum 78 Getreidesilos mit jeweils einer Tonne Fassungsvermögen. "Der Inhalt dieser Grubenbatterie konnte mühelos 780 Erwachsene ein Jahr lang ernähren", so Archäologin Grube. Die Analyse der Getreidekörner ergab, dass in den Silos vorwiegend Weizen, aber auch Gerste und Dinkel gelagert wurden.

Das Grabungfeld im Salzlandkreis nahe des Ringheiligtums: Dort konnten die Archäologen Vorratsgruben und ein Langhaus nachweisen. Das Langhaus soll zwischen 2400 und 2200 vor Christus errichtet worden sein. Damit wurde das Gebäude zur gleichen Zeit wie das Ringheiligtum gebaut. Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Laut Knochenfunden am Ringheiligtum wurden außerdem größtenteils Rinder gehalten und verzehrt. Allerdings fanden die Forschenden durch Knochenanalysen auch heraus, dass sich drei Personen damals fleischlos oder -arm ernährten. Aus Fettrückständen an Trinkgefäßen wurde außerdem deutlich, dass Milch eine zentrale Rolle in der Ernährung oder Bestattung der Glockenbacher Menschen spielte.

Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt hatten die Anschlussflächen im Nordosten und Nordwesten des Ringheiligtums untersucht, um die Ritual- und Siedlungslandschaft des 3. Jahrtausends vor Christus in Gänze zu erfassen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Berühmte Kreisanlage ist deutsches Stonehenge

Das Ringelheiligtum Pömmelte ist eine prähistorische Kreisanlage, die nach Angaben des LDA mindestens 300 Jahre lang als Kultstätte und eventuell als Machtzentrum der Elite diente. Sie wird von Archäologen auch das Deutsche Stonehenge genannt und besteht aus sieben ineinander liegenden Ringen: kreisförmig errichtete Holzpalisaden, Erdwälle und Gräben. Bereits 2018 und 2022 sei an der Anlage geforscht worden.

Die Ergebnisse der derzeitigen Ausgrabungen werden ab Sommer 2025 in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte gezeigt.

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MDR (cfr,ost)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT | 19. Juni 2024 | 06:00 Uhr

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