Vorstand in der Kritik Uniklinikum Magdeburg: Aufsichtsrat ordnet Untersuchungen an – und rügt Kaufmännische Direktorin

Der Aufsichtsrat hat dem in die Kritik geratenen Vorstand des Uniklikums Magdeburg mehrere Auflagen erteilt. Am Montag wurde beschlossen, dass sowohl ein umstrittener Großeinkauf von FFP2-Masken als auch die Stimmung in der Belegschaft zeitnah überprüft werden. Dafür wurde auch der Landesrechnungshof eingeschaltet. Die Kaufmännische Direktorin wurde zudem wegen Impfdrängelei gerügt.

Armin Willingmann (SPD), Wissenschaftsminister Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sitzt dem Aufsichtsrat des Uniklinikums Magdeburg vor Bildrechte: dpa

Ein umstrittener Großeinkauf von FFP2-Masken des Uniklinikums Magdeburg soll nun extern geprüft werden. Das hat der Aufsichtsrat des Uniklinikums Magdeburg am Montag beschlossen. Das Gremium erteilte der Kaufmännischen Direktorin, Kerstin Stachel, in einem Fall möglicher Impfdrängelei eine Rüge. Zudem soll die Belegschaft des Uniklinikums über die Situation vor Ort befragt werden.

Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister, Armin Willingmann (SPD). Sein Ministerium teilte am Montag mit, der Landesrechnungshof solle nun gebeten werden, kurzfristig das Masken-Geschäft zwischen dem Uniklinikum Magdeburg und der Firma BBE Solutions zu prüfen – "einschließlich der internen oder durch Dritte durchgeführten Qualitätssicherungsmaßnahmen". Miteigentümer der im Juli vergangenen Jahres gegründeten Firma ist ein Sohn des Ärztlichen Direktors des Uniklinikums, Hans-Jochen Heinze.

Kaufmännische Direktorin entschuldigt sich für Impfverstoß

MDR-Recherchen hatten Anfang März aufgedeckt, dass das Uniklinikum Ende 2020 FFP2-Masken im Wert von mehreren Hunderttausend Euro bei der Firma gekauft hatte. Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung wurden zudem weitere Verbindungen zwischen Sohn und Uniklinikum bekannt. Heinze und sein Sohn betonen, dass die familiäre Beziehung dabei nie eine Rolle gespielt habe. Von Seiten des Uniklinikums sei alles rechtlich einwandfrei gelaufen und ordentlich dokumentiert. Heinze hatte sich am Freitag ebenfalls für eine externe Prüfung ausgesprochen.

Die Rüge gegen die Kaufmännische Direktorin, Kerstin Stachel, sei wiederum wegen "evidenter Abweichung von der bundesweit festgelegten Impfreihenfolge" erfolgt, teilte das Wissenschaftsministerium mit. Stachel hatte sich im Januar impfen lassen, obwohl sie keinerlei Patientenkontakt hat. Die Impfung hatte der Leiter des Impfzentrums am Uniklinikum, Thomas Tüting, dem MDR am Freitag bestätigt. Zuerst hatte die Volksstimme über den Fall berichtet. Stachel bedaure den Fehler und habe sich im Aufsichtsrat dafür entschuldigt, hieß es vom Wissenschaftsministerium.

Seit Monaten gibt es außerdem teils vehemente, meist aber anonyme Kritik aus der Belegschaft des Uniklinikums an dessen Vorstand. Die Vorwürfe sind zahlreich, sie betreffen etwa die Finanzplanung, das Führungsverhalten von Heinze und Stachel, die Sicherheit von Mitarbeitenden und Patienten und die Arbeitsbelastung vor Ort.

Im Februar sahen sich die Personalräte genötigt, eine Gefährdungsanzeige zu schreiben: Das Personal der Intensiv- und Corona-Stationen sei aufgrund von Fehlplanungen an "die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit" geführt worden. Anschließend soll es ein klärendes Gespräch gegeben haben. Dem MDR gegenüber schilderten Mitarbeitende die Situation aber weiterhin als äußerst angespannt.

Hintereingang zum Universitätsklinikum Magdeburg. 3 min
Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Externe Befragung der Belegschaft soll Stimmungsbild ermitteln

Der Aufsichtsrat will die Situation nun mit einer Befragung der Belegschaft des Uniklinikums aufklären lassen. Ein solches Stimmungsbild war bereits auf der letzten Aufsichtsratsssitzung Ende Januar für die erste Hälfte dieses Jahres beschlossen worden und soll die "Situation am Arbeitsplatz, Zufriedenheit und Erwartungen" der Mitarbeitenden ermitteln.

Der Klinikumsvorstand soll die Befragung nun umgehend vorbereiten und ausschreiben lassen. Das dürfte bis spätestens Ende Mai geschehen. Denn dann tagt der Aufsichtsrat erneut. Neben Wissenschaftsminister Willingmann gehören für die Landresregierung auch Sozialministerin Petra Grimm-Benne (beide SPD) und Finanzminister Michael Richter (CDU).

Die Linken-Landtagsabgeordnete Eva von Angern begrüßte die Entscheidungen, bedauerte aber, dass die Befragung der Mitarbeitenden nicht schon längst erfolgt ist. "Ich halte dies für dringend notwendig", so von Angern.

MDR/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 11. April 2021 | 12:00 Uhr

8 Kommentare

Volker S. vor 4 Wochen

Überhaupt nicht albern - Fehlverhalten muss Konsequenzen haben. Einfach "Entschuldigung" sagen, das ist doch einfach. Andere Argumente haben Sie nicht, nilux?

Volker S. vor 4 Wochen

"Stachel bedaure den Fehler und habe sich im Aufsichtsrat dafür entschuldigt ..." - Konsequenzen muss so etwas haben, am besten nach Hallenser Vorbild.

pwsksk vor 4 Wochen

Ein Gesamtproblem Deutschlands. Unter Schröder wurde das Gesundheitssystem erst einmal auf den Prüfstein von Gesundheitsökonomen wie Herrn Lauterbach gestellt und absolidarisiert. Heute sehen wir so richtig, was bei rauskommt, wenn es nur noch ums Geld geht.

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