Landeshauptstadt ade Warum eine junge Familie lieber in einer Kleinstadt als in Magdeburg lebt

Daniel George
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Jana und Stefan Rödger lieben ihr Leben in Wolmirstedt. Warum sie den Ort mit 12.000 Einwohnern in der Börde der Landeshauptstadt vorziehen und was sie sich für ihre Zukunft in der Kleinstadt wünschen.

Familie aus Wolmirstedt
Familiengück im Kleingarten: Jana, Lina und Stefan Rödger (v.l.) Bildrechte: MDR/Daniel George

Ein Vogel zwitschert. Sonst ist es still. Blauer Himmel, Sonnenschein, das Gras im Garten frisch gemäht – fast wirkt es so, als wolle dieser Tag das stereotype Bild einer Kleinstadt zeichnen.

Idylle pur, oder? "Ja, hier ist es schon idyllisch", sagt Stefan Rödger und lacht: "Meistens jedenfalls!" Zurückgelehnt sitzt der 33-Jährige in seinem Gartenstuhl in Wolmirstedt. Knapp 12.000 Einwohner leben dort, Magdeburg ist mit dem Auto eine Viertelstunde entfernt.

Neben ihm sitzt seine Frau Jana, 28 Jahre alt, mit der fünf Monate alten Tocher Lina auf dem Arm. Früher hat das Ehepaar in der Landeshauptstadt gewohnt, doch dann zog es die beiden ins Umland. Denn: "Hier haben wir alles, was wir brauchen", sagt Jana Rödger. Und doch: "Ein paar Sachen gibt es, die besser werden könnten."

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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mi 07.07.2021 08:42Uhr 00:19 min

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Familien-Leben lieber in der Kleinstadt

Familie Rödger hat ihr Glück in Wolmirstedt gefunden. Jana Rödger wurde hier geboren, wuchs hier auf. Vor drei Jahren zog sie mit ihrem Ehemann aus Magdeburg schließlich wieder zurück, um näher bei Eltern und Großeltern zu sein. Und vor allem, "weil die Familienplanung anstand", blickt sie zurück.

Jana und Stefan Rödger arbeiten im Einzelhandel im Schichtsystem. Da hilft es, wenn die Großeltern ab und an unkompliziert auf die kleine Lina aufpassen können. "Außerdem haben wir hier mehrere Kitas, und alle sind mehr oder weniger in der Nähe, eben fußläufig zu erreichen", so Stefan Rödger. "Das wäre in Magdeburg vielleicht anders gewesen. Da haben wir von Bekannten gehört, die durch die halbe Stadt fahren mussten, weil sie sich die Kita nicht aussuchen konnten", erklärt er weiter.

Allerdings: "Die Kita-Kosten sind in Wolmirstedt höher als in Magdeburg", erklärt Jana Rödger. "Da wäre es schön, wenn sich noch etwas ändern würde." Ein Wunsch in Richtung der Stadtpolitik. Für die interessiert sich das Ehepaar Rödger nämlich. Keine Spur von Verdrossenheit. "Wir waren in den vergangenen Jahren auch immer Wahlhelfer", sagt Stefan Rödger.

Bilder Das Leben in Wolmirstedt

Blick in die Fußgängerzone von Wolmirstedt im Landkreis Börde
Beschaulich: So lässt sich die Kleinstadt Wolmirstedt in der Börde wohl am besten beschreiben. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock
Blick in die Fußgängerzone von Wolmirstedt im Landkreis Börde
Beschaulich: So lässt sich die Kleinstadt Wolmirstedt in der Börde wohl am besten beschreiben. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock
Ortseingangsschild von Wolmirstedt im Landkreis Börde
Knapp 12.000 Einwohner leben dort. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock
Ein Schild weist auf eine Fußgängerzone in Wolmirstedt im Landkreis Börde hin.
"Nach 18 Uhr werden hier die Bordsteine hochgeklappt", sagt Stefan Rödger. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock
Familie aus Wolmirstedt
Mit seiner Frau Jana und Tochter Lina lebt der 33-Jährige in Wolmirstedt. Besonders stolz ist die Familie auf ihren Kleingarten. Bildrechte: MDR/Daniel George
Familie aus Wolmirstedt
Hier genießt Familie Rödger gerade im Sommer die Idylle. Bildrechte: MDR/Daniel George
Familie aus Wolmirstedt
Im Lokal nebenan hat das Ehepaar sogar seine Hochzeit gefeiert. Bildrechte: MDR/Daniel George
Blick auf den Bahnhof von Wolmirstedt im Landkreis Börde
Und sie sehen ihre Zukunft in Wolmirstedt: "In den nächsten Jahren bleiben wir auf jeden Fall hier", sagt Jana Rödger.

