Altersbezüge Sachsen-Anhalt: Mehr Beamte im Ruhestand – Ausgaben für Pensionen in zehn Jahren verdreifacht

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Wenn Beamte in den Ruhestand gehen, haben sie Anspruch auf eine Pension. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl derer, bei denen das zutrifft, verdoppelt. Eine Auswertung von MDR SACHSEN-ANHALT zeigt außerdem: Die Ausgaben des Landes haben sich verdreifacht. Und das dürfte nicht alles sein: Beziehen schon jetzt mehr als 11.000 Menschen in Sachsen-Anhalt eine Pension, sollen es bis 2030 17.000 werden.

Zwei ältere Menschen sitzen auf einer Holzbank in einem grünen Park. Im Hintergrund ist ein Teich zu sehen. Links offenbar eine Frau, mit grauen, wuscheligen Haaren. Rechts ein Mann mit Schiebermütze. Neben der Bank steht ein Rollator. Vor dem Bild ist grafisch der Anstieg der Versorgungsbezüge des Landes Sachsen-Anhalt dargestellt. Es beginnt mit einem kleinen Balken auf der linken Seite und endet mit einem mehr als drei Mal so großen auf der rechten Seite.
Die Versorgungsbezüge in Sachsen-Anhalt sind seit 2010 von etwa 80 Millionen Euro auf etwa 260 Millionen Euro gestiegen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Sven Simon

In Sachsen-Anhalt hat sich die Zahl der Pensionärinnen und Pensionäre seit 2010 mehr als verdoppelt. Waren es damals noch 5.055 Menschen, die Anspruch auf Versorgungszahlungen hatten, stieg die Zahl bis Ende 2020 auf etwa 11.135. Das geht aus Informationen des Landesfinanzministeriums hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT ausgewertet hat.

Das ist keine günstige Angelegenheit: Im vergangenen Jahr zahlte das Land rund 260 Millionen Euro an die Versorgungsberechtigten, berichtet das Statistische Landesamt.

Zahlenunterschiede zwischen Finanzministerium und Statistischem Landesamt

Die Angaben zur Zahl der Versorgungsberechtigten des Statistischen Landesamts weichen leicht von denen des Finanzministeriums ab. Das liegt daran, dass die Zahlen an unterschiedlichen Stichtagen erhoben wurden und auf der einen Seite Pensionärinnen und Pensionäre hinzukommen, während auf der anderen Seite Anspruchsberechtigte sterben.

Üblicherweise werden besonders ehemalige Beamte, die in den Ruhestand gegangen sind, mit der Pension in Verbindung gebracht. Sie haben in ihrer Arbeitszeit zum Beispiel als Polizistinnen, Lehrer oder beim Finanzamt gearbeitet.

Aber nicht nur sie sind versorgungsberechtigt: Witwen, Witwer und Waisen von verstorbenen Beamten, die Hinterbliebenenversorgung beziehen, fasst das Recht ebenfalls unter dem Begriff "Versorgungsberechtigte" zusammen. Die "Pension" ist nur ein umgangssprachlicher Begriff.

Lehrer mit dicker Winterjacke, Schal und Mundschutzmaske
Wenn Lehrer verbeamtet sind, erhalten sie nach ihrem Arbeitsleben im Klassenzimmer eine Pension vom Land, in dem sie tätig waren. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Michael Weber

Bis 2030: 17.000 Versorgungsberechtigte

Allerdings machen weniger die Hinterbliebenen, sondern eher die Ruheständler den größten Teil der Versorgungsberechtigten aus. Ihre Zahl steigt in ganz Deutschland – und auch in Sachsen-Anhalt werden sie mehr. Jeder vierte Beamte zwischen Arendsee und Zeitz ist 55 Jahre alt oder älter und geht in absehbarer Zeit in den Ruhestand. Damit geht dem Land auch jahrelange Berufserfahrung verloren.

