Ende des Investitionsstaus Uniklinik Magdeburg: Weiterer Neubau für 100 Millionen Euro kommt

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Das Uniklinikum Magdeburg bekommt einen Neubau für 100 Millionen Euro. Das gaben Finanzminister Richter (CDU) und der Klinikumsvorstand am Freitag bekannt. In einzelnen Klinikumsbereichen bestehen derzeit hohe Risiken, die man zwar kontrollieren, aber ohne Neubau nicht dauerhaft lösen könne. Derweil wird die Vergabe eines Großauftrages für Masken durch das Klinikum Thema im Aufsichtsrat. Miteigentümer des Unternehmens ist der Sohn des Ärztlichen Direktors.

Eine Einfahrt zum Uniklinikum Magdeburg.
Am Uniklinikum Magdeburg werden mehrere hundert Millionen Euro investiert. Bildrechte: dpa

Das Land Sachsen-Anhalt hat sich zu einem weiteren Großbau auf dem Gelände der Universitätsmedizin Magdeburg bekannt. Finanzminister Michael Richter (CDU) gab am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt, dass das Haupthaus des Uniklinikums um einen groß angelegten Neubau erweitert wird. Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich auf 100 Millionen Euro. Die Absicht dazu hatte das Finanzministerium bereits vor gut einem Monat im Finanzausschuss des Landtags erklärt. Richter ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Der Bau soll unabhängig von den derzeitigen Kooperationsbestrebungen zwischen Uniklinikum und Städtischem Klinikum Magdeburg vorangetrieben werden. Mit Verweis auf diese Pläne waren zuletzt mehrere umfangreiche und dringend benötigte Neubauten auf dem Campus aufgeschoben worden. Die Bausubstanz vor Ort ist teilweise marode. Der Ärztliche Direktor des Uniklinikums, Professor Hans-Jochen Heinze, sagte zum angekündigten Neubau: "Wir sind sehr froh, dass wir dieses Signal von der Landesregierung bekommen haben."

Bereits am Freitagmittag hatte der Minister in einer Videobotschaft an die Belegschaft gesprochen. Ihm gehe es darum, dem "Eindruck" entgegenzutreten, "dass nichts geschieht". Das Gegenteil sei der Fall. So wurde zuletzt ein Container-Neubau und der Bau eines neuen Herzzentrums begonnen. Mit den Vorhaben endet auch der jahrelang Investitionsstau am Uniklinikum. Die Stimmung unter den Mitarbeitenden des Klinikums gilt dennoch als angespannt – auch unabhängig von der Corona-Pandemie. In den vergangenen Monaten hatte es mehrere anonyme Schreiben zu angeblichen Missständen und Verzögerungen bei den Bauvorhaben gegeben.

Am Uniklinikum bestehen weiterhin "hohe Risiken" sowie ein "zeitnaher baulicher und organisatorischer Handlungsbedarf"

Einer der Kritikpunkte aus der Belegschaft ist die unklare Zukunft der Zentralen Notaufnahme. Laut dem Minister werde nun auch deren Neubau vorangetrieben, der Zuschlag für die Planung sei erfolgt. Bislang hatte es geheißen, das Projekt sei ausgesetzt, weil sich eine Reform der Notfallversorgung durch das Bundesgesundheitsministerium verzögert. Mit einem sogenannten Integrierten Notfallzentrum erwartet das Uniklinikum dann nach eigenen Angaben jährlich 100.000 Patienten statt bislang 30.000.

Im dem am Freitag angekündigten Anbau an das Haupthaus sollen derweil die Haut- und die Krebsklinik des Uniklinikums einziehen. Mit der Fertigstellung des Baus wird für 2026 gerechnet. Sowohl die Haut- als auch die Krebsklinik gehören zu den Bereichen des Uniklinikums, in denen in den letzten Jahren immer wieder erhebliche Mängel bei Hygiene und Brandschutz festgestellt wurden waren.

Das Wissenschaftsministerium hatte dazu Ende Februar eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Landtag beantwortet. Demnach bestehen derzeit in neun Häusern "Hohe Risiken" sowie ein "zeitnaher baulicher und organisatorischer Handlungsbedarf". Das habe der Klinikumsvorstand mitgeteilt. Die Prüfungen, die diese Mängel letztmals belegt hatten, fanden überwiegend Ende 2020 statt.