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"Die Stadt liegt uns am Herzen"

Das politische Interesse passt ins Bild. Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Wolmirstedt lag bei der Landtagswahl vor wenigen Wochen mit 66,5 Prozent 6,2 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. "Wer nicht wählen geht, kann danach nicht meckern", sagt Jana Rödger. Und ihr Ehemann ergänzt: "Wir meckern ja ganz gerne mal, aber auch nur, weil uns diese Stadt am Herzen liegt und wir uns Gedanken über die Zukunft hier machen."

Stichwort Zukunft und Kita-Plätze: In Wolmirstedt wird fleißig gebaut. Immer mehr Plätze für Einfamilienhäuser sind dort in den vergangenen Jahren entstanden. "Wenn das so weitergeht und ein Baugebiet nach dem anderen kommt", befürchtet Stefan Rödger, "dann könnte es irgendwann auch hier eng mit den Kita-Plätzen werden. Da sollte die Stadt rechtzeitig gegensteuern."

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Familie Rödger bewohnt eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 70 Quadratmetern im Stadtzentrum. Außerdem haben sie einen Kleingarten gepachtet, zu Fuß nur wenige Minuten von der Wohnung entfernt. Das ist ihr eigener, kleiner, grüner Rückzugsort.

2018 wechselten sie von Magdeburg nach Wolmirstedt – und haben es bis heute nicht bereut. "Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, alle Schulformen, Sportvereine, einen Park, viel Grün: Hier gibt es alles, was wir brauchen", sagt der gebürtige Havelberger Stefan Rödger. Und: "Wenn doch mal etwas fehlt, ist es nach Magdeburg nicht weit."

Stadt soll Verkehr stärker kontrollieren

In Wolmirstedt sei alles familiärer als in der Landeshauptstadt. "Hier kennt jeder jeden", sagt Jana Rödger. "Zwar hast du auch hier deine Pappenheimer, mit denen du nicht so klar kommst, aber grundsätzlich ist es wie auf dem Dorf. Das gefällt uns. Da fühlt man sich wohl. In Magdeburg war alles distanzierter."

Und doch fühlen sie sich manchmal wie in der Großstadt. "Ja, was den Verkehr tagsüber angeht", sagt Stefan Rödger. "Da fahren viele Fahrzeuge mitten durch die Stadt. Viele Lkw suchen Abkürzungen, außerdem sind viele Landwirtschaftsfahrzeuge unterwegs, und die wenigsten halten sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen oder nehmen Rücksicht auf Fußgänger an Zebrastreifen. Wir würden uns wünschen, dass da seitens der Stadt mehr kontrolliert wird."

EIn Wunsch: mehr digitale Mitbestimmung

Ein weiteres Anliegen: "Die Bevölkerung sollte mehr mit einbezogen werden", sagt Stefan Rödger, "gerade in so einer kleinen Stadt gibt es doch beste Möglichkeiten dazu." Aber: "Das System mit den Stadtratssitzungen, zu denen man eingeladen wird, wenn man etwas ansprechen will, ist veraltet. Da sollten digitale Alternativen angeboten werden."

Viele Anstöße, viele Gedanken, die zeigen: Familie Rödger sieht ihre Zukunft in Wolmirstedt und will diese mitgestalten. "Wir fühlen uns hier heimisch", sagt Jana Rödger, "und wollen erstmal nicht weg." Nachvollziehbar an solch idyllischen Tagen. Und wahrscheinlich nicht nur dann.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt. Bei MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet er seitdem als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

MDR/Daniel George

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Juli 2021 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

boellberger vor 10 Wochen

Alberner Kommentar.
Das muss selbst ich als Hallenser sagen.
Haben einige Bekannte dort.
Magdeburg hat sich sehr gemacht. Dein Kommentar ist nur Internet Quark.

Machdeburjer vor 10 Wochen

Das ist deine Meinung, welche du auch haben darfst.
Nach dem Harz ist MD das 2 beliebteste Urlaubsziel in Sachsen Anhalt.
Gebaut wird an jeder Ecke. Magdeburg blüht auf, ich lebe gern hier :-)

C.T. vor 10 Wochen

Nichtsdestotrotz ist und bleibt Magdeburg bestenfalls ein Zustand, wenn man fairer Weise global mit gleichgroßen Städten oder anderen Landeshaupstädten vergleicht... Keine Ahnung was in MD so lebenswert sein soll... *kopfkratz*

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