Fragen und Antworten Martinstag in Sachsen-Anhalt: So werden die Umzüge zu einem sicheren Erlebnis

"Laterne, Laterne" – zum Martinstag am kommenden Donnerstag leuchten nach der coronabedingten Pause im Vorjahr vielerorts bei den traditionellen Umzügen in Sachsen-Anhalt wieder Fackeln und Laternen. Häufig wird der Gang durch die Straßen von Sankt Martin auf seinem Pferd angeführt. Die Laternenträger sollten wegen der Corona-Pandemie nicht nur untereinander auf Abstand achten.

Kinder mit Laternen
Kinder ziehen beim Sankt-Martins-Umzug mit Laternen durch die Straßen. Bildrechte: dpa

In den Gemeinden auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), zu dem auch der größte Teil von Sachsen-Anhalt gehört, laufen die Vorbereitungen auf das Martinsfest in der kommenden Woche. Alle Veranstaltungen würden allerdings unter Vorbehalt mit Blick auf die aktuellen Corona-Regeln geplant, teilte die mitteldeutsche Kirche am Freitag mit.

Luther, Martinstag, Martinsfest und ökumenischer Brauch

Die evangelischen Christen feiern den 11. November als Namens- und Tauftag Martin Luthers. Am Vorabend mit Lichter- und Lampionumzügen das Martinsfest zu feiern, ist deshalb besonders in Mitteldeutschland ein ökumenischer, also ein evangelische und katholische Christen verbindender, Brauch. Gemeinden, Kindergärten und Schulen laden zum "Laternengehen" oder, der katholischen Tradition folgend, zum Sankt-Martins-Umzug ein. Gleichzeitig erinnert der 11. November an den Heiligen Martin, den früheren Bischof von Tours (316 oder 317 bis 397). Er soll seinen Mantel mit dem Schwert zerteilt und die Hälfte einem frierenden Bettler gegeben haben.

Veranstaltungen am Martinstag in Sachsen-Anhalt (Auswahl):

  • In Stendal beginnt die Martinsfeier am 11. November unter dem Motto "Ich geh mit meiner Laterne…" im Dom (16:30 Uhr) mit einer Andacht. Anschließend werden die Martinshörnchen geteilt und es geht ein Umzug durch die Innenstadt.
  • In Halle lädt am Martinstag (16:30 Uhr) die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Familien auf dem Hallmarkt vor der Moritzkirche ein, miteinander am St. Martins-Feuer das Brot zu teilen.
  • Die Martinsfeier in Salzwedel beginnt in der Lorenzkirche (17 Uhr) mit einer Andacht, anschließend ziehen die Kinder singend mit Laternen zum Karlsturm. Vor dem Gemeindehaus gibt es Stockbrot, Schmalzbrote, Weckmänner und Kinderpunsch.
  • In Wernigerode gibt es am Martinstag (16:30 Uhr) in der Sylvestrikirche eine Andacht, danach geht ein Laternenumzug zur Johanniskirche, wo am Martinsfeuer die Hörnchen geteilt werden.
  • Ein ökumenischer Gottesdienst mit Martinsspiel wird im Dom zu Magdeburg (16:30 Uhr) von den Dombläsern und der Domsingschule gestaltet. Im Anschluss gibt es einen Laternenumzug im Kreuzgang, Martinsriegel und den Martinssegen.
  • In der Petrikirche in Lutherstadt Eisleben wird am Martinstag ein Gottesdienst (17 Uhr) gefeiert. An diesem Tag wird auch an Martin Luther gedacht, der am 11. November 1483 in der Petrikirche in Eisleben getauft wurde.
  • In Bad Schmiedeberg wird am Martinstag im Kurhausgarten (17 Uhr) die Legende des Heiligen Martin erzählt, anschließend startet ein Laternenumzug durch die Innenstadt.

Sollten für die Laternen echte Kerzen verwendet werden?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Brennende Kerzen sind allerdings immer eine potenzielle Gefahr. Eine Windböe oder ein kleiner Rempler reichen manchmal aus, damit die Laterne Feuer fängt. Um das Risiko zu minimieren, sollten Kerzen möglichst gut gesichert werden und mittig in der Laterne stehen. Für Stumpenkerzen gibt es spezielle Halterungen, Teelichte können mit Klebeband am Boden befestigt werden. Sind die Kinder noch zu klein oder ist es sehr windig, ist ein Leuchtstab oder LED-Licht ratsam, auch wenn es nicht ganz so stimmungsvoll ist.

Wie sollten sich die Kinder kleiden?

Kinder sollten in heller Kleidung und möglichst mit Reflektoren zum abendlichen Umzug starten. Damit werden sie vor allem von Autofahrern gut gesehen werden.

Welche Fackeln werden für Kinder empfohlen?

Kinder sollten Fackeln grundsätzlich nur unter Aufsicht eines Erwachsenen tragen. Der TÜV empfiehlt kurze und damit leichtere Fackeln mit einer kürzeren Brenndauer, weil Kinder noch nicht so viel Kraft haben und ihre Konzentration mit der Zeit nachlässt. Zudem ist es ratsam, dass die Kinder Arbeitshandschuhe tragen, um die empfindliche Haut zu schützen.

Welche Fackeln sind für die Umzüge geeignet?

Es gibt Pech- und Tuchfackeln, Wachsfackeln oder Bambusfackeln mit Lampenöl. Auf Fackeln mit brennbaren Flüssigkeiten sollte verzichtet werden, weil sie auslaufen und Verbrennungen oder Brände verursachen können. Auch selbst gebaute Fackeln haben bei Wanderungen oder Umzügen Experten zufolge nichts zu suchen. Bei Fackeln ist übrigens keine GS-Prüfung üblich, damit fehlt das Siegel für geprüfte Sicherheit, weshalb die Gebrauchsanweisung genau beachtet werden sollte.

Welche Gefahren bestehen?

Heißes Wachs oder Pech kann abtropfen und den Fackelträger verletzen. Gefährdet sind besonders Gesicht und Hände. Auch der Rauch ist nicht ungefährlich und sollte nicht eingeatmet werden. Offene, lange Haare sollten zusammengebunden werden. Auch weite Ärmel, Fransen oder lange Schnüre an der Kleidung sind ungeeignet. Als "sturmfest" beworbene Fackeln sollten bei stärkerem Wind nicht verwendet werden, weil Kleidung, Haut oder Haare in die Flamme geraten könnten.

Was ist bei Umzügen mit Pferden zu beachten?

Viele Pferde haben Angst vor Feuer. Kinder mit Laternen und Fackeln sollten daher Abstand halten. Wenn das Tier ein Kind verletzt oder Schäden anrichtet, muss dafür nach Angaben von Versicherern in der Regel der Pferdehalter geradestehen.

Wie sind Kinder und Erwachsene abgesichert?

Bei Laternenumzügen von Kindergarten oder Grundschule stehen Kinder unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Auf begleitende Eltern trifft das nach Angaben der Unfallkassen nur zu, wenn sie zum offiziellen Betreuungspersonal gehören. Nicht gesetzlich unfallversichert sind hingegen sonstige Besucherinnen und Besucher oder Kinder, die nicht mit ihrer Kita- bzw. Schulgruppe unterwegs sind. Das gilt auch für die Teilnahme an privat organisierten Umzügen – dort greift im Schadensfall die private Unfallversicherung.

MDR/Gero Hirschelmann, dpa, afp

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