#MDRklärt Hochwasser in Sachsen-Anhalt: Wie Menschen und Gemeinden sich schützen können

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Die vergangenen Wochen und Monate haben gezeigt: In Sachsen-Anhalt kommt es nach starken Regenfällen immer wieder zu Überschwemmungen und Hochwassern. Unser Überblick zeigt, was Sie tun können, um sich vor Schäden zu schützen, und wie Sie herausfinden, ob Sie in einem Hochwasser-Risikogebiet leben.

Ein überschwemmter Baum steht im Fluss Schutter.
In Sachsen-Anhalt kommt es immer wieder zu starken Überschwemmungen. Bildrechte: dpa

Überschwemmte Straßen, Schlammlawinen und geflutete Keller: Erst am vergangenen Wochenende hatte besonders der Süden Sachsen-Anhalts mit Dauerregen und dessen Folgen zu kämpfen. Die Wassermassen waren teilweise so groß, dass die Überflutungsgräben sie nicht aufnehmen konnten. Den Landkreis Mansfeld-Südharz hat es besonders schlimm getroffen. 84 Einsätze von Rettungskräften gab es hier.

Dauerregen kann genau wie gravierende Hochwasser immer wieder auftreten, wie in der Geschichte Sachsen-Anhalts deutlich wird. Erinnert sei an die Jahrhundertflut der Elbe 2002 oder das Hochwasser im Harz 2017. Deshalb haben wir für Sie einen Überblick, wie Sie sich vorab vor Schäden schützen können und wo Sie herausfinden, ob sich Ihre Wohnung in einem Hochwasser-Risikogebiet befindet.

Ein Herr mit brauner Jacke fährt im Boot über einen Stausee, im Hintergrund sind Bäume am Ufer
Burkhard Henning ist Direktor des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, gibt im Folgenden einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie funktionieren Überflutungsgräben?

Es gibt unterschiedliche Arten von Flutgräben. Sie sind Teil des Hochwasserschutzes. Zum Beispiel hat Magdeburg einen Umflutkanal, der etwa 20 Kilometer lang ist und etwa ein Drittel des Elbwassers im Ernstfall herausnehmen könnte. In anderen Regionen gibt es Flutgräben, die von Menschenhand gesteuert werden können oder so angelegt sind, dass sie bei einem bestimmten Pegel dafür sorgen, das Wasser um den Ort herumzuleiten.

"Wenn der Platz dafür da ist, würde ich zum Beispiel im Gebirgsbereich versuchen, das Wasser durch ein Rückhaltebecken oder eine Talsperre einzudämmen. Dann kann man das Wasser kontrolliert so abgeben, dass es, ohne Schaden zu verursachen, durch die Orte fließen kann", erklärt Burkhard Henning.

Die Rappbode-Talsperre früher (Bild: Helmut Pape) und heute (Bild: mdr um vier/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK).
Bildrechte: Collage/Helmut Pape/mdr um vier/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warum fließen große Wassermassen an den Gräben vorbei?

Am Wochenende war die Situation im Wethautal beispielsweise so, dass der Dauerregen für große Wassermassen sorgte, die an dem eigentlichen Überflutungsgraben vorbei geflossen sind. Das kann passieren, weiß Henning, und meint: "Ganz primitiv gesagt: Wenn Sie einen Bus haben, in den 50 Leute passen und da 150 Leute einsteigen, bricht die Achse. Dann ist das System überlastet und funktioniert einfach nicht." Heißt: Wenn zu viel Wasser kommt, kann es sein, dass die Gräben überfordert sind.

Ein extremeres Beispiel von Henning: Wenn die Wassermassen so stark sind, dass Autos und Bäume mitgerissen werden, bleiben diese unter anderem an Brücken hängen und blockieren dem Wasser den Weg. Dann sucht es sich neue Möglichkeiten, um weiter zu fließen und bricht aus dem vorgegebenen Flussbett aus.

Hochwasserschutz: Die Rolle der kleinen Bäche und Gräben

Bäche und Gräben haben in der Geschichte schon immer eine wichtige Rolle gespielt, wie Henning erzählt: "Vor 300 Jahren haben sich die Menschen um einen Fluss angesiedelt, weil sie das Wasser brauchten – zum Beispiel zum Waschen ihrer Kleidung oder als Antriebsenergie." So wurden beispielsweise Mühlgräben gegraben, die das Wasser eines Baches zum Mühlrad führten und am Ende wieder in den Bach zurückleiteten.

