"BUILT TO WIN" – Doku über Baskets Wolmirstedt 136 Kilo schwer – und schwer talentiert! Warum Basketball-Profi Felix Neumann ein "Phänomen" ist

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

In seiner Jugend gilt Felix Neumann als eines der aussichtsreichsten Basketball-Talente ganz Deutschlands. Doch für die große Karriere fehlt es ihm an Disziplin. Mittlerweile spielt der Lebemann in der vierten Liga bei den SBB Baskets Wolmirstedt – und ist dort Publikumsliebling. Einer, mit dem sich die Fans identifizieren können.

Basketball in den unteren Ligen? Das bedeutet große und geplatzte Träume. Fernab des Scheinwerferlichts stellen sich die Profis der SBB Baskets Wolmirstedt dort dem Wettkampf des Lebens – und der Corona-Pandemie. MDR SACHSEN-ANHALT hat sie eine Saison lang begleitet.

Manchmal erzählt der Einstieg die ganze Geschichte. Auch bei Felix Neumann ist das so. Denn die Episode, wie der heute 30-Jährige in seiner Jugend zum Basketball fand, taugt als Sinnbild für seinen Weg.

"Ich war ja schon immer etwas kräftiger", erinnert sich der Zwei-Meter-Mann mit den 136 Kilogramm. Und: "Vor unserer Schule stand damals eine Imbissbude." Wo der junge Felix in den Pausen regelmäßig anzutreffen war. "Mit Basketball", sagt er, "hatte ich gar nichts am Hut."

Aber: "Eines Tages hat mir unser Sportlehrer zugerufen: 'Felix, jetzt leg doch mal den Döner weg und komm in die Halle. Du bist ein Riesenjunge. Wir brauchen dich hier.' Und dafür bin ich ihm heute noch sehr dankbar."

Da mal eine Party, da mal ein Bierchen

Hätte sich Felix Neumann damals für den Döner entschieden, wäre wohl alles anders gelaufen. Doch er nahm den Ball in die Hand und wurde schnell zu einem der größten Talenten ganz Deutschlands. Der Magdeburger war bester Werfer der Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL). Die ganz große Karriere schien möglich.

Doch: "Ich genieße das Leben einfach zu dolle", sagt er. "Ich gehe da mal auf eine Party, trinke da mal mein Bierchen." Und so landete Felix Neumann nicht in der Bundesliga, sondern in der Regionalliga, der vierthöchsten Spielklasse, bei den SBB Baskets Wolmirstedt – als ewiges Talent, aber auch als Publikumsliebling.

So einen Typen wie Felix Neumann gibt es wohl in fast jeder Mannschaft in jeder Sportart: einen mit viel Talent, aber wenig Disziplin. Einen, der sich selbst an Abenden vor Pflichtspielen nicht an den Zapfenstreich hält. Einen, der gerne isst und trinkt und einen guten Döner noch immer nicht verschmäht. Kurzum: einen Lebemann, der das Herz am rechten Fleck hat.

Einen, der wegen seiner Statur oft unterschätzt wird: "Ich hätte auf den ersten Blick nie gedacht, dass Felix so super spielen kann", sagt etwa Ricky Hoffmeister, Fan der SBB Baskets Wolmirstedt. "Er ist echt ein super Typ, geht mit den Fans mit, hat immer einen Spruch auf Lager. Felix ist einfach eine Rampensau!"

Und auch Neumanns Mitspieler Oliver Clay sagt: "Wenn du ihn das erste Mal siehst, denkst du schon, dass er ein paar Kilo zu viel hat, aber dann überrascht er einen doch immer wieder. Er hat wirklich unheimlich viel Talent." Mitspieler Bill Borekambi sagt: "Felix ist echt ein Phänomen!"

Wo und wann ist "BUILT TO WIN" zu sehen?

