Geschäft mit FFP2-Masken Uniklinikum Magdeburg: Großeinkauf wirft Fragen auf

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Für mutmaßlich mehrere Hunderttausend Euro hat das Universitätsklinikum Magdeburg FFP2-Masken bei einem jungen deutschen Unternehmen eingekauft. Dessen Mitgesellschafter ist zugleich Sohn eines Vorstandsmitglieds. Das Klinikum erklärt, alles sei sauber gelaufen, die Masken würden zudem dringend benötigt. Ein Mitbewerber fühlt sich ausgebootet.

Hintereingang zum Universitätsklinikum Magdeburg.
Am Einkaufsverhalten des Uniklinikums Magdeburg gibt es Kritik, weil FFP2-Masken beim Sohn des Ärztlichen Direktors Hans-Jochen Heinze bestellt wurden. (Archivbild) Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Das Uniklinikum Magdeburg hat sich im großen Stil mit medizinischen Schutzmasken bei der Firma BBE Solutions aus Ratingen eingedeckt. Damit konnte ein wesentliches Problem in der Absicherung von Belegschaft und Patienten während der Corona-Pandemie gelöst werden. Mitarbeiter irritiert allerdings der Umstand, dass der Sohn des Ärztlichen Direktors des Uniklinikums zugleich geschäftsführender Gesellschafter des Lieferanten ist. Denn der Sohn verdient augenscheinlich so selbst an dem Geschäft. Die Leitung des Uniklinikums steht dennoch zu der Geschäftsbeziehung.

Nach Informationen des MDR finden die Masken Anwendung in mehreren Bereichen der Universitätsmedizin. Das Uniklinikum schreibt auf Anfrage, dass ein Rahmenvertrag abgeschlossen wurde. Die Liefermenge liege aktuell "im oberen sechsstelligen Bereich". BBE Solutions ist der derzeit einzige Lieferant für FFP2-Masken. Auch die Firma bestätigt das Geschäft und ergänzt: "Die Bestellmenge liegt für unsere Verhältnisse im kleineren Bereich." Beide nennen nicht den genauen Stückpreis.

Firma des Sohns: "Eine Vorteilsnahme aufgrund von Verwandtschaftsverhältnissen liegt aus unserer Sicht nicht vor"

Sowohl Uniklinikum als auch BBE Solutions verneinen, dass die persönliche Verbindung zwischen Vater und Sohn den Vertragsabschluss beeinflusst hätte. "Eine Vorteilsnahme aufgrund von Verwandtschaftsverhältnissen liegt aus unserer Sicht nicht vor", schreibt die Firma. Stattdessen verweisen beide auf Qualitätsmerkmale wie Tragekomfort und Maskenform des EU-zertifizierten Produkts sowie die Lieferbedingungen. Bei Tests unter Mitarbeitenden des Uniklinikums seien die Masken gut angenommen worden.

Branchenkenner bestätigten dem MDR, dass es sich bei den angebotenen FFP2-Masken um ein qualitativ wettbewerbsfähiges Produkt handle. Auch sei ein solcher Rahmenvertrag zwar nicht die Regel, aber denkbar. Demnach sei ein Stückpreis etwas von unter einem Euro wahrscheinlich. Das Auftragsvolumen zwischen dem landeseigenen Klinikum und dem noch jungen Unternehmen müsste sich somit auf einige Hunderttausend Euro belaufen.

BBE Solutions wurde laut Unterlagen erst Anfang Juli 2020 gegründet. Carl Nicolai Heinze aus Magdeburg ist einer von vier geschäftsführenden Gesellschaftern. Im Internet findet sich auch ein Angebot, das er als Geschäftsführer der Firma einem medizinischen Berufsverband unterbreitet hat.

Auf seiner Website schreibt BBE Solutions, dass man für Regierungen, Krankenhäuser und Firmen tätig sei. Potenziellen Kunden verspricht das Unternehmen "eine individuelle Lösung" für jeden Fall. Außerdem heißt es, man hätte bereits über 20 Millionen Masken geliefert, dazu gehören allerdings auch andere Atemschutzmasken neben der FFP2.

Uniklinikum sagt, alles sei rechtlich einwandfrei abgelaufen

Heinzes Vater, Prof. Hans-Jochen Heinze, sitzt als Ärztlicher Direktor dem Klinikumsvorstand vor. Dieser leitet die Geschäfte des Uniklinikums Magdeburg. Der Einkauf untersteht dabei der Kaufmännischen Direktorin.

Der Leiter des Bereichs erklärt dem MDR, dass die persönliche Beziehung der Heinzes vor Abschluss des Vertrags bekannt war. Auch habe man schon vorher einen kleineren Auftrag vergeben. Im Fall der FFP2-Masken sei rechtlich alles einwandfrei und ordentlich dokumentiert abgelaufen.

Angesichts der derzeitigen Ausnahmesituation, nämlich der Corona-Pandemie bzw. -Krise, stehe die Entscheidung für BBE Solutions auch nicht im Widerspruch mit den Compliance Regeln des Uniklinikums. Solche sehen für gewöhnlich vor, dass derartige Entscheidungen unbeeinflusst von sachfremden Erwägungen getroffen werden müssen. "Jeder Verdacht" auf solche und "auf persönliche Interessen" sollte vermieden werden, heißt es etwa beim Uniklinikum Jena.