Er fügt hinzu: "In unseren Orten gibt es vielfach auch heute noch solche Gräben, die sehr nützlich sind, weil sie bei Hochwasser Teile des Wassers abführen können. Sie haben aber nur eine bestimmte Aufnahmefähigkeit. Wenn zu große Wassermassen kommen, funktioniert das nicht."

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Das sollten Sie mit Bächen neben Ihrer Wohnung tun

Bäche und Gräben können zum Beispiel neben Ihrem Grundstück entlang verlaufen. Halten Sie diese sauber und lassen Sie keine Gegenstände – beispielsweise Gartenwerkzeuge – darin liegen. Ansonsten könnte das Grabensystem im Ernstfall nicht funktionieren, da es verstopft und blockiert wird.

Burkhard Henning erinnert sich: "Wir hatten 2017 im Harz ein Hochwasser. Wenn Sie sich diese Bilder angucken, sieht man, dass viele Schäden auch wegen der Sünden, die die Menschen begangen haben, entstanden sind. Zum Beispiel, weil sie ihre Häuser zu nah an und über die Holtemme gebaut oder dort Gartenabfälle hineingeworfen haben."

Vorsorge: So können Sie sich und Ihre Wohnung schützen

Vorsorge sei ganz wichtig, sagt Burkhard Henning und verweist als erstes auf digitale Gefahren- und Übersichtskarten, auf denen jede Person ablesen könne, wie wahrscheinlich ein Hochwasser im eigenen Ort ist. Diese Karten gibt es wegen der Hochwasser-Risiko-Management-Richtlinie der Europäischen Union.

Henning erklärt: "Die EU-Mitgliedsstaaten mussten in ihren Ländern das Hochwasser-Risiko ermitteln. Das heißt, wir haben jetzt zum Beispiel in Deutschland in den einzelnen Bundesländern eine bestimmte Größe an Risikogewässern und die entsprechenden Karten."

#MDRklärt Das sollten Sie tun, wenn vor Hochwasser gewarnt wird

1. Besorgen Sie zum Schutz Sandsäcke, Bretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon.
Bildrechte: MDRklärt/pixabay
1. Besorgen Sie zum Schutz Sandsäcke, Bretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon.
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2.Schauen Sie, dass gefährliche Stoffe oder Chemikalien nicht vom Wasser erreicht werden können.
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3. Bringen Sie wertvolle Möbel oder Geräte wie Computer etc. in die oberen, geschützteren Räume.
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4. Räumen Sie die Kellerräume aus, in die Grundwasser eindringen kann oder die volllaufen können.
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Sicheren Sie den Heizöltank gegen den Auftrieb durch das Wasser, zum Beispiel durch Ballast oder einer Verankerung. Schalten Sie den Strom im Keller aus. Danach: den Keller meiden!
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6. Packen Sie eine Nottasche mit Dokumenten, Vorräten und warmer Kleidung.
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7. Fahren Sie Ihr Auto aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen. Bringe Haustiere in Sicherheit.
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Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 22. Juli 2021 | 05:30 Uhr

Quelle: MDR/Max Schörm
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Wenn man sehe, dass in der eigenen Region schon einmal ein Hochwasser aufgetreten ist oder zukünftig auftreten könnte, sollte man auf jeden Fall vorsorgen. Zum Beispiel sind laut Henning Baumaßnahmen am eigenen Haus möglich, sodass durch Türen und Fenster kein Wasser eindringen könne.

"Die Niederlande müssen sich wegen ihrer Lage ja sehr stark mit dem Thema auseinandersetzen. Da haben wir uns einige Beispiele angeschaut. Sie haben dort Schaufenster, die so verglast sind, dass die Scheibe nicht bricht, selbst wenn draußen zwei Meter hoch Wasser steht", so Henning. Für die bauliche Vorsorge verweist er zusätzlich auf die Hochwasserschutz-Fibel des Bundes. Auch Sandsäcke Zuhause zu haben sei sinnvoll.

Einige Hochwasser können frühzeitig erkannt werden

An großen Flüssen wie Elbe, Saale und Weißer Elster befinden sich Pegel, die dabei helfen, frühzeitig ein Hochwasser erkennen zu können. "Wir haben an der Elbe aus einer sehr langen Tradition heraus eine sehr präzise Vorhersage", so Henning. Bei kleineren Bächen sei das nicht möglich.

