Vor über 4.000 Jahren Hinweise auf Schädelkult an Kultanlage Pömmelte

Nach neuesten Erkenntnissen vermuten Archäologen, dass es einen Schädelkult an der bronzezeitlichen Anlage in Pömmelte gegeben hat. Auch für die weiteren Untersuchungen gehen die Archäologen von weiteren Funden aus.

Ein Baukran ist durch ein Tor des Ringheiligtums Pömmelte zu sehen.
In der Kreis-Graben-Anlage in Pömmelte soll es nach neuesten Erkennissen vor rund 4.200 Jahren einen Schädelkult gegeben haben. Bildrechte: dpa

An der bronzezeitlichen Kreis-Graben-Anlage Pömmelte im Salzlandkreis hat es offenbar einen Schädelkult gegeben. Das ergaben neue Untersuchungen der rund 4.200 Jahre alten Siedlungsreste. "Seit dem Beginn der diesjährigen Grabung Anfang Mai wurden schon zwei Langhäuser, etwa 20 Siedlungsgruben und zwei Gräber freigelegt", sagte Landesarchäologe Harald Meller am Dienstag. Neben einem der Skelette habe ein zweiter Schädel gelegen: "Das deutet auf einen Kopfkult hin, bei dem man die Schädel von Ahnen aufbewahrt und in einzelnen Fällen sogar Kopfjagd betreibt." Meller sprach von einem neuen spannenden Aspekt, der weiter untersucht werde.

Auch im Kreisgraben des Ringheiligtums wurden Schädel deponiert. Das lässt einen Schädelkult der damaligen Menschen vermuten.

Harald Meller, Landesarchäologe

Archäologen haben noch einige Erwartungen

Merle Scheunchen, stellvertretende Grabungsleiterin des Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie für die Grabungen in Pömmelte, dokumentiert die Ausrichtung einer Abfallgrube.
Hier wird genau untersucht: Merle Scheunchen, stellvertretende Grabungsleiterin des Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, dokumentiert die Ausrichtung einer Abfallgrube. Bildrechte: dpa

Die Bronzezeit-Siedlung bei Pömmelte ist die größte ihrer Art in Mitteleuropa. Seit Beginn der Grabungen im Jahr 2018 wurden insgesamt 80 vollständige Hausgrundrisse freigelegt. "Bis zum Ende der Grabung im Herbst werden es mit den weniger gut erhaltenen Exemplaren wohl insgesamt 130 Häuser sein", sagte Grabungsleiter Matthias Zirm. Die ersten Häuser der Siedlung wurden gleichzeitig mit dem Ringheiligtum vor rund 4.350 Jahren errichtet. Die meisten Gebäude entfallen auf die jüngere frühbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur, aus der auch die Himmelsscheibe von Nebra hervorging. Charakteristisch für die Langhäuser war ihre Länge von durchschnittlich 30 Metern und die nach Westen weisenden gerundeten Schmalseiten. "Das war eine genormte, modulare Bauweise", sagte Zirm.

Pömmelte: Das hölzerne Stonehenge

Die Fortsetzung der Erforschung der Rituallandschaft an der Elbe werde die Grundlage dafür bilden, die Region langfristig als kulturtouristisches Ziel zu etablieren, erklärte Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger. Bereits das rekonstruierte Ringheiligtum Pömmelte habe sich schnell zu einem touristischen Anziehungspunkt für Besucher aus ganz Deutschland entwickelt.

Die Anlage wurde 2016 am Originalplatz rekonstruiert. Pömmelte ist Archäologen zufolge in Durchmesser und Aufbau gut vergleichbar mit dem englischen Stonehenge, nur wurde an der Elbe statt mit Steinen mit Holz gebaut. Experten zufolge hat der Ort eine ähnlich hohe spirituelle Bedeutung wie Stonehenge gehabt.

MDR/ Claudia Bille/ Kevin Poweska/ dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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