Schadstoffe im Fluss Altlasten: Der lange Weg zur sauberen Ehle in Egeln

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Die Aufregung war groß, als vor Jahren bekannt wurde: Die Ehle in Egeln im Salzlandkreis ist mit giftigen Chlorverbindungen belastet. Die Chemikalien stammen wahrscheinlich aus dem ehemaligen Alkaliwerk in Westeregeln. Die Behörden arbeiten an Konzepten für die Sanierung des Flüsschens. Mittlerweile werden die Pläne konkreter.

Baggerarbeiten an einer Wiese
Zurzeit wird die Ehle entkrautet. Eine Unterhaltungsmaßnahme. Die Arbeiten sind Routine. Die Umstände: besonders. Bildrechte: Tom Gräbe

In Egeln heißt die Ehle "Schäfergraben". Sie ist auch eher ein Graben als ein Fluss. Links und rechts Wiese, daneben Häuser und Gärten. Doch das Ufer und Ablagerungen des Flüsschens sind belastet mit giftigen Chlorverbindungen: PCB und PCN. Die Verbindungen wurden bei der Planung von Ausbaumaßnahmen festgestellt. Früher bekannt unter den Handelsnamen Orophen und Xylamon. Die Stoffe wurden vielseitig verwendet, beispielsweise in Holzschutzmitteln oder Anstrichen. Weil sie aber schwer abbaubar sind, sich in Fettzellen anreichern und schwere Gesundheitsschäden auslösen können, werden diese Stoffe schon lange nicht mehr eingesetzt.

Das Alkaliwerk gibt es nicht mehr

Nicht weit vom Schäfergraben stand früher das Alkaliwerk Westeregeln. Das Werk ist längst abgerissen. Die Chemieproduktion hat sich aber offenbar eingeschrieben ins Gedächtnis der Ehle – in Sediment und Boden. Ältere Anwohner berichten davon, dass sich das Wasser im Fluss vor Jahrzehnten teilweise weiß gefärbt hatte.

Solarmodule aufgereit in einem Solarpark
Wo früher das Alkaliwerk Westeregeln stand, befindet sich heute unter anderem ein Solarpark. Bildrechte: Tom Gräbe

Pflanzenwuchs trotz giftiger Ablagerungen

Pflanzen wachsen jetzt, im Herbst, üppig an der Ehle. Gerade sind Landschaftsgärtner am Ufer unterwegs. Sie entfernen Schilf und Kraut aus dem Bett des Grabens. Mit einem Bagger schneiden sie die Pflanzen ab, stapeln sie säuberlich am Rande des Flusses. Die Arbeiten sind Routine. Sie sollen verhindern, dass die Ehle zuwächst. Die Umstände sind allerdings besondere. Bevor zum Beispiel der Bagger wieder auf die Straße kommt, müssen die Reifen gesäubert werden.

Seit klar ist, dass Flussbett und Ufer belastet sind, gelten Vorsichtsmaßnahmen. Die Aufregung war damals groß. Seither arbeiten die Behörden an Konzepten für eine Sanierung des Flusses.

Bodenproben und Handlungsempfehlungen

Dafür waren umfangreiche Untersuchungen notwendig. Michael Trump von der Landesanstalt für Altlastenfreistellung sagt: "Die Abgrenzung war das, was zunächst so lange gedauert hat. Man hat festgestellt, dass wir eine Schadstoffbelastung haben. Aber bis wohin geht die? Wie weit vom Fluss entfernt? Sind Auen betroffen? Landwirtschaftliche Nutzflächen? Dort mussten Unmengen an Untersuchungen durchgeführt werden."

Michael Trump
Michael Trump betreut das Projekt Ehle-Sanierung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fest steht, dass ein großer Teil der Arbeit die Entschlammung des Flusses betrifft. Dafür muss belastetes Sediment entsorgt werden. Zur Diskussion steht auch eine Umverlegung von Teilen der Ehle und die Abdeckung belasteter Areale. Je nach Flussabschnitt wird es wahrscheinlich eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen.

Sanierung wird aufwändig und teuer

Die Sanierung wird aufwändig und langwierig. 19 bis 22 Millionen Euro würde nach Schätzungen der Landesanstalt die Minimalvariante kosten. Derzeit werden grobe Varianten für die Sanierung abgestimmt.

Nach Bekanntwerden der Schadstoffbelastung des Flüsschens ist mittlerweile Ruhe eingekehrt. Egelns Bürgermeister Reinhard Luckner sagt: "Ich bin persönlich der Meinung, es war zu viel Aufregung, zu viel Angstmacherei. Die Leute hatten sogar Angst, dass sie ihre Häuser nicht mehr verkaufen können." Luckner sagt, er sei froh, dass die Ehle gerade entkrautet werde, damit das Wasser besser fließen könne.

Jetzt stapelt der Baggerfahrer hier erstmal fein säuberlich das Grünzeug am Ufer. Bagger an der Ehle – ein Bild, das wohl noch vertrauter werden wird, wenn irgendwann bald die eigentliche Sanierung beginnt.

Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT - als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs. Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

MDR/Susanne Ahrens

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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