Die ersten vier Folgen der Dokumentation erscheinen auf dem Youtube-Kanal der Sportschau – und zwar immer freitags am:

  • 14. Mai
  • 21. Mai
  • 28. Mai
  • 4. Juni


Je nachdem, ob die Baskets Ende Juni noch um den Aufstieg spielen müssen, erscheint am 2. Juli womöglich eine fünfte Abschlussfolge.

Ausschnitte laufen in den kommenden Wochen jeden Samstag um 19 Uhr bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE. Eine 30-minütige Version der Doku ist außerdem am 10. Juni um 22.40 Uhr im MDR-Fernsehen und im Anschluss in der ARD-Mediathek zu sehen.

Keine Reue – oder doch?

Sein Trainer bei den SBB Baskets Wolmirstedt, Eiko Potthast, geht sogar noch weiter: "Felix ist definitiv einer der talentiertesten Spieler in unserer Mannschaft, wahrscheinlich sogar in der ganzen Regionalliga. Ich hätte mir gewünscht, dass er nicht hier spielt, sondern es in seiner Karriere in die Bundesliga geschafft hätte. Aber da standen ihm sein Körper und seine Einstellung ein bisschen im Weg."

Doch für mehr als die dritthöchste Spielklasse, die Pro B, wo Neumann vor seinem Wechsel nach Wolmirstedt jahrelang für Herten spielte, reichte es nicht. Weil Basketball eben immer seine große Liebe war, aber eben auch immer Spaß machen sollte. Und der harte Weg nach ganz oben hätte eben nicht immer Spaß gemacht. Ein Leben nur für den Sport, das wollte Neumann nicht. Er war nicht bereit, die nötigen Opfer dafür zu bringen, auf Freizeit und andere Ablenkungen zu verzichten.

Doku über Baskets Wolmirstedt Die Protagonisten von "BUILT TO WIN"

Jordan Talbert, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Jordan Talbert ist der US-Amerikaner im Team. Tausende Kilometer von seiner Familie entfernt lebt der 30-Jährige seinen Traum von der Karriere als Basketball-Profi – und erzählt in der Dokumentation von seiner bewegten Vergangenheit. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Jordan Talbert, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Jordan Talbert ist der US-Amerikaner im Team. Tausende Kilometer von seiner Familie entfernt lebt der 30-Jährige seinen Traum von der Karriere als Basketball-Profi – und erzählt in der Dokumentation von seiner bewegten Vergangenheit. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Felix Neumann galt in der Jugend als eines der größten Talente ganz Deutschlands. Für den großen Durchbruch reichte es zwar nicht. "Ich liebe das Leben einfach zu sehr", sagt der heute 30-Jährige. In Wolmirstedt ist Neumann trotzdem der Publikumsliebling. In der Doku zeigt er jedoch auch seine ernste Seite. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Eiko Potthast, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Eiko Potthast ist der Cheftrainer des Teams. Der 30-Jährige ist jünger als so mancher Spieler und verschafft sich trotzdem Respekt. Kann Potthast den Klub zum Aufstieg führen und damit auch seine Karriere ankurbeln? Als junger deutscher Trainer hat man es im deutschen Basketball schließlich nicht leicht. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Joe Hart, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Joe Hart will den internationalen Durchbruch schaffen. Dafür lebte der Engländer bislang ein Vagabundenleben. Diese Spielzeit ist die erste seiner Laufbahn, in der Hart für denselben Verein wie in der Vorsaison aufläuft. Doch dann muss er eine schwere Verletzung hinnehmen. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Ricky Hoffmeister, Protagonisten der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Ricky Hoffmeister ist Fan der SBB Baskets. Er hilft außerdem bei den Heimspielen. Wenn die Spieler ein Problem haben, rufen sie ihn an. Hoffmeister sagt: "Basketball in Wolmirstedt ist mein Leben. Das ist alles für mich." Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Philipp Lieser, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Philipp Lieser ist der Kapitän der SBB Baskets Wolmirstedt. Er soll das Team auch in schweren Zeiten zusammenhalten – was in der Corona-Pandemie wohl eine so große Herausforderung ist wie nie zuvor. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Dominick von Waaden, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Dominick von Waaden ist der Youngster im Team. Er steht noch am Anfang seiner Karriere und will in die Fußstapfen seines Vaters treten – denn der war jahrelang Bundesligaprofi. Davon ist von Waaden noch weit entfernt. Doch: "Ich will es unbedingt schaffen", sagt er. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Dirk Uhlemann, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Dirk Uhlemann ist einer der Macher im Hintergrund. Er arbeitet als Geschäftsführer beim Hauptsponsor SBB (Segment-Behälter-Bau GmbH) und ist Vorstandsvorsitzender bei den Baskets. Und er hat mit dafür gesorgt, dass der Verein ein Budget zur Verfügung hat, von dem andere Regionalligisten nur träumen können. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Deji Adekunle, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Deji Adekunle ist zu Saisonbeginn noch verletzt. Denn der Profi aus England brachte in der vergangenen Saison ein großes Opfer für die Baskets: Er spielte mit einem gerissenen Kreuzband. Nun hat der Klub trotzdem Ersatz für ihn verpflichtet. Erhält Adekunle nach seiner Genesung noch eine Chance?

