"BUILT TO WIN" – Doku über Baskets Wolmirstedt Warum ein Profisportler regelmäßig Müll sammelt

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Dominick von Waaden wirft Basketbälle in einen Korb – und verdient bei den SBB Baskets Wolmirstedt seinen Lebensunterhalt damit. Doch in seiner Freizeit wirft der 21-Jährige lieber Plastik oder Glasflaschen in Müllsäcke. "Die Erde", sagt er, "liegt mir sehr nah."

Basketball in den unteren Ligen? Das bedeutet große und geplatzte Träume. Fernab des Scheinwerferlichts stellen sich die Profis der SBB Baskets Wolmirstedt dort dem Wettkampf des Lebens – und der Corona-Pandemie. MDR SACHSEN-ANHALT hat sie eine Saison lang begleitet.

Zwei Meter waren es vielleicht – mehr nicht. "Ich hätte gedacht, dass ich weiter gehen kann, nachdem ich die Haustür verlasse habe, bevor ich etwas finde", sagt Dominick von Waaden. Aber: "Sofort lag Müll herum – Plastik oder Glasflaschen." Also: "Meine vier Müllsäcke", so der 21-Jährige, "waren super schnell voll."

Eigentlich verdient Dominick von Waaden seinen Lebensunterhalt damit, Basketbälle in einen Korb zu schmeißen. "Aber wenn wir kein Training haben, gehe ich spazieren", sagt der Profispieler des Regionalligisten SBB Baskets Wolmirstedt. Und: "Wenn ich den ganzen Müll immer so rumliegen sehe, macht mich das traurig."

Also schmeißt Dominick von Waaden den Müll in den Mülleimer. Wann immer es geht, sammelt er Plastik und Co. auf – für den Umweltschutz und für ein sauberes Wolmirstedt.

Vater von Waaden war Bundesliga-Profi

Das ist zum einen bemerkenswert, weil der 21-Jährige nicht aus Wolmirstedt stammt. Sein Vater, der US-Amerikaner Gary von Waaden, war Erstligaprofi und spielte unter anderem für Bamberg. Dort wuchs sein Sohn dann auch größtenteils auf – und wollte schnell in die Fußstapfen seines Vaters treten.

"Das war dann auch so mein Traum: Seitdem ich neun Jahre alt bin, wollte ich immer nur Basketball-Profi werden", sagt Dominick von Waaden. "Mittlerweile kann ich davon leben. Aber in meinem Kopf bin ich immer noch Amateurbasketballer." Weil er aktuell eben nur in der vierten Liga spielt.

"So richtig werde ich mich erst als Profi zählen, wenn ich erste Liga spiele", sagt der 21-Jährige. "Da strebe ich immer noch für. Ich habe den Drang, so hart zu arbeiten, dass ich das auch wirklich noch schaffe – auch, wenn ich da noch einen gescheiten Weg vor mir habe."

Wo und wann ist "BUILT TO WIN" zu sehen?

Die ersten vier Folgen der Dokumentation erscheinen auf dem Youtube-Kanal der Sportschau – und zwar immer freitags am:

  • 14. Mai
  • 21. Mai
  • 28. Mai
  • 4. Juni


Nach den zwei Entscheidungsspielen um den Aufstieg erscheint am 2. Juli außerdem die Abschlussfolge.

Ausschnitte laufen jeden Samstag um 19 Uhr bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE. Eine 30-minütige Version der Doku ist außerdem am 10. Juni um 22.40 Uhr im MDR-Fernsehen und im Anschluss in der ARD-Mediathek zu sehen.

Entscheidungsspiele um den Aufstieg

Im Team der SBB Baskets Wolmirstedt ist Dominick von Waaden der Youngster. "Er bringt uns Energie", sagt Chefcoach Eiko Potthast. Und Sportdirektor Steven Monse lobt: "Er hat eine Arbeitsmoral, die man nur selten sieht. Vielleicht hat er die von seinem Vater gelernt. Er hat eine professionelle Art, kontinuierlich an sich zu arbeiten, wie es auch gebraucht wird, wenn du ganz oben spielen möchtest. Wenn er so weitermachen wird, dann wird er sicherlich noch eine sehr professionelle und erfolgreiche Karriere führen."

Mit Wolmirstedt will Dominick von Waaden aufsteigen. In den vergangenen Monaten herrschte in der Regionalliga zwar große Ungewissheit. Aufgrund der Corona-Pandemie durfte in der vierthöchsten deutschen Spielklasse nicht gespielt werden. Doch mittlerweile steht fest: Am 25. und 27. Juni wird Wolmirstedt gegen Königs Wusterhausen in zwei Entscheidungsspielen um den Aufstieg spielen.

Doku über Baskets Wolmirstedt Die Protagonisten von "BUILT TO WIN"

Basketball in der Regionalliga? Das bedeutet große und geplatzte Träume. Fernab des Scheinwerferlichts stellen sich die Profis der Baskets Wolmirstedt dort dem Wettkampf des Lebens. MDR SACHSEN-ANHALT hat sie begleitet.

