Kapazitätsgrenzen Betten belegt: Wenn der Notarzt kein Krankenhaus in der Nähe findet

Tom Gräbe
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Notärzte sollen vor Ort sofort und schnell helfen. Danach bringen sie ihre Patienten an Krankenhäuser – wenn dort ein Platz frei ist. Denn immer öfter müssen Krankenwagen weite Wege fahren, um ihre Patienten unterzubringen.

Ein Krankenwagen fährt mit Blaulicht über eine Brücke.
Immer öfter müssen Krankenwagen weite Wege fahren, um Patienten unterzubringen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Agentur 54 Grad

Wenn Notärzte wie Alexander Anders aus Aschersleben im Einsatz sind, gibt er den Rettungsleitstellen Codes durch. Anders nennt ein Beispiel: "Der Patient ist ausgetrocknet, dann wäre das die 355". Auf seinem Smartphone hat er dafür ein Register an Diagnosen. Außerdem teilt der Notarzt der Leitstelle das Alter des Patienten mit und ob es sich um einen Notfall handelt, der Patient stationär oder ambulant versorgt werden muss.

Auch das Krankenhaus, das er anfahren möchte, nennt er den Kolleginnen und Kollegen in der Rettungsleitstelle. Die Leitstelle schaut dann im Computer nach, ob ein Platz im nahegelegenen Krankenhaus frei ist. "Und dann sagen sie 'Ja' oder 'Nein'. In letzter Zeit häufig auffallend 'Nein'", sagt Anders. Wenn der Patient oder die Patientin nicht in Aschersleben aufgenommen werden könne, dann würden Rettungswagen und Notarzt ein anderes Krankenhaus anfahren. Hettstedt, Schönebeck oder Calbe (Saale) wären dann Alternativen, sagt Anders.

Wer in Lebensgefahr schwebt, wird versorgt

Notarzt Alexander Anders
Notarzt Alexander Anders Bildrechte: Alexander Anders

Wenn der Notarzt einschätze, dass es eine sofortige Behandlung zur Stabilisierung brauche, müsse die Notfallambulanz Patienten aber aufnehmen, erklärt Anders. Danach müssten die Patienten weiterverlegt werden, wenn sie stabil sind. "Da muss die Notfallambulanz schon brennen, wenn die sagen: 'Das können wir nicht leisten'." Es brauche also niemand Angst zu haben, dass er in Lebensgefahr nicht versorgt werde.

Die weitere Versorgung der Patienten könne sich aber in der Anfahrt verlängern, wenn die Klinik keine Kapazität hat. Die Qualität der Notfallversorgung leide nicht, sagt der Notarzt. "Was zurzeit angespannt ist, ist die Situation, wenn wir als Rettungspersonal inklusive der Notärzte länger unterwegs sind." Wenn er unterwegs sei, um einen Patienten nach Sangerhausen zu begleiten, wäre kein Notarzt in Aschersleben da.

Wie Rettungsdienste das richtige Krankenhaus anfahren

Rettungswagen im Einsatz
Bildrechte: dpa

Rettungswagen steuern immer das nächstgelegene, geeignete Krankenhaus an. Dazu kommunizieren die Rettungsleitstellen und Krankenhäuer seit 2020 über eine Internet-Anwendung: Das so genannte IVENA-System.

In dem System werden die Ressourcen der Krankenhäuser in Echtzeit erfasst. In welchen Stationen gibt es freie Betten? Ist der nächste Kreißsaal belegt? Das System hilft Rettungswagen-Besatzungen, das richtige Krankenhaus zu finden. Das Intervall zwischen Diagnose und Behandlung könne so auf ein Minimum reduziert werden, teilt das Innenministerium auf MDR-Anfrage mit. Das System arbeitet landkreisübergreifend.

Probleme auf dem Land

Das ist laut Carlhans Uhle, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes in Sachsen-Anhalt, im städtischen Bereich noch kein dramatisches Problem.

Im ländlichen Raum hingegen könne es zum Problem werden, wenn Krankenhäuser Stationen abmelden: "Weil der Weg zur Klinik dann in aller Regel länger wird." Rettungswagen sind dann länger unterwegs und auch länger im Einsatz gebunden. Dann müssten Wagen aus dem Nachbarkreis angefordert werden.

In der folgenden Grafik sehen Sie die aktuelle Auslastung der Intensivbetten in Sachsen-Anhalt.

Dieser Artikel ist nicht kommentierbar. Warum? Zur Situation in den Krankenhäusern haben wir zwei Artikel veröffentlicht. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, dass Sie sich gebündelt dazu austauschen und so mehr Gesprächspartnerinnen und -partner erreichen können. Folgenden Artikel können Sie zur Kommentierung nutzen: Notstand und Notfälle: Wie das Coronavirus die Krankenhäuser beeinflusst hat.

Tom Gräbe
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Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT – als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs.

Er produziert Hörfunkbeiträge, schreibt Texte für die Online-Redaktion und ist ab und zu auch für das Regionalmagazin MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE mit der Kamera unterwegs.

Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zum Hörfunk gekommen ist er als Teenager. Nach einem Praktikum bei einem Freien Radio hat er viele Jahre im Vorharz gefunkt. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

MDR/Tom Gräbe, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Juni 2021 | 13:40 Uhr

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