Corona-Krise machte es Kliniken zwischenzeitlich sehr schwer, an Schutzausrüstung zu kommen

In der Corona-Krise waren Atemschutzmasken schlagartig selbst für Krankenhäuser sehr knapp geworden. Weltweit mussten Kliniken große Mühen aufwenden, um neue Ausrüstung zu bekommen. Die Preise explodierten. Teilweise wurde georderte Ware noch auf dem Flughafen im Produktionsland von anderen Bietern weggekauft. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach damals von "Wild-West"-Methoden.

Das Uniklinikum Magdeburg hat seit Beginn der Pandemie nach eigenen Angaben mehr als 1,2 Millionen FFP2-Masken eingekauft – bei 15 verschiedenen Lieferanten. Der bisherige Hauptlieferant, der US-amerikanische Konzern 3M, hat sich praktisch aus Europa zurückgezogen. Bei der Vergabe, für die BBE Solutions den Zuschlag erhielt, sei es dann auch darum gegangen, eine "zuverlässige und kontinuierliche Versorgung" zu gewährleisten. Nur so könne ein sicherer Klinikbetrieb ermöglicht werden.

Dafür habe das Uniklinikum Anfang November 2020 zwei Unternehmen aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Am 25. November erging dieselbe Aufforderung an BBE Solutions. Zunächst mündlich, am Folgetag auch schriftlich.

Von den beiden Mitbewerbern habe eine Firma "keine kontinuierliche Belieferung gewährleisten" können und sei "fünf Prozent teurer" gewesen. Die andere Firma habe "preislich circa 60 Prozent über dem Angebot von BBE Solutions" gelegen.

Mitbewerber für die Masken: "Wir hätten noch weiter runtergehen können"

Die ChinaProfis GmbH aus Magdeburg hat das Uniklinikum bereits am Beginn der Pandemie mit damals dringend benötigten FFP2-Masken ausgestattet. Geschäftsführer Oliver Franke bestätigt dem MDR, dass seine Firma zu den Firmen gehört, die ein Angebot abgeben sollten.

"Gewollt war ein Stückpreis von unter einem Euro", sagt Franke. "Wir haben 85 Cent angeboten, aber auch gesagt: Wenn man uns genaue Mengen nennt, können wir möglicherweise bis auf 65 Cent runtergehen." Entscheidend seien die Transportkosten, denn die Firma hält keine eigenen Lagerkapazitäten in Deutschland vor. Stattdessen kaufe man für Kunden direkt vor Ort in China ein. Die Entscheidung für den Mitbewerber sei dann aber während der laufenden Verhandlungen mitgeteilt worden, so Franke.

Beim Uniklinikum beharrt man auf Nachfrage darauf, dass man aus datenschutzrechtlichen Gründen keine genauen Angaben machen könne. Dass Konkurrenten nach Nichterteilung eines Auftrags verstimmt seien, sei aber normal, sagt der Leiter des Bereichs Einkauf. Die Vergabe würde einer Prüfung durch das Landesverwaltungsamt jederzeit standhalten.

Das Uniklinikum Magdeburg ist derzeit mit zahlreichen Bauvorhaben und möglichen Fusionsplänen mit dem Städtischen Klinikum Magdeburg beschäftigt. Ende 2020 hatte es zudem einen anonymen Brandbrief gegeben, in dem dem Ärztlichen Direktor und der Kaufmännischen Direktorin vielfältiges Versagen vorgeworfen wird. Die bestreiten die Vorwürfe.

MDR/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. März 2021 | 15:00 Uhr

7 Kommentare

Soldaten Norbert vor 6 Wochen

Ein Jens Spahn, nach Ausbildung zum Bankkaufmann, mehrere Jahre Student, Politiker und Pharma-Lobbyist, kann sich in jungen Jahren schon eine mehrere millionenteure Villa in bester Lage in Berlin leisten. Da stellen sich doch Fragen , oder ?

huhnmade77 vor 6 Wochen

nur zum besseren verständnis, in einer gesellschaft die nach der gier des geldes und der herrschaft des profits funktioniert, kann auch das sogenannte gesundheitssystem dem nicht entfliehen. ob nun bauaufträge dem parteigenossen "vermittelt" werden oder eine lukrative maskenbeschaffung einem angehörigen eines vorstands/geschäftsführers des uni-klinikums. genauso und nicht anders läuft es tag täglich, in dem korrupten deutschland 2021 ab. im zweifel wird vielleicht evtl. die staatsanwaltschaft ermittlungen aufnehmen, um diese dann im sande verlaufen zu lassen.

Soldaten Norbert vor 6 Wochen

Es ist einfach nur Übel, wie man mit der Pandemie, mit der Krankheit versucht, sich persönlich zu bereichern. Von den Pharma-Konzernen erwarte ich ja nichts anders. Sie scheffeln jetzt Geld ohne Ende. Aber wenn Politiker, wie aus der CDU oder Verantwortliche aus dem Gesundheitssystem sich persönliche Vorteile verschaffen, um sich zu bereichern, da fehlen mir einfach die Worte, was ich diesen Menschen an den Hals wünsche. Oder auch nicht. Aber Halt ! Ich muss mich hier bremsen.

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