Jordan Talbert, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Jordan Talbert ist der US-Amerikaner im Team. Tausende Kilometer von seiner Familie entfernt lebt der 30-Jährige seinen Traum von der Karriere als Basketball-Profi – und erzählt in der Dokumentation von seiner bewegten Vergangenheit. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Jordan Talbert, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Jordan Talbert ist der US-Amerikaner im Team. Tausende Kilometer von seiner Familie entfernt lebt der 30-Jährige seinen Traum von der Karriere als Basketball-Profi – und erzählt in der Dokumentation von seiner bewegten Vergangenheit. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Felix Neumann galt in der Jugend als eines der größten Talente ganz Deutschlands. Für den großen Durchbruch reichte es zwar nicht. "Ich liebe das Leben einfach zu sehr", sagt der heute 30-Jährige. In Wolmirstedt ist Neumann trotzdem der Publikumsliebling. In der Doku zeigt er jedoch auch seine ernste Seite. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Eiko Potthast, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Eiko Potthast ist der Cheftrainer des Teams. Der 30-Jährige ist jünger als so mancher Spieler und verschafft sich trotzdem Respekt. Kann Potthast den Klub zum Aufstieg führen und damit auch seine Karriere ankurbeln? Als junger deutscher Trainer hat man es im deutschen Basketball schließlich nicht leicht. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Joe Hart, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Joe Hart will den internationalen Durchbruch schaffen. Dafür lebte der Engländer bislang ein Vagabundenleben. Diese Spielzeit ist die erste seiner Laufbahn, in der Hart für denselben Verein wie in der Vorsaison aufläuft. Doch dann muss er eine schwere Verletzung hinnehmen. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Ricky Hoffmeister, Protagonisten der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Ricky Hoffmeister ist Fan der SBB Baskets. Er hilft außerdem bei den Heimspielen. Wenn die Spieler ein Problem haben, rufen sie ihn an. Hoffmeister sagt: "Basketball in Wolmirstedt ist mein Leben. Das ist alles für mich." Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Philipp Lieser, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Philipp Lieser ist der Kapitän der SBB Baskets Wolmirstedt. Er soll das Team auch in schweren Zeiten zusammenhalten – was in der Corona-Pandemie wohl eine so große Herausforderung ist wie nie zuvor. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Dominick von Waaden, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Dominick von Waaden ist der Youngster im Team. Er steht noch am Anfang seiner Karriere und will in die Fußstapfen seines Vaters treten – denn der war jahrelang Bundesligaprofi. Davon ist von Waaden noch weit entfernt. Doch: "Ich will es unbedingt schaffen", sagt er. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Dirk Uhlemann, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Dirk Uhlemann ist einer der Macher im Hintergrund. Er arbeitet als Geschäftsführer beim Hauptsponsor SBB (Segment-Behälter-Bau GmbH) und ist Vorstandsvorsitzender bei den Baskets. Und er hat mit dafür gesorgt, dass der Verein ein Budget zur Verfügung hat, von dem andere Regionalligisten nur träumen können. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener
Deji Adekunle, Protagonist der Dokumentation "BUILT TO WIN" über die Baskets Wolmirstedt
Deji Adekunle ist zu Saisonbeginn noch verletzt. Denn der Profi aus England brachte in der vergangenen Saison ein großes Opfer für die Baskets: Er spielte mit einem gerissenen Kreuzband. Nun hat der Klub trotzdem Ersatz für ihn verpflichtet. Erhält Adekunle nach seiner Genesung noch eine Chance?

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Mai 2021 | 19 Uhr

Quelle: MDR/Daniel George
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Nach mehreren Monaten in den USA ist Dominick von Waaden seit einigen Wochen wieder zurück in Wolmirstedt. "Zu Hause in den USA konnte ich nicht in die Halle", sagt er. Und: "Zwei, drei Monate nur draußen werfen, nur daheim ein bisschen Workouts machen, war mir nicht mehr genug. Dann hatte ich jeden Tag so richtig den Drang – ich übertreibe hier nicht –, ich musste so richtig wieder in die Halle. Ich konnte nicht mehr."

"Die Erde liegt mir sehr nah"

Also wird trainiert – und in der Freizeit fleißig Müll gesammelt. Während andere Profis vor der Spielkonsole sitzen, will Dominick von Waaden die Welt ein kleines Stückchen besser machen. Nur: Woher rührt diese Einstellung?

"Die ganze Welt ist ein Organismus, der zusammenarbeitet, auch, wenn man das auf den ersten Blick vielleicht nicht sieht", sagt der 21-Jährige. "Ich ernähre mich auch vegan und folge dieser Lebenseinstellung. Die Erde liegt mir einfach sehr nah. Deswegen mache ich das Ganze."

Warum "BUILT TO WIN"?

Basketball stammt aus Nordamerika. Die "Amtssprache" ist Englisch – auch in der Regionalliga, weshalb sich die Macher der Doku für einen englischen Titel entschieden haben. "BUILT TO WIN" bedeutet frei übersetzt so viel wie: zusammengestellt, um zu gewinnen. Und das trifft auf das Wolmirstedter Team 2020/2021 perfekt zu.

Die Macher der Dokumentation

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Daniel George Hallo! Ich bin Daniel George und arbeite seit 2017 für MDR SACHSEN-ANHALT. Worüber ich besonders gerne berichte? Basketball. Was ich besonders mag? Gute Geschichten. "BUILT TO WIN" vereint beides – und war für mich deshalb ein Herzensprojekt.

Max Schörm
Bildrechte: MDR/Sarah Peinelt

Über Max Schörm Hallo! Ich bin Max Schörm und arbeite seit 2017 für MDR SACHSEN-ANHALT. Dort bin ich vor allem für Erklär-Videos zuständig – und nun für die technische Produktion dieses Films. "BUILT TO WIN" haben wir zu großen Teilen mit nur einem Handy und einer Spiegelreflexkamera gedreht.

MDR/Daniel George

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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