Auch die Umstände sind entscheidend, meint er: "Wernigerode und Ilsenburg befinden sich ja fast in Gebirgslage. Wenn da jetzt überraschend eine Gewitterzelle stehen bleibt und viel Wasser in kürzester Zeit herunterkommt, ist das Wasser innerhalb von wenigen Minuten da. In Magdeburg an der Elbe ist das anders: Da haben wir eine Vorwarnzeit von drei Tagen."

Wie läuft die Warnung vor Hochwasser in Sachsen-Anhalt?

Die Hochwasserzentrale Sachsen-Anhalt ist Tag und Nacht besetzt. Burkhard Henning und sein Team bekommen dann Informationen vom meteorologischen Dienst. Darin könnte beispielsweise stehen, dass ein Tiefdruckgebiet aufzieht, das dafür sorgt, dass im Raum Wernigerode viel Regen niedergeht.

Die Hydrologen aus dem Team rechnen daraufhin aus, welche akuten Folgen der Regen haben könnte. "Wenn sie dann sagen 'Okay, es kann dazu führen, dass die Flüsse das Wasser nicht aufnehmen können', dann geben wir Hochwasserwarnungen heraus", so Henning. Diese Warnungen gehen dann unter anderem an die Rettungsstellen der Landkreise, die das Problem mit den jeweiligen Kommunen besprechen und dann Einwohnerinnen und Einwohner informieren.

Bei den großen Flüssen, an denen der Pegel gemessen werden kann, können Warnungen frühzeitiger ausgesprochen werden. "Wenn der Regen zu bestimmten Pegelständen geführt hat, die bei uns elektronisch erfasst werden, rechnen die Hydrologen aus, welche Wasserstände sehr wahrscheinlich eintreten werden und rufen dann Hochwasser-Alarmstufen aus", sagt Henning.

Das bedeuten die vier Alarmstufen

  • Alarmstufe 1 "Meldebeginn": Der festgelegte Richtpegel des Wasserstandes wird mit steigender Tendenz überschritten.
  • Alarmstufe 2 "Kontrolldienst": Die Städte und Gemeinden richten einen Kontrolldienst ein.
  • Alarmstufe 3 "Wachdienst": Es wird ein ständiger Wachdienst eingerichtet und mit Maßnahmen der Deichverteidigung begonnen.
  • Alarmstufe 4 "Hochwasserabwehr": Es besteht Gefahr für die Allgemeinheit, Wirtschaft oder für die Funktionstüchtigkeit wasserwirtschaftlicher Anlagen.

Online können die Hochwasservorhersagen inklusive der Pegelstände und Informationen jederzeit abgerufen werden.

Was sollten Gemeinden und Kommunen vorab tun?

Henning empfiehlt ihnen unter anderem das Hochwasser-Audit der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Damit könne untersucht werden, wie hoch das Hochwasserrisiko vor Ort ist. "Bei uns in Sachsen-Anhalt wurde das in dieser Förderperiode auch gemacht, zum Beispiel in Halle", so Henning. Je nachdem sollten dann entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

MDR/Johanna Daher

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. August 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Altmagdeburger vor 38 Wochen

Die Gotteshäuser wurden schon immer auf einen Berg oder Erhöhung gebaut, nicht nur um so nah an Gott zu sein, sondern auch keine nasse Füße zu bekommen.

part vor 38 Wochen

Einfach mal schauen wie die alten Römer Brücken im alten Germanien errichteten, dazu in Holzbauweise und der Vorahnung, das das nächste Unwetter den Geschichtsschreiber beschäftigen wird. Dazu die Bauweise der Steinbauten und die Auswahl des Terrains, nachfolgend zu den Kathedralen in Europa. Wer als Architekt und Baumeister lernt gleichzeitig als Geologe und Biologe weiterreichend zu planen war schon immer im Vorteil. Manche Orte sind aber da errichtet, wo der einstige Adlige, den Leibeigenen den schlechtesten Grund überließ. In 1000 Jahren kann sich viel ereignen, auch bei moderner Bauweise. Viele Industriegebiete sind heute auf wertvollen Ackerboden errichtet, ob es den wegschwemmt bei Unwetterkatastrophen kann auch niemand voraussagen.

Altmagdeburger vor 38 Wochen

Und dann gibt es Stadtoberhäupter die lassen es zu, dort zu Bauen wo schon immer Hochwasser gab und gibt, wie in Magdeburg an der Elbe. Schon als Kind kannte ich das nicht anders Elbe/Buckau oder Kulturpark. Wer aber dort Baut und hinzieht soll sich nicht hinterher sich beklagen, weil er Nasse Füße bekommt.

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