Ärztlicher Direktor Heinze: Klinikumsvorstand kann die Probleme "nur kontrollieren, nicht lösen" 

In diesen Häusern befinden sich neben der Hautklinik unter anderem ganz oder teilweise die Kardiologie, die  Herz- und Thoraxchirurgie, die Radiologie, die Kinderklinik und die Frauenklinik. Auf die hohen Risiken angesprochen, sagte der Ärztliche Direktor Heinze, es gebe erhebliche Probleme, die der Klinikumsvorstand aber "nur kontrollieren, nicht lösen" könne. Unter anderem seien umfangreiche Brandschutzschulungen der Belegschaft erfolgt. Die Kaufmännische Direktorin, Kerstin Stachel ergänzte, dass das Orthopädie vorerst ins Haupthaus des Uniklinikums umziehen soll.

Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Magdeburg
Professor Hans-Jochen Heinze: "Wir sind sehr froh, dass wir dieses Signal von der Landesregierung bekommen haben." Bildrechte: dpa

Weiterhin in der Schwebe bleiben zwei weitere größere Anbauten an das Haupthaus. Der Ärztliche Direktor Heinze spricht von einem "Magischen Dreieck". Für die anderen zwei Anbauten belaufen sich laut internen Dokumenten ebenfalls auf 100 Millionen Euro pro Haus.

Uniklinikum dürfte Landeskasse weiterhin belasten

Nicht nur deshalb dürfte das Uniklinikum für den Landeshaushalt weiterhin eine Herausforderung bleiben. Auf knapp unter 70 Millionen Euro belief sich allein der erwartende Liquiditätsbedarf Ende 2020. Der Neubau soll unter anderem die erheblichen Transportkosten auf dem weitläufigen Gelände lösen. Die belaufen sich allerdings nur auf einen Bruchteil des Defizits.

Finanzminister Richter sagte, man erkenne einige Einsparbemühungen und hoffe in der Corona-Pandemie zudem weiter auf Bundeshilfen. Grundsätzlich sei man bemüht, "das Defizit weiter abzusenken". Eine Zielvorgabe, bis wann dieses ausgeglichen sein sollte, nannte er auf Nachfrage nicht.

Der Ärztliche Direktor, Professor Heinze, stellte grundsätzlich in Frage, ob das Universitätsklinikum einen ausgeglichen Haushalt haben muss. Andere Häuser seien mit weit höheren Beträgen im Minus, sagte Heinze. Land und Uniklinikum wollen dennoch unter anderem bessere Vergütungspauschalen erwirken.

Großeinkauf von FFP2-Masken wird Thema im Aufsichtsrat – Minister: "Bin hier nicht gefordert"

Bauvorhaben, Kooperationspläne und Kritik aus der Belegschaft sind derzeit aber nicht die einzigen Themen, die das Uniklinikum beschäftigen. MDR-Recherchen hatten zuletzt aufgedeckt, dass das Haus im Anfang Dezember 2020 einen Vertrag über mutmaßlich mehrere Hunderttausend Euro an eine Firma vergeben hat, deren Miteigentümer und Geschäftsführer der Sohn des Ärztlichen Direktors ist. Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende der Linken, verlangte bereits Anfang März Aufklärung in der Sache. Heinze und die Kaufmännische Direktorin Stachel beharrten am Freitag erneut darauf, dass die Vergabe rechtlich einwandfrei gelaufen sei.

Michael Richter sieht keinen akuten Handlungsbedarf. Er sagte: "Ich bin hier als Innenminister und Finanzminister nicht gefordert." Der Klinikumsvorstand habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden dazu Bericht erstattet. Dieser werde in der nächsten Aufsichtsratssitzung geprüft. "Mehr sei dazu nicht zu sagen", so Richter. Als Innenminister ist er auch für die Einhaltung der landesweite Verwaltungsvorschrift zur Vermeidung und Bekämpfung der Korruption zuständig. Diese gilt auch für das Universitätsklinikum. 

Stachel sagte, es wäre vielmehr aus Sicht des Vorstands "vergaberechtlich nicht korrekt" gewesen, hätte man der Firma aufgrund des Verwandtschaftsverhältnisses nicht den Auftrag vergeben. Stachel hat den Vertrag persönlich unterzeichnet.

Man habe rund 500.000 Masken gekauft, die Firma habe das günstigste Angebot geliefert. Einen genauen Preis nannte man erneut nicht. Laut MDR Informationen hatte ein Mitbewerber in dem Vergabeverfahren 85 Cent pro Maske geboten.

MDR/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. März 2021 | 07:30 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Magdeburg

Mehr aus Sachsen-Anhalt