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Mai 2021 | 19 Uhr

Quelle: MDR/Daniel George
Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
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Er studiert, bereitet damit sein Leben nach der Karriere vor und wird in Wolmirstedt für das Basketballspielen bezahlt – zwar nicht so gut wie in höheren Ligen, aber es reicht, um seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten.

Ob er es später einmal bereuen wird, nicht disziplinierter gewesen zu sein? "Nein", sagt Neumann ganz klar. "Ich werde im Alter nie da sitzen und denken, dass ich mich mal mehr hätte anstrengen sollen, um in die Bundesliga zu kommen." Doch seine Mutter, Carmen Neumann, entgegnet: "Ich glaube schon. Aber das würde er nie zu geben."

Plötzlich kämpft Neumann ums Überleben

Ob er nun später etwas bereuen wird oder nicht: Felix Neumann ist gerade absolut mit sich im Reinen. Er treibt den Sport, den er über alles liebt – und genießt zugleich sein Leben. Denn erst kürzlich musste der gebürtige Magdeburger erfahren, dass es schnell vorbei sein kann.

An Basketball war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Plötzlich kämpfte Felix Neumann im Krankenhaus ums Überleben. Diagnose: Lungenembolie.

Wie diese schwere Zeit ihn verändert und wie er sich zurück auf das Parkett gekämpft hat, erzählt Felix Neumann in Folge 2 von "BUILT TO WIN", der MDR-Doku über die SBB Baskets Wolmirstedt.

Warum "BUILT TO WIN"?

Basketball stammt aus Nordamerika. Die "Amtssprache" ist Englisch – auch in der Regionalliga, weshalb sich die Macher der Doku für einen englischen Titel entschieden haben. "BUILT TO WIN" bedeutet frei übersetzt so viel wie: zusammengestellt, um zu gewinnen. Und das trifft auf das Wolmirstedter Team 2020/2021 perfekt zu.

Die Macher der Dokumentation

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Daniel George Hallo! Ich bin Daniel George und arbeite seit 2017 für MDR SACHSEN-ANHALT. Worüber ich besonders gerne berichte? Basketball. Was ich besonders mag? Gute Geschichten. "BUILT TO WIN" vereint beides – und war für mich deshalb ein Herzensprojekt.

Max Schörm
Bildrechte: MDR/Sarah Peinelt

Über Max Schörm Hallo! Ich bin Max Schörm und arbeite seit 2017 für MDR SACHSEN-ANHALT. Dort bin ich vor allem für Erklär-Videos zuständig – und nun für die technische Produktion dieses Films. "BUILT TO WIN" haben wir zu großen Teilen mit nur einem Handy und einer Spiegelreflexkamera gedreht.

Mehr zum Thema

Linus Wascher, während eines Interviews. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sa 15.05.2021 19:52Uhr 02:20 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/video-518688.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

MDR/Daniel George

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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