Das Finanzministerium rechnet damit, dass 2030 etwa 17.000 Menschen einen Anspruch auf Versorgung haben. Für die kommenden vier Jahre prognostiziert das Ministerium bereits einen Anstieg der diesbezüglichen Ausgaben von insgesamt mehr als 100 Millionen Euro.

Lydia Hüskens, die Landesvorsitzende der FDP in Sachsen-Anhalt, gibt zu bedenken, dass gut bezahlte Arbeit motiviere. Hüskens sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ihre Partei stehe eigentlich dafür, nur für hoheitliche Staatsaufgaben zu verbeamten, wie zum Beispiel bei der Polizei. Bei Lehrerinnen und Lehrern ist eine Verbeamtung in ihren Augen hingegen eher strittig. Doch durch die Sicherheit der Verbeamtung könne sich Sachsen-Anhalt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und so werdende Lehrkräfte motivieren, in Sachsen-Anhalt zu arbeiten. Kosten und Nutzen müssten abgewogen werden.

Doch nicht alle Beamten, die in Sachsen-Anhalt arbeiten, werden vom Land bezahlt. Einige arbeiten für die Kommunen oder den Bund und bekommen dann von dort ihre Ansprüche erstattet. Für die Beamten von Sachsen-Anhalt ist eine Stelle im Finanzamt Dessau-Roßlau allein zuständig und überweist den Anspruchsberechtigten ihr Geld.

Unterschiedlich hohe Pensionen in Ost und West

In Deutschland liegt die Pension laut einer aktuellen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts bei durchschnittlich 3.340 Euro – Männer bekommen im Schnitt etwa 600 Euro mehr als Frauen. Ein noch stärkerer Unterschied zwischen den Durchschnittspensionen lässt sich zwischen den sogenannten alten und neuen Bundesländern feststellen. In den alten Ländern liegt die Pension bei durchschnittlich 3.410 Euro, in den neuen bei 2.360 Euro. Allerdings gilt es hierbei zu beachten, dass mehr Beamte im Westen höhere Dienstgrade bekleiden als im Osten.

Aber unabhängig von Geschlecht und Bundesland sind die Zahlen deutlich höher als die durchschnittliche Brutto-Rente. Beamtenverbände kritisieren jedoch den direkten Vergleich. Sie finden: Die Beamtenpension lässt sich höchstens mit einer Betriebsrente vergleichen. Aber selbst da schneidet die Pension besser ab.

Staat zahlt Teil der Steuern an Beamte aus

Anders als Arbeitnehmerinnen und -nehmern zahlen Beamte während ihres Berufslebens keinen Betrag ihres Lohns in eine Kasse. Stattdessen zahlt der Staat einen Teil der Steuern an die Beamten aus. Wie viel die einzelnen Beamten nach ihrem Berufsleben bekommen, orientiert sich dabei an ihrem letzten Verdienst. Einen Prozentsatz davon bekommen sie als Pension. Den höchsten Anteil, etwas weniger als drei Viertel des letzten Gehalts, erhalten Beamte nach 40 Jahren Dienst in Vollzeit. Bei weniger Dienstjahren sinkt dieser Anteil entsprechend.

Verglichen mit anderen Bundesländern, sind die etwa 11.000 Berechtigten in Sachsen-Anhalt eher wenig. Das Saarland hat zum Beispiel weniger Einwohner, dort bekommen aber rund 15.000 Menschen eine Pension. In Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit den meisten Einwohnern (17,9 Millionen), haben mehr als 214.000 Menschen Anspruch auf eine Versorgung durch das Land.

Zukünftig sollen die Pensionsansprüche in Sachsen-Anhalt über einen Fonds beglichen werden. Nach Angaben des Finanzministeriums ist aber noch nicht genug Geld in dieser Kasse. Erst 2039 könnte es soweit sein, schätzt das Ministerium.

MDR/David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. August 2021 | 06:00 Uhr

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